Düsseldorf. "Wetten, dass ..?" lebt. Markus Lanz hielt bei seiner Premiere im Rampenlicht von Europas größter TV-Show die Konkurrenz auf Distanz. Trotz diverser Tonprobleme meisterte er die mehr als dreistündige Feuertaufe - und überzog nur um zwölf Minuten.
"Die Menschen mögen den Markus, der hat das toll gemacht", sagt Frank Elstner (70). Der Erfinder von "Wetten, dass..?" hatte den Neustart von Europas größter TV-Show in Düsseldorf aus der ersten Reihe verfolgt. Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) lobt ihren Gastgeber der vergangenen drei Stunden: "Ich finde, er hat das klasse gemacht. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt."
Ungewohnte Tonprobleme
Trotz ungewohnter Tonprobleme und eines manchmal etwas gehetzt wirkenden Ablaufs: Markus Lanz (43) hat seine Feuertaufe in den Fußstapfen von Thomas Gottschalk mit 13,62 Millionen Zuschauern wohl nicht nur in den Augen von ZDF-Intendant Thomas Bellut bestanden. Nur bei Gottschalks Abschied sahen in den vergangenen sieben Jahren mehr Menschen dem Show-Spektakel zu.
Auch wenn die erste Sendung nicht repräsentativ ist: Aus dem "Quoten-Gemetzel" am Samstagabend geht Lanz als Sieger hervor: "Das Supertalent" mit den Herausforderern Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen blieb mit 4,57 Millionen Zuschauern abgeschlagen. Die Festung "Wetten, dass..?" hat dem Angriff standgehalten.
Cindy aus Marzahn statt Michelle Hunziger
Die schwerwiegendste Änderung bei "Wetten, dass..?" 2.0 war der Auftritt von Cindy aus Marzahn anstelle von Michelle Hunziker als Assistentin des Showmasters, zumindest in der ersten Ausgabe. Optisch fällt die Komikerin im edlen neuen Bühnenbild neben dem schicken Moderator im dreiteiligen Anzug aus dem Rahmen. Und sorgt mit eigenwilligen Einfällen für anarchische Momente. Die diversen Tonprobleme dürften die Nervosität des neuen Zeremonienmeisters aus Südtirol nicht gemindert haben.
Ein paar Hakler gab es, räumte Lanz unmittelbar nach der Show ein. Seine erste Bilanz fällt vorsichtig aus: "Hätte schlimmer sein können." Er habe noch kein Gefühl, wie es gelaufen sei, sagt der "Moderator mit Migrationshintergrund" und manchmalk auch mit "Migränehintergrund" sichtlich erschöpft - und wolle nun erstmal schlafen.
Mit lockeren Wetten konnte das rund 300-köpfige Showteam den Zuschauern große Unterhaltung bieten: Der zehnjährige Julian Zude kannte nicht nur den Berliner S-Bahn-Netzplan auswendig - er konnte ihn auch mit allen Zusatzverbindungen ansagen wie ein Profi, und das Publikum bog sich vor Lachen. Am Landtag in Düsseldorf formten hunderte Nackte das Logo des wieder erstklassigen heimischen Fußballklubs Fortuna - und einen Steinwurf entfernt im Hafen zog ein Ruder-Achter den 14-jährigen Wakeboarder Max Balser durch einen Slalom-Parcours.
Wettkönig wurde ein Wettverlierer: Cijan Calis scheiterte nur haarscharf mit seinem Versuch, mehrere Fallrückzieher auf einem schmalen Band balancierend in einem Fußballtor einzunetzen und hatte am Ende die Sympathien auf seiner Seite. Die Hundehaar-Tastwette von Hundefriseurin Monika Thaler war genauso skurril wie der mit seinen wackelnden Ohren morsende Detlev Jarchow. Das hatte Loriotsche Züge. In die Hose ging die Traktorwette von Johann Redl, die bereits nach wenigen Sekunden verloren war, weil der Österreicher sein Gefährt nicht auf zwei Rädern halten konnte.
Auf der neuen fahrbaren Couch zeigten sich Schauspieler Wotan Wilke Möhring und Comedian Bülent Ceylan charmant und Modezar Karl Lagerfeld gewohnt seltsam. Vergleichsweise blass blieben Campino, Kraft und die van der Vaarts. Um Kopf und Kragen redete sich Superstar Jennifer Lopez, die binnen weniger Sekunden gefühlte zehn Mal die Marke Chanel erwähnte.