• vom 20.06.2017, 11:16 Uhr

Medien

Update: 20.06.2017, 15:28 Uhr

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"Paywalls funktionieren auch in Österreich"




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Von WZ Online

  • Sieben Lehren des gescheiterten Österreich-Ablegers der "Neuen Zürcher Zeitung".

Lukas Sustala spricht über die Lehren aus seiner Zeit bei NZZ.at.

Lukas Sustala spricht über die Lehren aus seiner Zeit bei NZZ.at.© fib Lukas Sustala spricht über die Lehren aus seiner Zeit bei NZZ.at.© fib

Wien. Zwei Monate nachdem das Online Medium NZZ.at eingestellt wurde, meldete sich Lukas Sustala, ehemals Chef von NZZ.at, noch einmal zu Wort: Am Montagabend sprach er bei der Diskussionsveranstaltung "Aufmacher - die Medienrunde" über die Lehren, die er aus dem Scheitern des Österreich-Ablegers der "Neuen Zürcher Zeitung" zieht. Eine der brennendsten Fragen des Abends war, ob und wie Medien mit ihren Inhalten im Internet Geld verdienen können. Wir haben die wichtigsten Thesen des Abends zusammengefasst:

1) Einfach machen: Die Wichtigste Lehre aus der Zeit mit NZZ.at ist für Sustala: Einfach machen, den Mut haben Dinge auszuprobieren und zu experimentieren. Dazu zitierte er sinngemäß seinen ehemaligen Chef, Veit Dengler: "Hinter uns brennen die Brücken", es bleibe also nichts anderes übrig, als nach vorne zu laufen. Sustalas wichtigste Ratschlag für Medien-Gründer lautet daher: "Sich auf eine Sache konzentrieren, die zu 120 Prozent machen und nicht alles auf einmal wollen."

Information

Ende April 2017 wurde NZZ.at, der Österreich-Ableger der "Neuen Züricher Zeitung", eingestellt. In einem Brief an die Abonnenten heißt es, NZZ.at habe "seine Ziele im Markt nicht erreicht". Im Jänner 2015 war NZZ.at unter der Leitung von Michael Fleischhacker, früher "Presse"-Chefredakteur, gestartet. Fleischhacker gab die Chefredaktion im September 2016 an Lukas Sustala ab. Die Plattform setzte zur Gänze auf bezahlte Online-Abos. Die hohen Erwartungen konnte das Projekt nie erfüllen. Bereits vor einem Jahr wurden neun von 25 Mitarbeitern abgebaut und die Technik nach Zürich verlagert.

Die Diskussion fand im Rahmen der neuen monatlichen Diskussionsreihe "Aufmacher - die Medienrunde" statt, die von Andreas Sator (DER STANDARD), Christoph Schlemmer (APA) und Bettina Figl (Wiener Zeitung) ins Leben gerufen wurde. Beim nächsten Termin im Juli wird Fritz Jergitsch, Gründer der Tagespresse, über Satire in den Medien sprechen. Der Newsletter für genauere Infos und Termine: http://bit.ly/2skRSPW

2) Eine eigene Marke: Als Fluch und Segen zugleich habe sich für NZZ.at die starke Marke des Schweizer Mutterschiffes herausgestellt. Obwohl es im Tagesgeschäft kaum inhaltliche Anweisungen aus der Schweiz gab, war im Hinterkopf stets die Frage präsent: Passt das zur NZZ? Gleichzeitig sprach man eine andere Zielgruppe an. Erst gegen Ende hat die österreichische Seite ihren eigenen Stil gefunden und ist eine eigene Marke geworden, die gleichzeitig gut zur NZZ passte. Die Positionierung der Marke NZZ.at würde er heute anders angehen als damals.

3) Paywalls funktionieren auch in Österreich, meint Sustala. Wäre NZZ.at schon so kompakt gestartet, wie es am Ende aufgestellt war, hätte das Online Medium funktioniert. Eine Nische für tief recherchierte Inhalte, die erklären und Hintergrund liefern, gebe es auch hierzulande. Jedoch hätte man mehr Marketing betreiben, und von Anfang an mit günstigeren Abo-Angeboten arbeiten sollen.

4) Aber: Paywall ist nicht gleich Paywall. Zu Beginn startete NZZ.at mit einer von der niederländischen Plattform "De Correspondent" inspirierten Paywall. Die Startseite war nur für Abonnenten abrufbar, über Social Media geteilte Artikel aber für jeden. Für die Niederländer funktionierte das: sie hatten über ein Crowdfunding auf einen Schlag 10.000 Abonnenten. NZZ.at hatte die zu Beginn nicht, und daher nicht genügend Leute, die Inhalte auf Social Media für das breite Publikum teilen hätten können.

5) Gemischte Teams: Das NZZ.at-Team war bunt zusammengewürfelt, einige Redakteure kamen aus dem klassischen Print-Journalismus. Das war kein Problem, sagt Sustala. Ob Social Media, Redakteurstätigkeit oder Planung der Events: Wer welche Aufgaben übernahm, wechselte stark, und das habe NZZ.at gut getan.

6) Community-Events: Eine weitere gute Möglichkeit, Geld zu verdienen und Leser an sich zu binden - zumindest für einige Medien mit starker Marke -, sieht Sustala in Events. Die Community-Events, die die NZZ.at-Journalisten wöchentlich organisiert haben, waren jedoch "eine Herausforderung für den Workflow in der Redaktion", so Sustala.

7) NZZ-Newsletter: Die NZZ gibt es in Wien weiterhin. Zehn Mitarbeiter sind im Bereich Video, Marketing Analytics und  internationalem Verkauf tätig. Ein Deutschland-Ableger nach dem Vorbild von NZZ.at war nie geplant. Vielmehr nutzt man bei der Bearbeitung des deutschen Markts die Erkenntnisse, die man in Österreich gewonnen hat.





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Dokument erstellt am 2017-06-20 11:50:58
Letzte nderung am 2017-06-20 15:28:14



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