• vom 26.01.2017, 16:29 Uhr

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Kleiner TV-Markt rückt zusammen




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Von Bernhard Baumgartner

  • ProSiebenSat1 könnte ATV übernehmen, sagen Politik und Behörde. Ein Deal steht bevor.

Jetzt will er ATV verkaufen: Herbert Kloiber (M.) mit Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und dem früheren Staatsopern-Direktor Ioan Holender in einer Aufzeichnungspause der ATV-Kultursendung "Highlights - Das Kulturmagazin". - © apa/Georg Hochmuth

Jetzt will er ATV verkaufen: Herbert Kloiber (M.) mit Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und dem früheren Staatsopern-Direktor Ioan Holender in einer Aufzeichnungspause der ATV-Kultursendung "Highlights - Das Kulturmagazin". © apa/Georg Hochmuth

Wien. Der Fernsehmarkt in Österreich ist einerseits überschaubar, andererseits durch die Stärke der deutschen Sender auch wieder kompliziert. Im Wesentlichen teilen sich drei Gruppen den mit mehreren hundert Millionen Euro Werbevolumen ohnehin nicht sehr großen Markt auf: Der ORF, der mit seiner TV-Flotte immer noch Marktführer ist, die deutschen Sender, die im Wege über ihre Österreich-Ableger die zweite große Gruppe bilden, und - wesentlich bescheidener - die österreichischen Sender, im wesentlichen ATV, Puls4 und ServusTV, deren Marktanteile zwar stetig steigen, in Summe aber immer noch die kleinste Gruppe auf dem Markt bilden. Die Marktanteile belegen das: Zuletzt hatte die ORF-Sendergruppe 32,6 Prozent Marktanteil. ATV erzielte 2,4 Prozent, Puls4 3,2 Prozent und ServusTV zwei Prozent. Der Rest geht, von kleinen Spartensendern wie GoTV oder oe24.tv abgesehen, fast ausschließlich an deutsche Programme.

Grünes Licht für ATV-Verkauf?
Just in diese kleine Gruppe der heimischen Sender könnte nun Bewegung kommen. Wenn die Gerüchte stimmen, bastelt ProSiebenSat1Österreich-Puls4 an einer Übernahme von ATV.


Die ATV-Gruppe gehört zum Reich der Münchner TMG des Filmrechtehändlers Herbert Kloiber. Dieser, selbst gebürtiger Österreicher, gedenkt, sein Reich fit für die Übergabe an seinen Sohn zu machen. Er hatte im Vorjahr angekündigt, deswegen ATV bis Ende 2017 verkaufen zu wollen - nicht ohne dabei (eher ungewöhnlich) ATV eher als Last denn als Gewinn anzupreisen. Doch die ProSiebenSat.1-Gruppe habe sich davon nicht abschrecken lassen, berichten mit der Sache vertraute Personen auf Anfrage. Bereits mit Ende Jänner könnte die Übernahme unter Dach und Fach sein.

Dafür, dass der Kauf mehr als ein bloßes Gerücht ist, spricht auch, dass sich die Politik bereits Gedanken dazu gemacht hat. Am Dienstag betonte Medienminister Thomas Drozda, dass eine solche Fusion von der Medienbehörde und der Kartellbehörde zu prüfen sei und "zweifellos unter gewissen Auflagen" bewilligt werden könne. Die Kartellbehörde hätte für eine Untersagung auch eher schlechte Karten. Schließlich sind so gut wie alle anderen Player im Markt deutlich größer - wenn man etwa einen ORF als dominanten Marktführer politisch zulässt, wäre es wohl wenig nachvollziehbar, wenn Puls4 und ATV mit insgesamt 5,6 Prozent Marktanteil künftig nicht unter einem Dach mit ProSiebenSat1 Österreich residieren dürften.

Das würde freilich ServusTV als letztes rein österreichisches privates TV-Vollprogramm übrig lassen - und auch dieses stand ja kürzlich bereits knapp vor der Einstellung. Auf der anderen Seite steht bei einer Untersagung durch die Behörde sicher die Weiterführung von ATV an sich zur Disposition - die Geduld von Eigentümer Kloiber scheint in diesem Zusammenhang jedenfalls aufgebraucht. Auch das würde der Medienvielfalt keinen guten Dienst tun.

Ausrichtung des Programms
Seitens der Medienbehörde dürften einer Übernahme wohl ebenso keine großen Steine in den Weg gelegt werden, wie zu erfahren war. Der Zulassungsbescheid für ATV lässt offenbar erhebliche Spielräume offen. Lediglich ein Vollprogramm mit mehrmaligen Nachrichten und einem Teleshopping-Anteil von nicht mehr als 13 Prozent wird vorgeschrieben. Über Natur und Ausrichtung des Programmes werden weiter kaum Angaben gemacht. Ginge man davon ab, müsste man das neue Programm beantragen lassen - auch das wohl eher mehr ein Formalakt denn eine Hürde, wie man hört. Das bedeutet, dass sich die Marke ATV wohl gut und flexibel in das Portfolio der ProSiebenSat1-Österreich einpassen ließe, auch wenn ATV für sich genommen derzeit sicher kein gutes Geschäft darstellt. Im Zuge einer gemeinsamen Vermarktung mit ProSiebenSat1-Österreich würde sich das Potenzial am Werbemarkt sicher noch besser heben lassen. Es passt da wohl ins Bild, das kürzlich die Verkaufsabteilung bei ATV personelle Abgänge kommuniziert hat.

Zu den Gerüchten und Medienberichten über den Verkauf wollten sich zuletzt weder ATV, dessen Eigentümer, die Tele München Gruppe (TMG), noch Puls4 äußern. Dementi sehen freilich in der Regel engagierter aus.




Schlagwörter

TV-Sender, ATV

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