• vom 11.11.2016, 16:34 Uhr

Medien

Update: 29.11.2016, 09:41 Uhr

Auszeichnung

Andenken statt Algorithmen




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Von Susanne Veil

  • Leopold-Ungar-Journalistenpreise für Thomas Seifert, Sibylle Hamann und Marlene Groihofer.

Preis für ein Multimedia-Dossier aus jordanischem Flüchtlingscamp Moussa Taleb: der Caritas-Chef Michael Landau, der stellvertretende Chefredakteur der "Wiener Zeitung" Thomas Seifert und die Direktorin der Raiffeisen Holding NÖ-Wien Veronika Haslinger bei der Verleihung der Leopold-Ungar-Journalistenpreise.

Preis für ein Multimedia-Dossier aus jordanischem Flüchtlingscamp Moussa Taleb: der Caritas-Chef Michael Landau, der stellvertretende Chefredakteur der "Wiener Zeitung" Thomas Seifert und die Direktorin der Raiffeisen Holding NÖ-Wien Veronika Haslinger bei der Verleihung der Leopold-Ungar-Journalistenpreise.© Michael Hetzmannseder Preis für ein Multimedia-Dossier aus jordanischem Flüchtlingscamp Moussa Taleb: der Caritas-Chef Michael Landau, der stellvertretende Chefredakteur der "Wiener Zeitung" Thomas Seifert und die Direktorin der Raiffeisen Holding NÖ-Wien Veronika Haslinger bei der Verleihung der Leopold-Ungar-Journalistenpreise.© Michael Hetzmannseder

Es sind undankbare Zeiten für den Journalismus. Journalisten werden nicht müde, das zu betonen. Bei der Verleihung des von der Caritas und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien ausgeschriebenen Prälat-Leopold-Ungar-Preises am Donnerstagabend spricht ORF-Journalistin Claudia Reiterer von einer Zäsur: Journalismus vor und nach der Ära Trump.

Wie geht man damit um, fragt sie, wenn den Medien vorgeworfen werde, sie hätten kein Verständnis mehr für die Leute. Gleichzeitig sei heuer mit 215 eingesendeten Projekten ein ganz besonders starker Jahrgang gewesen. Der nach dem früheren Caritas-Präsidenten Leopold Ungar benannte Preis wird seit 2004 vergeben und will journalistische Projekte auszeichnen, die Toleranz und Verständnis fördern.

Virtual-Reality-Projekt der "Wiener Zeitung"

Caritas-Präsident Michael Landau erinnert an Neil Turner, bekennender Trump-Anhänger, 80 Tweets am Tag und meinungsbildend. Neil Turner ist kein Mensch, sondern ein Algorithmus, ein sogenannter Twitter-Bot. Für Landau ist er ein "Vorbote einer Demokratie, in der nicht mehr die gewinnen, welche die besseren Argumente haben, sondern die mit den besseren Algorithmen." Soziale Netzwerke würden zunehmend zu "Echokammern". Er fordert von den Preisträgern, die Blase aufzubrechen, zugunsten des demokratischen Diskurses. Der Preis sei vielleicht noch nie wichtiger gewesen, denn bei den ausgezeichneten Arbeiten gelte der Blick immer dem ganzen Menschen.

In der Kategorie Online wurde das Multimediaprojekt "360° Exodus" der "Wiener Zeitung" von Thomas Seifert und seinem Team ausgezeichnet. Der Sprecher der Jury Roland Machatschke lobte die hohe journalistische Qualität aller Beiträge des Multimedia-Dossiers, das den Alltag im jordanischen Flüchtlingscamp Moussa Taleb zeigt. Es ist das erste Virtual-Reality-Projekt der "Wiener Zeitung". Seifert sieht die Vorteile der Technik darin, dass sie auch bei einem Thema, wie Geschichten über Flüchtlinge, bei dem schon eine gewisse Müdigkeit herrsche, eine große Nähe herstelle. Die ausliegende Virtual-Reality-Brille stieß auch an diesem Abend auf Faszination beim Publikum. Der Hauptpreis in der Kategorie Print ging an die freie Journalistin Sibylle Hamann, die im "Falter" über ihre "Elf Monate mit Fatima" schrieb. In ihrer Reportage beschreibt sie, wie die Syrerin von einer Flüchtenden zur Freundin wurde.

Eine Dame ist 88 Jahre alt und erzählt in einer einstündigen Sendung von Radio Klassik Stephansdom, wie sie ihre ganze Familie im Holocaust verlor. Die Radiojournalistin Marlene Groihofer erhielt für diese Arbeit den Preis in der Kategorie Hörfunk. Ganz still wird es im überfüllten Saal, als Frau Gertude sagt, was ihr diese Sendung bedeutet habe: "Meine Eltern haben kein Grab. Damit habe ich ihnen ein Andenken bauen können."

Der letzte Hauptpreis des Abends ging an die ORF-Dokumentation von Nicole Kampl, Jürgen Pettinger und Lisa-Marie Gotsche darüber, was Skype und Smartphone für Menschen auf der Flucht bedeuten: ein Stück tragbare Heimat. Solche Geschichten machen Algorithmen nicht unwirksam, verringern aber deren Angriffsfläche.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-11-11 16:38:31
Letzte ─nderung am 2016-11-29 09:41:22



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