• vom 28.11.2016, 16:14 Uhr

Medien

Update: 28.11.2016, 16:38 Uhr

Fake-News

Der geklickte Sieg




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Von Adrian Lobe

  • Donald Trumps Sieg verdankt sich der Hilfe sogenannter Klickfarmen - mit Fake-News lässt sich heute viel Geld verdienen.

Klicks und Tweets halfen Donald Trumps Wahlkampf. - © Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Klicks und Tweets halfen Donald Trumps Wahlkampf. © Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Wien. Die Debatte darüber, ob die Medien oder Tech-Konzerne wie Facebook oder Google eine Verantwortung für den Ausgang der US-Wahl haben, hat gerade erst begonnen. Das Argument, Facebooks Newsfeed- oder Googles Page-Rank-Algorithmus hätten Trump den Weg geebnet, greift jedoch zu kurz. Die "algorithmische" Kandidatin war Hillary Clinton. Sie versuchte, mit einem Big-Data-Ansatz Wählerbewegungen zu analysieren; ihre Kampagne stützte sich zudem auf einen Algorithmus, der das Gros ihrer strategischen Entscheidungen diktierte. Das Geheimnis von Trumps Wahlsieg liegt in sogenannten Klickfarmen.

In der mazedonischen Kleinstadt Veles kreierte eine Heerschar von Clickworkern Fake-News-Seiten, die über soziale Netzwerke viral wurden. Die Nachrichtenseiten, die auf so amerikanische Namen wie TrumpVision365.com, USConservativeToday.com oder USADailyPolitics.com hören, verbreiten hauptsächlich Trump-Propaganda und Lügengeschichten über Hillary Clinton.


Goldrausch auf dem Balkan
Das Online-Magazin "Buzzfeed" hat einige dieser Nachrichtenmonteure auf dem Balkan besucht. Weil es in der ehemaligen jugoslawischen Republik kaum Arbeit für junge Menschen gibt, haben sich Absolventen auf das Geschäft mit Fake-News verlegt. Es ist ein einträgliches Business. Bis zu 5000 Dollar verdienen manche Webseitenbetreiber im Monat, ein "Facebook-Hit" bringe auch mal 3000 Dollar am Tag ein.

Ein wahrer Goldrausch sei in der Region ausgebrochen, berichtete "Buzzfeed". Der Reporter erzählte über einen jungen Mann, der dabei zusieht, wie sich sein Google-AdSense-Konto füllt, während US-amerikanische Nutzer Fake-News anklicken. Auf dem Balkan verdienen junge Menschen, finanziert von Internetkonzernen aus dem Silicon Valley, Geld damit, dass die diskursiven Grundlagen der US-amerikanischen Öffentlichkeit unterminiert werden.

Bis zu 140.000 Shares und Likes erzielen die haarsträubenden Geschichten, die tendenziöse Artikel von rechtslastigen US-Medien kopieren und zu Fake-Nachrichten montieren. Ein Webseitenbetreiber wird in dem Bericht mit den Worten zitiert: "Ja, die Informationen auf den Blogs sind natürlich falsch und missverständlich, aber die Ratio ist, dass wenn die Leute daraufklicken und aktiv werden, sie es nutzen." Es kommt gar nicht mehr auf die Exaktheit von Informationen an, sondern allein auf die kommerzielle Verwertbarkeit. Einige Betreiber hätten auch mit News über Bernie Sanders experimentiert, doch nichts lief besser als Trump.

Über die Plattform Fiverr, eine Art Online-Marktplatz für digitale Dienstleistungen, heuerte die Trump-Kampagne eine 15-jährige Studentin aus Singapur an, um eine Prezi-Präsentation zu erstellen. Hrithie Menon, so der Name der Studentin, wusste gar nicht, wer Trump ist, sie habe einfach die Folien zusammengebastelt, sagte sie der Singapurer Zeitung "Today". Die Präsentation wurde von der Vorfeldorganisation "Students for Trump" verwendet. Trump zog mit der Parole in den Wahlkampf, Amerika wieder groß zu machen und die heimische Industrie zu stärken, doch wenn es um eine Slideshow geht, war sich der Milliardär nicht zu schade, diese Tätigkeit über eine Crowd-working Plattform outzusourcen.

Das System der Klickfarmen ist nicht neu. Das Neue ist, dass diese Farmen transnational an Wahlkämpfen mitwirken. Die Clickworker produzieren nicht nur konfektionierte Webauftritte oder Präsentationen, sondern auch maßgeschneiderte Wahlkampfunterstützung - Meinung von der Stange sozusagen.

Ein Dollar für ein Like
Der "Business Insider" berichtete 2015, dass 60 Prozent von Trumps Facebook-Fans in Ländern in Malaysia, Indien, Indonesien, den Philippinen und ironischerweise auch in Mexiko sind, wo Niedriglöhner in Klickfarmen für ein paar Dollar am Tag die Likes künstlich in die Höhe schrauben. Das Oxford Internet Institute hat in einer Studie signifikante Abflüsse von "Mikroaufgaben" vom Norden in den Süden konstatiert. Globalisierungsgegner sprechen in dem Zusammenhang von "iSlavery" oder "digitalem Kolonialismus".

Das Tragische ist, dass diese Clickworker allmählich von Robotern, sogenannten Bots, ersetzt werden. Unter Trumps 13 Millionen Followern auf Twitter befinden sich rund 30 Prozent Bots, automatisierte Skripte, die pausenlos twittern, liken und retweeten. Diese Meinungsroboter sorgten dafür, dass der Hashtag "TrumpWon" nach dem ersten TV-Duell zum Trending Topic in den USA auf Twitter avancierte und ein Gegennarrativ zur medialen Erzählung konstruiert wurde, wonach Clinton das Duell gewonnen habe. Vielleicht haben diese Social Bots Trump zum Wahlsieg verholfen.




Schlagwörter

Fake-News, Donald Trump

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-11-28 16:18:11
Letzte ─nderung am 2016-11-28 16:38:32



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