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Update: 24.07.2016, 14:00 Uhr

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Monster in der Skinner-Box




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Von Adrian Lobe

  • "Pokémon Go" erinnert an Experimente aus den 1930er Jahren. Eine kleine Kulturkritik an der Spiele-App.

Wir hacken für die Belohnung auf die Bildschirme wie Tauben in einem berühmten Experiment. - © ap/Nati Harnik

Wir hacken für die Belohnung auf die Bildschirme wie Tauben in einem berühmten Experiment. © ap/Nati Harnik

Wien. Der Hype um das Smartphone-Spiel "Pokémon Go" wird immer größer. An die 30 Millionen Menschen irren mit ihren Smartphones durch die Städte auf der Jagd nach Monstern und Pokebällen. Auch hierzulande bringt die Augmented-Reality-App Gamer dazu, kilometerweit durch die Straßen zu ziehen. An allen Ecken und Enden sind Pokestops platziert, an den die Spieler besonders gut Monster fangen und Ausrüstung aufsammeln können.

Es gleicht einer virtuellen Schnitzeljagd. Ein Wiener Autoteile-Händler gewährt 20 Prozent Nachlass auf Scheibenwischer oder Motoröle, wenn man auf dem Firmengelände ein virtuelles Monster fängt. Der Mineralölkonzern Exxon Mobil verschenkt Tankgutscheine an Pokémon-Spieler, die Tiere an Esso-Tankstellen einfangen. Und auch die KfW hat zwei Pokestops im Frankfurter Stadtteil Bockenheim eingerichtet. Die Spielecommunity scheint allmählich den Sinn für die Realität zu verlieren: In Texas kam es zu einem Auffahrunfall, weil ein Fahrer seinen Wagen abstellte, um ein Pokémon zu fangen. Und auf den Highways warnen die Verkehrsbehörden, während dem Fahren nicht Pokémon zu spielen.


Sind wir alle nicht bei mehr ganz bei Trost? Es lohnt sich bei dem Hype mal einen Schritt zurückzutreten und das ganze Spiel zu reflektieren. Junge Menschen spielen ein Game, das es schon vor 17 Jahren als Karten- und Gameboyspiel gab und nun in Gestalt von Augmented Reality - einer Verschmelzung von virtueller und realer Welt - auf eine neue Entwicklungsstufe gehoben wird. Der Mensch hat einen natürlichen Spieltrieb. Und insofern erscheint die virtuelle Schnitzeljagd auch gar nicht so infantil zu sein, wie Kritiker jetzt behaupten. Die populäre Freizeitaktion Paintball, eine kernige Version von Räuber und Gendarm, bei dem man in Teams im Wald mit Platzpatronen aufeinander schießt und Krieg simuliert, ist nicht wirklich erwachsener und auch nicht originell. Und vielleicht ist es aus urbaner Sicht auch gar keine so schlechte Idee, wenn Leute über eine Spiele-App plötzlich Stadtteile bevölkern, an denen sich zuvor keine Menschenseele verirrte. Wenngleich es pietätlos scheint, wenn man an Gedenkstätten oder Friedhöfen auf Pokémon-Jagd geht, so wie das in den USA oder in Auschwitz geschah.

Wir tun alles für die Belohnung
Was an der Spiele-App stört, ist der dahinterstehende Nudging-Gedanke, die Idee, dass man den Nutzern einen Schubs in die "richtige" Richtung gibt. John Hanke, CEO der Entwicklerfirma Niantic, sagte, das Ziel sei es, den Nutzern "einen kleinen Nudge" zu geben. Der Nutzer geht also nicht in einen Stadtteil, weil es ihm dort gefällt, weil er dort flanieren will, sondern, weil dort eine Belohnung auf ihn wartet.

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Schlagwörter

Medien, Digital, Pokemon

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-07-22 16:29:04
Letzte nderung am 2016-07-24 14:00:09



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