• vom 22.05.2013, 12:11 Uhr

Medien

Update: 22.05.2013, 12:38 Uhr

Israel

Arabischer "Justin Bieber" lässt Mädchenherzen höher schlagen




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Adel Zaanoun/AFP

  • "Arab Idol": Palästina fand in Gaza einen Superstar
  • Sänger Assaf feiert Erfolge in gesamtarabischer Castingshow

Ein Plakat zeigt Mohammed Assaf, der Star der Talentshow "Arab Idol" in West Bank bei Ramallah.

Ein Plakat zeigt Mohammed Assaf, der Star der Talentshow "Arab Idol" in West Bank bei Ramallah.© Reuters / Mohamad Torokman Ein Plakat zeigt Mohammed Assaf, der Star der Talentshow "Arab Idol" in West Bank bei Ramallah.© Reuters / Mohamad Torokman

Gaza. Kreischende Fans versammeln sich jeden Freitag und Samstag in Cafés und Restaurants des Gazastreifens und des Westjordanlands. Auf Großbildschirmen bejubeln sie ihren lokalen Helden Mohammed Assaf, der es bis in die Endrunde der gesamtarabischen Castingshow "Arab Idol" geschafft hat. Der 22-jährige Sänger aus Gaza hat bei den Liveauftritten in Beirut adrett gekleidet und mit mächtiger Stimme alle Ausscheidungen und die beiden ersten Endrunden überstanden. Er gehört nun zu den letzten acht Kandidaten, die den Titel, einen Sportwagen und einen Plattenvertrag gewinnen können.


"Er ringt um das Ansehen von Palästina und Gaza"
Überall schwenken die Anhänger Transparente, um die Fernsehzuschauer zu drängen, für Assaf zu stimmen. Wie beim britischen Vorbild "Pop Idol", scheidet jede Woche der Bewerber mit der geringsten Stimmenzahl aus. "Er hat es verdient zu gewinnen", sagt die 19-jährige Maja in einem Café von Assafs Heimatstadt Gaza. Nach einem Zug an der Wasserpfeife erklärt sie warum: "Seine Stimme ist großartig, seine Bühnenpräsenz noch besser, niemand dort ist wie er. Er ringt um das Ansehen von Palästina und Gaza. Ich bin so stolz, dass er von hier ist."

Assaf, der in der Sendung als Vertreter "Palästinas" präsentiert wird und inzwischen auch in den israelischen Medien Beachtung findet, wird nicht nur in der breiten Öffentlichkeit bewundert, sondern auch von prominenten Politikern im Westjordanland. So rief Palästinenserpräsident Mahmud Abbas den jungen Sänger an, und der kommissarische Regierungschef Salam Fajad unterstützt ihn mit Einträgen auf seiner Facebook-Seite.

Politische Liederauswahl
Als Assaf fünf Jahre alt war, kehrte seine Familie aus dem libyschen Misrata, wo der Vater als Buchhalter gearbeitet hatte, in den Gazastreifen zurück. Dort sang der Bursche mit Inbrunst nationalistische Palästinenserlieder, was ihm bereits TV-Auftritte bescherte. Und auch seine Titelauswahl bei "Arab Idol" ist politisch beeinflusst.

"Palästina, der Norden wie der Süden, zwei Brüder in der Arabischen Welt", hieß der Refrain bei seinem jüngsten Auftritt. Das Saalpublikum in der libanesischen Hauptstadt hielt Palitücher hoch und die Jury, zu der arabische Popgrößen gehören, klatschte ekstatisch mit. Doch die Konkurrenz in der Castingshow, die vom saudi-arabischen Sender MBC live in Beirut produziert wird, ist beinhart. Zu den Interpreten aus dem gesamten Nahen Osten und Nordafrika, die es bis hier geschafft haben, gehört auch ein Bewerber aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo.

Auch Assaf musste viele Schwierigkeiten überwinden, um auf die große Bühne zu gelangen, angefangen bei der strikten israelischen Blockade des Gazastreifens, seit die radikalislamische Hamas dort 2007 an die Macht kam. "Gaza ist eben nicht nur Terrorismus, Tod und Gewalt", sagt Zuschauerin Sana beim Public Viewing der letzten Sendung. "Wir haben Künstler, die ihr Talent entwickeln wollen und die dafür ein wenig Freiheit brauchen", ergänzt sie.

Hamas missbilligt Assaf-Euphorie
Die Hamas missbilligt allerdings un-islamische Veranstaltungen wie "Arab Idol". Doch auch wenn Hamas-Aktivisten auf Facebook eine Kampagne gegen die Assaf-Euphorie starteten, hielt sich die Führung bisher lieber heraus. Assafs Eltern, die ihre Wohnung mit "Arab Idol"-Aufnahmen des Sohns geschmückt haben, wissen, dass er zu Hause seinen Erfolg nicht verwerten kann. "Die Jugend hier will normal leben", sagt die Mutter Umm Schadi, Lehrerin in einem Flüchtlingslager. "Aber dafür muss sie aus ihren harten Lebensumständen ausbrechen." Und Vater Dschaber sagt: "Wenn er davon leben will, muss er Gaza leider verlassen."


Video auf YouTube





Schlagwörter

Israel, Palästina, Gaza, Arab Idol

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2013-05-22 12:12:59
Letzte Änderung am 2013-05-22 12:38:14



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Überwältigungstheater
  2. "Natürlich ist das ein Wahnsinn"
  3. Auf rettender Zeitreise
  4. Rom widmet Banksy große Ausstellung
  5. Kunst
Meistkommentiert
  1. Song-Contest-Ohrfeige für Russland
  2. Die Waisenkinder Gottes
  3. Vornehmes Spiel
  4. EU nimmt sich Streamingdienste vor
  5. Rom widmet Banksy große Ausstellung

Werbung




Politische Comics

Parabel und Prophezeiung

Der "Eternauta" untersucht in seinem Schutzanzug das zerstörte Buenos Aires. - © avant-Verlag Noch nie war Schnee vermutlich so heimtückisch wie in Héctor Germán Oesterhelds und Francisco Solano López’ "Eternauta"... weiter




Comic Black Panther

Schleichend wie ein Panther

Schwarze Helden von Ta-Nehisi Coates: Königin Nzinga (hier in einem Comic der Unesco), Malcolm X (auf einem Graffiti), Superheld Black Panther. - © Unesco, Serge Attal/Corbis, Marvel "Das war die Macht, die ich suchte, und die Geschichte unserer eigenen Könige wurde für mich zur Waffe. In meiner Arbeitstheorie waren alle Schwarzen... weiter






Quiz


"Europa arbeitet in Deutschland" 

Titelbild einer NS-Propagandabroschüre zum Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter in Deutschland, 1943.  

Robert de Niro machte dem Filmfestival Cannes am Montag seine Aufwartung, als sein neuer Film, das Boxerdrama "Hands of Stone", präsentiert wurde. Die re:publica öffnet zum zehnten Mal ihre Pforten in Berlin.

Vor dem Apollo Theater in Harlem, New York legen Fans des US-Sängers Prince Blumen und Erinnerungsstücke nieder. Ruth Beckermann hat den Großen Diagonale-Spielfilmpreis für ihre Arbeit "Die Geträumten" über die Liebesbeziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan erhalten. Sie ist damit die erste Künstlerin, die sowohl Spielfilm- wie auch Dokumentarfilmpreis gewann - letzteren 2014 für "Those Who Go, Those Who Stay".


Werbung


Werbung