• vom 05.05.2014, 17:05 Uhr

Medien

Update: 05.05.2014, 17:09 Uhr

Zeitungskongress

Wenn ein Roboter Artikel schreibt




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  • Zeitungskongress: Start-ups betonen Chancen des "Roboterjournalismus".
  • "tame.it"-Gründer Fischer: "Wir arbeiten teilweise schon wie Maschinen".

Wien. Ein Erdbeben erschüttert Kalifornien, innerhalb weniger Sekunden wird dazu ein Feed abgeschickt und die Information darüber ins Web getragen. Nur: Dahinter steckt kein Redakteur, sondern eine automatisierte Software. Dieses Szenario, das gerne auch "Roboterjournalismus" genannt wird, ist nicht mehr Zukunftsmusik, sondern in der Medienbranche angekommen. Angst müsse man davor aber nicht haben.


Das findet zumindest Frederik Fischer von der Plattform "tame.it", die den Nutzen von Twitter steigern möchte. "Wir arbeiten teilweise schon wie Maschinen", erklärte er am Montagnachmittag beim "European Newspaper Congress" in Wien. "Wir sehen uns Ereignisse an und entscheiden dann, ob sie relevant sind oder nicht. Es geht aber darum zu erkennen, was davon vielleicht von Maschinen effektiver übernommen werden kann." Insofern sei diese Art der Datenbeschaffung keine Gefahr, sondern eine Hilfestellung für den Journalismus. "Wir können mühsame Arbeiten auslagern und uns auf das Wichtige konzentrieren."

Strukturierte Twitter-Inhalte
Mit "tame.it" versucht es der deutsche Start-up-Gründer auf dem Weg der Strukturierung von Twitter-Inhalten. "Alles, was ich wissen muss, wird hier angezeigt", erklärte Fischer über die Analyse der Tweets in der eigenen Timeline. Für Medienunternehmen gibt es zusätzlich die - kostenpflichtige - Möglichkeit, über das Interesse des Publikums, also der Follower, in Kenntnis gesetzt zu werden. "Datawrapper" hat sich wiederum auf die Aufbereitung von Daten spezialisiert. "Es gibt viele Wege, diese Informationen für besseren Journalismus zu verwenden. Aber dafür muss ich diese Codes kennen und verstehen", erläuterte Geschäftsführer Mirko Lorenz. Sein Unternehmen ermögliche dieses Vorhaben mittels vier einfacher Schritte, am Ende stünden sofort verwendbare Grafiken und Tabellen.

Zum Abschluss des ersten Tages des Zeitungskongresses skizzierte Johannes Sommer vier Bereiche, in denen Automatisierungen für Journalisten und Medienunternehmen Sinn machen. So könnten redaktionelle Prozesse vereinfacht werden, etwa das Verknüpfen von Artikeln mit bestimmten Keywords oder das Absetzen von Tweets und Postings, und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen erhöht werden. Auch beim Stichwort User Engagement sieht der Geschäftsführer von "Retresco" Potenzial für automatisierte Abläufe. "Wie mache ich aus einem User auch einen loyalen User, der im besten Fall für die Inhalte bezahlt? Darum geht es hier."

Zu guter Letzt spiele das in den Bereich der Vermarktung hinein: "Wie verwerte ich meinen Content sinnvoll mehrfach?" Sommer zufolge wäre dies etwa über Themenseiten möglich, die bereits vorhandene Inhalt neuerlich nutzen und strukturiert aufbereiten. Sein Unternehmen bietet Verlagen genau in diesen Punkten Hilfestellungen an, zeigt relevante Trends auf und informiert über mögliche Angebote, die gesetzt werden könnten. Aber auch hier gilt: "Nicht alles funktioniert hundert Prozent automatisch." Gerade bei Themenseiten sei es natürlich notwendig, dass Journalisten auf die letztendliche Gewichtung, Gestaltung und Zusammenstellung ein Auge werfen.




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Dokument erstellt am 2014-05-05 17:06:19
Letzte ─nderung am 2014-05-05 17:09:17



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