• vom 22.05.2017, 16:54 Uhr

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Update: 23.05.2017, 07:38 Uhr

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Optimismus als letzter Anker




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Von Ina Weber

  • Der European Newspaper Congress in Wien versucht, die Branche zu beleben.

Bundeskanzler Kern ortet bei der Presseförderung Gegenwind von Medien mit niedriger Qualität. - © apa

Bundeskanzler Kern ortet bei der Presseförderung Gegenwind von Medien mit niedriger Qualität. © apa

Wien. Es ist nicht leicht, einen Weg aus der Medienkrise zu finden. Biegt man links oder rechts ab? Geht man in Richtung totale Digitalisierung oder gar zurück zum Hochglanzprodukt? Rund 500 Führungskräfte der Medienbranche versammelten sich zum jährlichen European Newspaper Congress (#ENC17) im Rathaus, um noch bis Dienstag über die Zukunft der Medien zu sprechen. Wie schafft man es, lukrativ zu bleiben, wo Google und Facebook längst große Teile des Anzeigenmarktes übernommen haben? Wie schaffen es Journalisten, begeistert und neugierig zu bleiben, wo die Leser schon längst selbst zu Produzenten im Netz geworden sind und die Auflagenzahlen sinken? Die Antworten darauf sind unterschiedlich. Zählen für die einen nur noch die Klicks, verfolgen andere eisern den Weg des traditionellen Publizierens und stecken ihr Geld in teure Hochglanzmagazine.

"Keine kurzen Schnipsel"

Letzteres machte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". CEO Thomas Lindner präsentierte das im Vorjahr erstmals erschienene Magazin "Frankfurter Allgemeine Quarterly". Angelehnt an FAQ - Frequently Asked Questions -, das die Redaktion auch als Teil des Programms übernommen hat, erscheint das aufwendig gestaltete Produkt vierteljährlich. "Wir haben für Werbekunden ein tolles Umfeld geschaffen und unsere Schreiber können sich austoben", sagt Lindner. "Hochglanz, Relevanz, Zukunft", nennt er als Schlüsselbegriffe. "Das Verschwinden der Grenzen zwischen den Medien zwingt uns zum Handeln", sagt er. Mit dem neuen Magazin will die "FAZ" ein "Signal der Beweglichkeit - für die Leser, aber auch für die Redaktion nach innen" setzen. Und hofft, dass es funktioniert.

Die Geschäftsführung der "FAZ" will bewusst, "keine kurzen Schnipsel" anbieten, wie Lindner sagt, sondern weiterhin auf guten Inhalt setzen. Genau denselben Weg geht Tyler Brulé. Der Kanadier entwickelte sich vom Zeitungsjungen zum Verleger und publiziert das Magazin "Monocle", das zehnmal im Jahr erscheint. Mit der "Macht der Covergestaltung" stellt er sich bewusst gegen die reine Digitalisierung von Fotos und Texten. Auch für Julia Jäkel, Chief Executive Officer von Gruner+Jahr, ist Print selbstverständlich nach wie vor "wichtig in einer digitalen Welt". "Gerade in der digitalen Welt erleben wir Sehnsüchte nach Langsamkeit, nach Haptik - nicht trotz, sondern wegen der Digitalisierung", sagt sie.

Zielgruppe als Um und Auf

Dominik Grau, Chief Innovation Officer Ebner Verlag, geht analytisch vor. Zeitungen sollten auf Evergreen Themen setzen, sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Die Zukunft der Medien liegt im Verständnis der Zielgruppe", so Grau. Zeitungen haben heute kein Monopol mehr. In dem Moment, wo das Monopol fällt, sei die Zielgruppe der Schlüssel zum Erfolg. Es gehe um die "vorhersehbare Reichweite".

Dass sich Medienhäuser selbst aufbauen müssen - sowohl strategisch als auch emotional - wird vor allem aufgrund der Außenwahrnehmung deutlich. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sprach in seiner Eröffnungsrede von einer "problematischen Entwicklung". Politik und Medien in Österreich seien derzeit in einer "Spirale des Populismus" gefangen. "Ich erlebe eine wechselseitige Konditionierung", betonte der Kanzler, "Eine Politik, die die Pointe sucht, und Medien, die diese Pointe willfährig aufnehmen." Dazu komme, dass journalistische Entscheidungen einer "rein quantifizierten, Algorithmus-getriebenen Sichtweise" unterliegen würden. "Information wird damit schlussendlich ultimativ zur Ware, bezahlt mit Daten, die angeblich das Gold der digitalen Ära sind", so Kern. Kern sprach sich für eine Presseförderung aus, die Qualitätsjournalismus fördert. Er ortet aber "Gegenwind von jenen, die nicht davon profitieren".

Wie schwierig das Verhältnis zwischen den Medienhäusern und den Sozialen Netzwerken ist, sah man abseits davon nicht nur im matten Bekenntnis vieler Redner, dass die digitale Welt bestritten werden muss. Trotz des "Schmutzes" und der "Lügen", die durch Facebook "lange statt kurze Beine bekommen" würden, wie die Teilnehmer in einer Diskussionsrunde betonten, sucht man nach einer Geschäftsbeziehung. Gerne hätte man einen Vertreter beim Kongress dabei gehabt, heißt es. Doch Facebook habe abgesagt und die Belegschaft der Medienhäuser auf nächstes Jahr vertröstet. Dann will das Soziale Netzwerk, wie es sagt, eventuell dabei sein.





Schlagwörter

Medien, Print, Digital

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