• vom 11.09.2017, 22:59 Uhr

Medien


Türkei

Prozess gegen "Cumhuriyet" geht weiter




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief






    Istanbul/Ankara. 18 Mitarbeiter der wichtigsten türkischen Oppositionszeitung "Cumhuriyet" in der Türkei stehen seit Montag wieder vor Gericht. Zum Auftakt des Verhandlungstages im Hochsicherheitsgefängnis in Silivri, 80 Kilometer von der Hauptstadt Istanbul entfernt, wies der Buchhalter des Blattes, Emre Iper, die Terrorvorwürfe zurück, wie "Cumhuriyet" aus dem Verfahren berichtete. Ipers Prozess war mit der anderen Mitarbeiter der Zeitung zusammengelegt worden. Auch ihnen wird die Unterstützung verschiedener Terrororganisationen vorgeworfen, darunter die Unterstützung der Gülen-Bewegung sowie des Putschversuchs vom letzten Jahr. Die Anklage stützt sich dabei auf Zeitungsartikel und Mitteilungen in sozialen Medien als Beweismittel. Die Staatsanwaltschaft behauptet in ihrer Anklageschrift, die Zeitung habe mit zahlreichen Texten keine Nachrichten verbreitet, sondern Manipulationen gestreut, um den Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und das gesamte Land zu diffamieren. Die Zeitung weist die Vorwürfe entschieden zurück und beschuldigt die Erdogan-Regierung, mit dem Prozess eine der letzten unabhängigen Medien mundtot machen zu wollen.

    Bis zu 43 Jahre Haft
    Ende Juli hatte das Gericht die Untersuchungshaft für mehrere Angeklagte im "Cumhuriyet"-Prozess aufgehoben. Die vier wichtigsten Beschuldigten blieben aber auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Bei ihnen handelt es sich um den Chefredakteur Murat Sabuncu, den Herausgeber Akin Atalay, den Investigativjournalisten Ahmet Sik und den Kolumnisten Kadri Gürsel. Auch Buchhalter Iper sitzt in Untersuchungshaft. Der Prozess gegen die Mitarbeiter einer der letzten regierungskritischen Zeitungen in der Türkei wird international als Schlag gegen die Pressefreiheit kritisiert. Zu den Angeklagten gehört auch der frühere Chefredakteur Can Dündar, der aber im Exil in Deutschland lebt. Den Angeklagten in der Türkei drohen langjährige Haftstrafen bis zu 43 Jahre. Neben den 18 "Cumhuriyet"-Beschuldigten sind in dem Prozess zwei weitere Menschen angeklagt: ein freier Journalist, der in Washington lebt, und ein Twitter-Nutzer in der Türkei, der wegen Twitter-Nachrichten angeklagt ist. Die Verhandlung am Montag fand im Gerichtssaal gegenüber vom Gefängnis in Silivri statt, in dem auch der deutsche "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel in U-Haft sitzt.


    Erst vor einer Woche ließ der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erstmals den Menschenrechtskommissar des Europarates, Nils Muiznieks, in den Beschwerdeverfahren türkischer Journalisten als Nebenkläger zu. Muiznieks kann damit bei der "Cumhuriyet"-Klage in Straßburg, aber auch in anderen Fällen wie dem des deutschen "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel direkt intervenieren. Bei den Journalistenprozessen geht es um die unverhältnismäßig lange U-Haft, bis es zur Anklage und zum Prozess kommt. Mehr als 170 Journalisten sind derzeit in der Türkei inhaftiert, so viele wie in keinem anderen Land.




    Schlagwörter

    Türkei, Cumhuriyet

    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-09-11 18:09:03



    Asterix

    "Die Orgie wird kalt!"

    Es ist kein Stau, es ist ein Rennen: Asterix und Obelix lassen die Konkurrenz Via-Appia-Staub fressen. - © Asterix® Obelix® Idefix ®/2017 Les Éditions Albert René "Caesar fühlt sich auf einmal sehr müde . . .", sagt Caesar. Man kann es dem Manne nicht verargen. Schließlich ist es schon wieder passiert... weiter




    Graphic Novel

    Anne Frank und die Generation iPhone

    Eine Figur, so stark, dass man Angst hat: Fast hätten sich die Zeichner nicht zugetraut, Anne Frank gerecht zu werden. - © S. Fischer Verlag "Natürlich nicht!" David Polonskys Ablehnung war deutlich und instinktiv, als Ari Folman ihm vor vier Jahren von der Anfrage des Anne-Frank-Fonds aus... weiter





    Werbung



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Die Ära des geilen Mannes
    2. "Die Orgie wird kalt!"
    3. Im Schockzustand
    4. Der mit den Elfen spricht
    5. Schneemann mit rosa Schal
    Meistkommentiert
    1. Das Hosentürl zum Ruhm
    2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
    3. Ausgespielt?
    4. Unerfahrene Französin muss Unesco-Spaltung kitten
    5. Eine unbemerkte Künstlerfreundschaft


    Quiz


    Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

    Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

    Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.

    Werbung



    Werbung


    Werbung