• vom 13.07.2017, 16:20 Uhr

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"Krone" könnte Kündigung der Verträge ins Haus stehen




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Von Bernhard Baumgartner

  • Deutsche Mitgesellschafter können seit Monatsbeginn Gesellschafterverträge beenden.

Das "Krone"-Haus in der Muthgasse. - © picturedesk

Das "Krone"-Haus in der Muthgasse. © picturedesk

Wien. Der "Kronen Zeitung" könnten grundlegende Veränderungen ins Haus stehen. Die Konstruktion der Zeitung, mit ihren beiden Hälfte-Eigentümern - der Familie Dichand einerseits und der Funke Mediengruppe (vormals "WAZ") - scheint nicht mehr in Stein gemeißelt zu sein. Denn seit Juli können Brancheninformationen zufolge die Gesellschaftsverträge aus den späten Achtziger-Jahren gekündigt werden. Insider gehen davon aus, dass die Funke Gruppe das auch tun wird - und zwar lieber früher als später. Hatte der deutsche Verlag, in dem neben der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" ("WAZ") auch eine Reihe anderer Regionalzeitungen erscheinen, ja bereits 2014 erfolglos versucht, die Verträge zu kündigen.

Auf die Anfrage der "Wiener Zeitung" nach einer Kündigung, reagiert man entsprechend vielsagend: "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern können", sagt Konzernsprecher Tobias Korenke. Ein klares Dementi sieht üblicherweise anders aus.


Tatsache ist, dass die in den goldenen Achtzigerjahren geschlossenen Verträge eine klare Asymmetrie aufweisen. Der Familie Dichand steht demnach ein sogenannter "Vorabgewinn" in der Höhe mehrerer Millionen Euro pro Jahr zu. Dies jedoch auch dann, sollten die der "Krone" zugeordneten Erlöse aus der Mediaprint diese Höhe gar nicht erreichen, was in den vergangenen Jahren bisweilen der Fall gewesen sein dürfte. In diesem Fall müssen die deutschen Gesellschafter nachschießen, um den Vertrag zu erfüllen. Dazu kommt, dass die Stimmen der Funke-Gruppe in den Gremien der Mediaprint an jene Dichands durch eine Syndikatsvereinbarung gebunden sind. Dies führt dazu, dass die Deutschen ihre Interessen in der übergeordneten Vermarktungsfirma von "Krone" und "Kurier" nicht ungestört wahrnehmen können, obwohl sie an beiden Blättern maßgebliche Anteile halten.

Das Verhältnis zwischen den Eigentümern ist zudem absolut nicht friktionsfrei. In einem Scheidungsverfahren würde man es wohl als "zerrüttet" bezeichnen. So gibt es kaum ein Thema der vergangenen Jahre, um das nicht gestritten wurde. Bereits mehrfach wurde ein vertraglich vorgesehenes "Schweizer Schiedsgericht" bemüht, um Streitigkeiten zu schlichten - so auch beim letzten Versuch Funkes, die Verträge zu kündigen, im Jahr 2014.

Jahrelanger Streit
Das Urteil - es erging übrigens erst im März dieses Jahres - ging erneut gegen die Deutschen aus: Die damalige Kündigung war unwirksam. Doch nun könnte der Konzern einen neuerlichen Versuch wagen, sich endgültig aus Österreich zurückzuziehen. Wirksamkeit in diesem Fall: Mitte bis Ende 2018.

Klar ist, dass beide Seiten ein - in solchen Fällen übliches - Vorkaufsrecht auf die Anteile haben. Kolportierte Kaufangebote wurden bislang immer von der jeweils anderen Seite zurückgewiesen - zuletzt wurden 70 Millionen Euro aus Kaufpreis für die halbe "Krone" kolportiert. Klar ist auch, dass sich die Funke-Gruppe beim Verkauf leichter tun würde (und einen höheren Kaufpreis erzielen könnte), würden die asymmetrischen Verträge nicht mehr gelten. Gespräche etwa mit der Familie Fellner wurden in diesem Zusammenhang kolportiert und dementiert. Im Gesellschafter-Ausschuss der Mediaprint sitzt neuerdings übrigens Investor Kurt Stiassny an der Seite von "Krone"-Chef Christoph Dichand.

Es ist davon auszugehen, dass sich Funke im Verkaufsfall der "Krone"-Anteile auch aus dem "Kurier" (man hält dort 49,44 Prozent) zurückziehen würde. Dort hat auch Mehrheitsgesellschafter Raiffeisen ein Wort mitzureden. Die übergeordnete Mediaprint ist mit 421 Millionen Jahresumsatz (bei sinkender Tendenz) immer noch der zweitgrößte Medienkonzern Österreichs. Der Gewinn soll 2013 bei sieben Millionen Euro gelegen sein.




Schlagwörter

Medien, Print, Krone

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