• vom 18.02.2016, 16:26 Uhr

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Yahoo und das MySpace-Virus




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  • Für den einstigen Internet-Pionier läuft es nicht gut. Es fehlt vor allem eine klare Strategie.

Konzernchefin Marissa Mayer verordnete 2014 eine Ausrichtung auf Medien.

Konzernchefin Marissa Mayer verordnete 2014 eine Ausrichtung auf Medien.© ap Konzernchefin Marissa Mayer verordnete 2014 eine Ausrichtung auf Medien.© ap

Sunnyvale. (bau) Einst war es für Millionen das Sprungbrett ins Internet. Heute muss sich Yahoo, eine der Pionier-Marken im Online-Bereich, mit Nachdruck die Sinnfrage stellen. Denn das Internet ist unerbittlich. Rasch rauf, rasch wieder runter ist oft die Devise: Zombies wie MySpace, Napster oder auch Blackberry mahnen, dass man sich auf den guten Namen nicht verlassen kann. Vor allem, wenn dahinter keine klare Strategie erkennbar ist.

Nun gibt Konzernchefin Marissa Mayer klein bei und schafft einen großen Teil der Channels, die man in einer großen Offensive erst vor zwei Jahren ins Rennen geschickt hat, wieder ab. Konkret werden 7 von 11 Online-Magazinen eingestellt. Betroffen sind unter anderem Websites, die sich mit Essen, Gesundheit, Autos, Immobilien und Reisen beschäftigten, teilte man über die zum Konzern gehörende Blog-Plattform Tumblr mit. Übrig bleiben News, Sport, Finanzen und Lifestyle.


Für die in der Kritik stehende Yahoo-Chefin ist die Entscheidung ein Eingeständnis des Scheiterns - die Medien-Offensive, für die auch hochkarätige Journalisten verpflichtet wurden, ging 2014 maßgeblich von ihr aus. Dazu wird brutal gespart: 15 Prozent der Belegschaft müssen gehen. Dem "Wall Street Journal" zufolge soll im Zuge des Umbaus nicht einmal der Yahoo-Standort im kalifornischen Burbank sicher sein.

Das Problem: Das einst beliebte Internet-Urgestein Yahoo hat im Geschäft mit Online-Werbung den Anschluss an Wettbewerber wie Facebook verloren und steckt seit Jahren in der Krise. Großinvestoren wie der New Yorker Hedgefonds Starboard Value fordern bereits Mayers Rücktritt. Die 2012 von Google gekommene Top-Managerin versucht indes, das Steuer mit radikalen Maßnahmen herumzureißen. Sie will unter anderem Konzernteile für bis zu 2,7 Milliarden Euro abstoßen.

Unterdessen seien die Nutzer-Zahlen bei zentralen Yahoo-Diensten in den vergangenen Jahren stark gesunken, berichtete der Branchendienst "The Information" unter Berufung auf interne Zahlen. So habe der E-Mail-Service des Konzerns Anfang Dezember mit 56,9 Millionen täglichen Nutzern 11,5 Prozent weniger Besucher gehabt als ein Jahr zuvor. Zugleich sei bei Tumblr die Nutzerzahl in dieser Zeit um 13 Prozent auf 26 Millionen pro Tag gestiegen. Mayer hatte Tumblr für rund eine Milliarde Dollar gekauft.

Es will und will nicht laufen
Das alles klingt wenig erfreulich für die Zukunftssicherheit Yahoos. Möglicherweise ist ein Verkauf oder die Zerschlagung unabdingbar. Doch an Krisenrhetorik ist man in Burbank gewohnt. Schon seit dreieinhalb Jahren versucht die einstige Vorzeigemanagerin Mayer, wieder Schwung in das Geschäft von Yahoo zu bringen. Es wirkt wie verhext: Yahoo hat einen der bekanntesten Markennamen in der Online-Wirtschaft und mehrere hundert Millionen Onliner nutzen die verschiedenen Yahoo-Dienste intensiv. Doch einem Spitzenmanager nach dem anderen gelang es bisher nicht, dieses Potenzial in ein wirklich profitables Geschäftswachstum umzumünzen.

Zugegeben, Mayer trat ein schwieriges Erbe an. Ständige Kurswechsel ihrer Vorgänger hatten die Strategie verwaschen und die Belegschaft verunsichert. Im Suchmaschinen-Geschäft - Mayers Steckenpferd schon bei Google - gab Yahoo die Technologie auf und ist an Microsoft gebunden.

Ihre Lösung in dieser Situation: Übernahmen und ein Ausbau des Mediengeschäfts, ähnlich wie es das andere Internet-Urgestein AOL mit dem Kauf von Websites wie "Huffington Post" oder "TechCrunch" vormachte. Dafür wurden bekannte Journalisten wie TV-Moderatorin Katie Couric oder der Gadget-Rezensent von der "New York Times", David Pogue, verpflichtet. Die Kauf- und Medienoffensive brachte allerdings nicht die erhofften Effekte. Yahoo schrieb auf die Zukäufe seit 2012 rund 1,2 Milliarden Dollar ab. Im Klartext: Der Konzern bei den Übernahmen deutlich zuviel bezahlt. Allein bei der Blog-Plattform Tumblr, für die Yahoo 2013 eine Milliarde Dollar bezahlt hatte, wurde eine Abschreibung von 230 Millionen Dollar fällig.

Mayer fährt nun zweigleisig: Sie verordnet Yahoo eine radikale Schlankheitskur, während gleichzeitig Kaufangebote geprüft werden sollen. "Fokus" war das Zauberwort. Weniger Mitarbeiter, weniger Geschäftsbereiche, weniger Ausgaben Es bleibt allerdings die Frage, ob Mayer die Zeit für ihren neuen Umbau bekommt.




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