• vom 19.10.2012, 14:06 Uhr

Medien

Update: 19.10.2012, 14:09 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Verleger hoffen auf konstruktive Gespräche

Journalisten-KV: Proteste und Verhandlungen am Montag



  • Gewerkschaft kritisiert "Scheinheiligkeit" der Verleger.
  • Suche nach Kompromissmöglichkeit.

Am Montag kommt es zum ersten Großkampftag zwischen Verlegern und Journalisten in Wien.

Am Montag kommt es zum ersten Großkampftag zwischen Verlegern und Journalisten in Wien.APAweb/REUTERS/Andrea Comas Am Montag kommt es zum ersten Großkampftag zwischen Verlegern und Journalisten in Wien.APAweb/REUTERS/Andrea Comas

 Wien. Die Verhandlungen über einen neuen Journalisten-Kollektivvertrag gehen am Montag in die 32. Runde. Zugleich kommt es rund um die Gespräche zwischen dem Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und der Journalistengewerkschaft zu öffentlichen Betriebsversammlungen und Protesten in der Wiener Innenstadt, in Graz, Salzburg und Innsbruck. Grund für die verhärteten Fronten ist die Aufkündigung des KV durch die Zeitungsverleger per Jahresende. In den vergangenen Tagen waren aber beide Seiten auf Kompromisssuche.

Werbung

VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger appellierte am Freitag noch einmal an die Arbeitnehmervertreter, dass ein neuer Kollektivvertrag "in seiner Wichtigkeit für die Zeitungen und Magazine und ihre Mitarbeiter gar nicht hoch genug einzuschätzen" sei. "Trotz der geplanten Protestkundgebungen der Gewerkschaft setzen wir zeitgleich auf einen konstruktiven Verhandlungsverlauf", erklärte Grünberger gegenüber der APA.

Die Verbesserungen
Schon die bereits paktierten Verhandlungsresultate würden für die meisten Jungjournalisten und Online-Redakteure eine deutliche Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen bringen, so Grünberger. "Gehen wir nun die letzten Meter gemeinsam ans Ziel. Denn die vorläufig erzielten Ergebnisse können sich auf beiden Seiten sehen lassen." Und der VÖZ-Vertreter zählt auch einige der geplanten Maßnahmen auf: So soll es künftig eine Fünf-Tage- statt einer Sechs-Tage-Woche geben, die Normalarbeitszeit soll 38 statt 38,5 Stunden betragen, der neue KV würde Journalisten einen Schutzmechanismus vor Ausgliederungen bieten, die Aspirantenzeit würde deutlich verkürzt und auf maximal zwei Jahre beschränkt, eine neue Sabbatical-Regelung von bis zu einem Jahr geschaffen werden, und der neue KV soll eine Qualitätsverbesserung bei der Journalistenausbildung bringen.

Eine Rücknahme der KV-Kündigung lehnte Grünberger jedoch ab. "Der KV kann immer nur zu Jahresende beendet werden. Eine Rücknahme birgt die Gefahr, dass wieder ein Jahr ergebnislos verstreicht. Bis 31. Dezember ist noch genug Zeit, um den neuen KV zu finalisieren, wenn man wirklich will - wir wollen."

"Scheinheiligkeit" des VÖZ
Gewerkschaftsvertreter warfen den Verlegern unterdessen "Scheinheiligkeit" vor. Der VÖZ versuche junge und alte sowie Print-und Online-Journalisten gegeneinander auszuspielen. Die Medienunternehmer hätten Jung- und Online-Journalisten seit eineinhalb Jahrzehnten ausgebeutet und mit prekären Dienstverhältnissen abgespeist. "Schon 1999 versuchte die Journalistengewerkschaft mit der Zustimmung zu einem neuen Kollektivvertrag diesen permanenten Anschlag auf Arbeitnehmerrechte zu stoppen", erklärten "Kleine Zeitung"-Betiebsrätin Ute Groß und "Oberösterreichische Nachrichten"-Konzernbetriebsrat Eike-Clemens Kullmann, beide stv. Vorsitzende der Journalistengewerkschaft, in einer Aussendung.

Damals sei massiven Abschlägen bei jährlichen Vorrückungen und Quinquennien (Gehaltssprüngen alle fünf Jahre) zugestimmt worden, um im Gegenzug Online- und Print-Journalisten die gleichen arbeitsrechtlichen Standards zu sichern und prekäre Dienstverhältnisse zu beenden. Die Verleger hätten sich an diese Vereinbarungen aber nicht gehalten. "Die Unterschrift unter dem neuen KV war noch nicht einmal trocken, begannen die Unternehmer bereits ihre Online-Redaktionen auszugliedern und den Mitarbeitern den ihnen zustehenden KV vorzuenthalten", so "Kleine"-Betriebsrätin Groß. Für kommenden Montag verlangen die Gewerkschafter jedenfalls eine Rücknahme der KV-Kündigung durch den VÖZ.

Wie diese Patt-Situtation bei der Verhandlungsrunde am Montag aufgelöst werden kann, war am Freitag noch unklar. In VÖZ- und Gewerkschaftskreisen wird derzeit aber nach möglichen Kompromissen gesucht. So wird einerseits die Möglichkeit diskutiert, die Frist für die KV-Aufkündigung über das Jahresende hinaus zu verlängern, sodass der Kollektivvertrag auch danach weiter Gültigkeit hätte, andererseits kursierte eine Variante, bei der der VÖZ seine Kündigung zurücknimmt und zugleich beschlossen wird, dass bis zu einer Einigung auf einen neuen KV eine vierteljährliche Kündigung des Kollektivvertrags möglich ist.




Schlagwörter

VÖZ, GPA-djp, Kollektivvertrag, Medien

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-19 14:07:15
Letzte Änderung am 2012-10-19 14:09:54


Beliebte Inhalte



Mit dem "Ring" in Wien zum Erfolg: Franz Welser-Möst. - epa
  • Wie viele Arten es doch gibt, Richard Wagners 200. Geburtstag zu begehen.
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Wafaa El Saddik: "Die Ägypter werden immer verlangen, dass Nofretete zurückkommt." - Foto: Robert Newald
  • Interview mit Wafaa El Saddik, der ehemaligen Direktorin des Ägyptischen Museums.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Ein Plakat zeigt Mohammed Assaf, der Star der Talentshow "Arab Idol" in West Bank bei Ramallah. - Reuters / Mohamad Torokman
  • Sänger Assaf feiert Erfolge in gesamtarabischer Castingshow
  • weiter

Chaim Miller bereut die Morde der Gruppe nicht, jedoch, "dass wir nicht mehr gemacht haben". - 3sat
  • TV-Dokumentation zeichnet das Leben des 92-jährigen Chaim Miller nach.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter




Werbung



Quiz




Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung