• vom 08.08.2013, 17:29 Uhr

Medien

Update: 08.08.2013, 18:46 Uhr

Klarnamen

Habitate der Schwarmbosheit




  • Artikel
  • Kommentare (8)
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Gregor Kucera und Bernhard Baumgartner

  • Schlacht um anonyme Postings und Zwang zu Klarnamen
  • Lädt die Anonymität in Foren zum Auskotzen und Beleidigen ein?

Wird die Debatte besser, wenn man anonyme Postings abschafft? - © corbis/twitter (Montage)

Wird die Debatte besser, wenn man anonyme Postings abschafft? © corbis/twitter (Montage)

Wien. Welches Thema kann arrivierte Journalistinnen und Journalisten in Österreich so auf die Palme bringen, dass vor gegenseitigen Schuldzuweisungen und Inkompetenzstreitigkeiten in sozialen Netzwerken nicht Halt gemacht wird? Die innenpolitische Situation des Landes? Die Abschiebung der Flüchtlinge aus dem Servitenkloster? Mitnichten. Es geht um die Fragen, wie anonym Leserinnen und Leser auf Online-Plattformen ihre Meinung kundtun dürfen und welche Maßnahmen ein Medium ergreifen muss, um Beleidigungen und Untergriffe zu unterbinden. Anonymität versus Echtnamenpflicht, Meinungsfreiheit versus Redaktionsgeheimnis und Datenschutz - so kann die aktuelle Diskussion wohl am ehesten zusammengefasst werden.


Wer in den letzten Tagen einen Blick in die sozialen Netzwerke gemacht hat und sich für Medien interessiert, war mehr oder weniger freiwillig Zeuge einer durchaus spannenden - wenn manchmal auch wenig sachlichen - Diskussion heimischer Journalisten rund um die Frage, wie viel Anonymität bei Leserkommentaren ein Online-Auftritt beziehungsweise der gesunde Menschenverstand verträgt. Die Protagonisten in dieser "Schlacht der Medien um Postings und Klarnamen", die mittlerweile fast täglich öffentlich geführt wird, sind durchwegs bekannte Größen in der heimischen Medienlandschaft: Gerlinde Hinterleitner vom "Standard", Euke Frank von "Woman", Florian Klenk vom "Falter", aber auch Armin Wolf vom ORF oder Thomas Seifert von der "Wiener Zeitung", um hier nur ein paar Namen zu nennen. Die Fronten sind klar aufgeteilt: Auf der einen Seite die Verteidiger der Anonymität, die dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Meinungsfreiheit und -vielfalt sehen und aufgrund großer Partizipation der Leser eventuell einen Einbruch am Postingaufkommen befürchten. Auf der anderen Seite die Befürworter einer Echtnamenpflicht, die sich einen Qualitätssprung in den Meinungen, ein Ende der Beleidigungen und der bewusst untergriffigen Kommentatoren, gemeinhin als "Trolle" bekannt, erhoffen.

Ein Blick in die vielbesuchten Foren der hochfrequentierten Nachrichtenseiten dieses Landes zeigt, dass sich hinter dem Deckmantel der Anonymität viele Nutzer verbergen, die andere Personen oder Meinungen verunglimpfen. Beleidigungen stehen ebenso an der Tagesordnung, wie rassistische oder sexistische Kommentare. Egal ob es nun das Online-Angebot von "Standard" oder "Krone" ist, Gehässigkeit und Schwarmbosheit machen offenbar keinen Unterschied in der Bildungsschicht. Versteckt hinter Decknamen lassen viele Menschen gute Umgangsformen und Intelligenz vermissen. Insofern scheint die Forderung nach einem Zwang, seine Identität preiszugeben, durchaus verständlich.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Klarnamen, Postings, Online-Foren

8 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-08-08 17:32:04
Letzte Änderung am 2013-08-08 18:46:44



Asterix

"Die Orgie wird kalt!"

Es ist kein Stau, es ist ein Rennen: Asterix und Obelix lassen die Konkurrenz Via-Appia-Staub fressen. - © Asterix® Obelix® Idefix ®/2017 Les Éditions Albert René "Caesar fühlt sich auf einmal sehr müde . . .", sagt Caesar. Man kann es dem Manne nicht verargen. Schließlich ist es schon wieder passiert... weiter




Graphic Novel

Anne Frank und die Generation iPhone

Eine Figur, so stark, dass man Angst hat: Fast hätten sich die Zeichner nicht zugetraut, Anne Frank gerecht zu werden. - © S. Fischer Verlag "Natürlich nicht!" David Polonskys Ablehnung war deutlich und instinktiv, als Ari Folman ihm vor vier Jahren von der Anfrage des Anne-Frank-Fonds aus... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "So viele einsame Menschen"
  2. Eskalation im Pazifik
  3. Es war einmal neutral
  4. Pop als Kunstwerk
  5. Der Verfall, eine Kinderparty
Meistkommentiert
  1. Die Kamera als Schutz
  2. "Die mögen Frauen auf ihre Weise"
  3. Johnny Hallyday tot
  4. zukunft kann kommen
  5. Kleine Stimme, große Kunst


Quiz


CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung


Werbung