• vom 19.09.2016, 16:46 Uhr

Medien


Presseförderung

Gießkanne gegen Gutsherrenart




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Von Bernhard Baumgartner

  • Dass die Presseförderung erhöht werden soll, scheint unbestritten, am Wie scheiden sich die Geister.

Will Qualität im Journalismus gezielt und verstärkt fördern: Medienminister Drozda.

Will Qualität im Journalismus gezielt und verstärkt fördern: Medienminister Drozda.© apa/Pfarrhofer Will Qualität im Journalismus gezielt und verstärkt fördern: Medienminister Drozda.© apa/Pfarrhofer

Wien. Wenn Medienmenschen vor Medienmenschen über die Höhe der Presseförderung sinnieren, ist ein Kompromiss nicht in weiter Ferne: Mehr darf es immer gerne sein. Auf diesen Nenner kann man die Enquete der Bundesregierung zum Thema "Medienförderung neu" am Montag in Räumlichkeiten des Bundeskanzleramts zumindest bringen. Dass die Förderung, die in den vergangenen Jahren stets nach unten revidiert wurde, nun - angesichts struktureller Probleme von Qualitätsmedien in einem sich verändernden Markt - wieder deutlich steigen soll, darüber waren sich geladene Experten, Medien und Politik einig. Der Gastgeber, SP-Medienminister Thomas Drozda, skizzierte zu Beginn seine Überlegungen zur neuen Medienförderung. Ihm schwebt ein Rahmen von 25 Millionen Euro vor, deutlich mehr als die bisherigen neun Millionen, dafür soll auch die Zahl der Begünstigten durch eine Ausweitung vom derzeit reinen Print ins Digitale steigen.

Qualität gezielt fördern
Als erste Säule der künftigen Medienförderung schwebt ihm eine Produktionsförderung vor. Hier soll die Anzahl der zu fairen Bedingungen angestellten Journalisten die Höhe bestimmen. So sei diese Förderung dann auch plattformunabhängig, gelte also nicht nur für eine Mediengattung. Bei der zweiten Säule, einer Digitalisierungsförderung, stünden die Überlegungen noch am Anfang, sagte Drozda. Bezahlen sollen das jene, die von den digitalen Inhalten heimischer Medien derzeit profitieren, aber dafür nichts bezahlen: "Google, Facebook und Konsorten" seien über die Mittel des Leistungsschutzrechts, des Urheberrechts und der Steuergesetzgebungen einzubeziehen.


Für eine Abkehr des derzeitigen Gießkannenprinzips sprachen sich auch die Experten Matthias Karmasin (Uni Klagenfurt) und Fritz Hausjell (Uni Wien) auch. "Die Gießkannenförderung wird nicht besser, wenn ich die Löcher der Gießkanne vergrößere", sagte Karmasin. Hausjell merkte an, dass derzeit förderungswürdige Medien wie etwa das transkulturelle Magazin "biber" keine Förderung erhalten. Auch die "profil"-Journalistin Ingrid Brodnig plädierte für genauere Förderkriterien.

Die öffentliche Hand könnte auch den Mediawatchblog "Kobuk" oder die Plattform "mimikama", die Fakeberichte auf Facebook aufdeckt, fördern. Die investigative Rechercheplattform "Dossier" hält sie ebenfalls für förderungswürdig. Brodnig sprach sich für eine Qualitäts- und Innovationsförderung aus. Diese sei auch als eine Überbrückungshilfe hin zu einer zukünftigen anderen Medienlandschaft zu betrachten. Verlegerpräsident Thomas Kralinger ("Kurier") verwies auf Dänemark, das bei ähnlichen Marktverhältnissen wie Österreich eine Medienförderung von jährlich 52 Millionen Euro ausschüttet - bei 5,6 Millionen Einwohnern. Daher seien für Österreich auch 35 Millionen Euro, wie es das Modell der Verleger vorsieht, nicht zu viel. Dies wäre eine Investition in die "demokratiepolitische Infrastruktur".

Transformation des Marktes
Eva Dichand ("heute") hält nichts von einer Medienförderung nach Inhalten. "Fördern von Inhalten gibt es nirgends, vielleicht in China." Dichand hält nur eine reine Technologieförderung für zielführend. Von einer Förderung, die die Mitgliedschaft etwa im Presserat zur Bedingung macht, hält Dichand sozusagen naturgemäß nichts: "Mein Mann (,Krone‘-Chef Christoph Dichand, Anm.) macht die Kuverts des Presserats nicht einmal mehr auf." Dichand machte darauf aufmerksam, dass man nicht alle Medien retten werde können, egal wie hoch man die Förderung ansetze. In die gleiche Kerbe schlug zuvor auch der ehemalige RTL-Chefredakteur Hans Mahr unter Hinweis auf die Transformation des Medienmarktes: "Mehr Geld ist keine Dauerlösung, sondern bestenfalls eine Verschnaufpause." Verleger Eugen Russ ("VN") verwies auf das Ungleichgewicht zwischen Presseförderung und öffentlichen Inseraten: "Da stehen streng reglementierte neun Millionen Presseförderung 250 Millionen öffentlicher Inserate gegenüber, die nach Gutsherrenart vergeben werden." Das sei sehr wohl in der Lage, den Medienmarkt zu verzerren.

Die "Medienförderung neu" ist auch Thema einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Österreichischen Medientage am Dienstagnachmittag im WU Campus. Medienminister Thomas Drozda diskutiert unter der Leitung von "WZ"-Chefredakteur Reinhard Göweil mit Markus Breitenecker (ProSieben Sat1. Puls 4), VÖZ-Chef Kralinger und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.




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Dokument erstellt am 2016-09-19 16:50:07



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