
Berlin. (bau) Da sage noch jemand, im Magazinmarkt gäbe es keine Innovation mehr. Wenngleich im aktuellen Fall die Inspiration direkt aus den Siebzigerjahren kommt. Das zwischen 1975 und 2000 erscheinende Jugendheft "Yps" kommt ab heute, Donnerstag, in die Trafiken zurück. Allerdings ist das Kultheft, wie auch seine mutmaßlichen Leser, erwachsen geworden und ist nun ein Männermagazin.
Klar, dass es da neue Inhalte braucht. Allerdings waren die bei Yps auch nie das zentrale Thema. Denn das Heft drehte sich vielmehr um das "Gimmick", eine Zugabe, die die Publikation zum Kultstatus aufsteigen ließ. Von der Agentenausrüstung bis zu lebenden Urzeitkrebsen war alles dabei. Legendär war etwa die Detektivbrille mit einer Jalousie vor den Augen und Seitenspiegeln, der Ostereierbaum oder das Blasrohr, das um die Ecke schießt. Die erste Ausgabe, die am Donnerstag, erscheint, nimmt darauf Bezug. Als "Yps"-Gimmick sind die legendären Urzeitkrebs-Eier beigelegt. Damit die, bei denen die Krebse schon damals nicht und nicht schlüpfen wollten, eine zweite Chance bekommen.
"Jeder hat sein eigenes Bild von ,Yps im Kopf. Allen gemeinsam ist, dass es positiv ist: Kindheit, Wärme, Wohligkeit", sagt der neue Chefredakteur Christian Kallenberg, der vom Männermagazin FHM im Egmont Ehapa Verlag zu "Yps" wechselte. Das neue "Yps" sei ein "Magazin, das Kindheitserinnerungen weckt, aber selbst nicht kindlich ist", meint Kallenberg. Ein Fünftel des hundert Seiten starken Heftes besteht aus alten oder neuen Comics, unter anderem dem Klassiker Yinni und Yan. Artikel beschäftigen sich mit Fragen wie: "Kann ich mit 35 noch Geheimagent werden?" - auch das freilich eine Reminiszenz an die nicht endenwollenden Agenten-Gimmicks aus der Vorzeit.
Urzeitkrebse mit dabei
Überhaupt hatten manche Gimmicks ein langes Leben und wurden mehrfach verkauft. So wurden die Urzeitkrebs in den 25 Jahren des Erscheinens insgesamt 20 Mal, das Abenteuerzelt 15 Mal beigepackt. Aber das ist Schnee von gestern: Kern-Zielgruppe des neuen "Yps" sind laut Egmont Ehapa Verlag Männer von 30 bis 45 Jahren. Kallenberg selbst ist 35. Das neue "Yps" hat eine Startauflage von 120.000 Exemplaren und kommt halbjährlich um 5,90 Euro heraus. Zu seinen besten Zeiten in den 70er und 80er Jahren hatte die Zeitschrift zeitweise eine Verbreitung von mehr als 400.000 Exemplaren.
Das einstige Wochenmagazin war zugleich wichtiges Forum für die Verbreitung französischer und belgischer Comics im deutschsprachigen Raum. Auch bekannte Figuren wie Asterix, Lucky Luke oder später Garfield hatten ihren Platz.