• vom 19.09.2014, 16:42 Uhr

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Seidl

"Der Keller gehört mir"




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Von Bernhard Baumgartner

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"Der Keller gehört mir. Da kann ich tun, was ich will. Da hänge ich auf, was ich will und was mir gefällt. Sammeln tue ich eigentlich alles aus der alten Zeit. Ja, da kann ich tun, was ich will. Die Frau ist oben, und ich bin herunten." So weit der Burgenländer Josef Ochs. Das ist jener Mann, den Ulrich Seidl für seinen Film "Im Keller" filmte. In seinem bizarren Keller voller Nazi-Devotionalien: Fahnen, Dolche, Abzeichen und ein Hitler-Bild, das er für die Kamera mit einem schwarz-rot-goldenen Wedel liebevoll abstaubt. In einer Szene lädt sich Ochs Freunde ein, die im Keller mit ihm singen. Zwei davon waren bis gestern Gemeinderäte der ÖVP - sie mussten (fünf Jahre nach dem Dreh im Jahr 2009) am Donnerstag zurücktreten (siehe Seite 12).

Schon bevor der Film am 26. September in die Kinos kommt, hat Seidl damit, was er am dringendsten braucht: einen perfekten Skandal. So wie 2012, als die Protagonistin in seinem umstrittenen Film "Paradies: Glaube" mit einem Kruzifix masturbierte. Das war allerdings eine fiktionale Szene, die Szene im Nazi-Keller hatte dokumentarischen Charakter. Das ist bei Seidl ja nie ganz klar. Auch in "Im Keller" kommen fiktionale Szenen vor, etwa die Frau, die in den Keller geht, um ihre Puppen zu liebkosen. Es ist hier durchaus problematisch, wenn die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion fließend sind und man nie sicher sein kann, bis zu welchem Grad das inszeniert wurde. Auch die Frage, warum es diesen Nazi-Keller gibt, wird nicht beantwortet. Für einen schnellen Effekt reicht das. Ob man Österreich damit besser versteht, ist fraglich.





Schlagwörter

Seidl, Keller

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