• vom 15.09.2017, 16:02 Uhr

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Update: 15.09.2017, 16:11 Uhr

Fernsehen

Die Apokalypse einer Regielegende




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Von Barbara Dürnberger

  • Die Dreharbeiten sind fast so legendär wie der Film selbst: Arte zeigt Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now Redux".

Die Hölle auf Erden: Dennis Hopper (links) und Martin Sheen in "Apocalypse Now". - © Pathé Films/Arte France

Die Hölle auf Erden: Dennis Hopper (links) und Martin Sheen in "Apocalypse Now". © Pathé Films/Arte France

Die Dreharbeiten brachten ihn an den Rand des Wahnsinns und bescherten ihm mindestens einen epileptischen Anfall. Das sind aber nur die gesundheitlichen Probleme, mit denen die Regielegende Francis Ford Coppola während der Arbeiten zu "Apocalypse Now" zu kämpfen hatte. Es sind die wohl legendärsten Dreharbeiten der Filmgeschichte. 1991 haben Eleanor Coppola, Fax Bahr und Georg Hicklenlooper versucht, die Vorkommnisse in einer Dokumentation aufzuarbeiten. Arte zeigt "Im Herz der Finsternis - Apokalypse eines Filmregisseurs" (So., 0.15 Uhr, alle Arte) anlässlich des "Vietnam"-Schwerpunkts, der das Abendprogramm des Senders in der kommenden Woche bestimmen wird. Zuvor gibt es die Extended Version "Apocalypse Now Redux" (So., 20.15 Uhr) aus dem Jahr 2000 zu sehen, die gegenüber der Originalfassung von 1979 knapp 60 Minuten länger ist.

Der Antikriegsfilm erzählt die Geschichte von Captain Williard (Martin Sheen), der während des Vietnamkriegs einen Sonderauftrag erhält: Er soll den desertierten Colonel Kurtz (Marlon Brando) aufspüren und liquidieren. Soweit die Story, für deren Umsetzung Francis Ford Coppola im Februar 1976 mit seinem Team und seiner Familie auf die Philippinen zog, um seinen Beitrag zur geschichtlichen Aufarbeitung des Vietnamkriegs zu leisten und dessen Schrecken zu realisieren. Es sollten denkwürdige Wochen und Monate werden, die Coppola bald suggerieren, dass seine eigene Apokalypse, sein höchstpersönlicher Weltuntergang kurz bevorsteht. Schon zu Beginn der Dreharbeiten scheinen sich nämlich sowohl die Logistik als auch das Wetter gegen ihn verschworen zu haben.


"Ich weiß nicht, ob ich überlebe"
Auch mit den Leistungen seines Hauptdarstellers Harvey Keitel ist er nicht zufrieden. Keitel wird gefeuert, Martin Sheen folgt an seiner Stelle. Er wird jedoch nicht nur vor der Kamera einen Krieg führen, sondern auch privat - gegen seine Alkoholsucht.

Das Chaos, das ihn bei Ankunft am Filmset erwartet, lindert sein Verlangen nach Hochprozentigem jedenfalls nicht. Coppola schreibt angeblich erst während der Dreharbeiten am Drehbuch, ehe ein Taifun die Crew zu einer mehrwöchigen Pause zwingt: "Ich weiß nicht, ob ich das alles überleben werde", soll Sheen damals zu Freunden gesagt haben. Eine Vorahnung? Möglich. Denn tatsächlich erleidet Martin Sheen während der Dreharbeiten einen Herzinfarkt, weshalb einige Szenen ohne ihn gedreht werden müssen.

Und dann gibt es da noch das sprichwörtlich große Problem mit Hauptdarsteller Marlon Brando. Der Superstar hat nämlich enorm an Gewicht zugelegt und passt nun so gar nicht zu jener Rolle, die Coppola für ihn vorgesehen hatte. Brandos Figur, der abtrünnige Colonel Krutz, ist in seinen Augen ein schlanker, hungriger Krieger - und kein übergewichtiger, mürrischer und egozentrischer Superstar, der sich während der Dreharbeiten auf einmal eine Glatze schert, nicht in die vorgesehene Uniform passt und zu guter Letzt auch seinen Text nicht gelernt hat. Eine Tatsache, die sodann zu einer weiteren Unterbrechung der Produktion führt.

Coppola fällt daraufhin die Entscheidung, dass die Aufnahmen von Brando fast ausschließlich im Zwielicht oder fast völliger Dunkelheit gedreht werden, häufig ist deshalb nur sein Gesicht im Halbdunkel zu sehen.

Trotz all dieser Strapazen und Unglücksfälle hält Coppola an dem Projekt fest, weigert sich, es einfach abzusagen und zu kapitulieren. Was damals nur die wenigsten wussten: Die Finanzierung stammte zu einem großen Teil von ihm selbst. Mehrere Millionen Dollar hat er in die Produktion investiert. Eine Nicht-Fertigstellung hätte seinen Ruin bedeutet.

Obwohl in Hollywood bereits über ein Scheitern des Films gemutmaßt wurde, lief er, mit Monaten Verspätung, 1979 in den Kinos an und wurde nicht nur ein finanzieller, sondern auch einer der größten künstlerischen Erfolge Coppolas. Kritiker bezeichnen ihn als einen der einflussreichsten Filme des 20. Jahrhunderts.

Ein weiteres Highlight des Schwerpunkts ist außerdem die neunteilige Dokumentarfilm-Serie "Vietnam" (Di., Mi. und Do., ab 20.15 Uhr) von Ken Burns und Lynn Novick zu sehen, die so umfassend und detailliert wie nie zuvor die Geschichte des Vietnamkriegs erzählt. Die Dreharbeiten dazu dauerten sechs Jahre. Insgesamt kommen 80 Zeitzeugen zu Wort, darunter zahlreiche Amerikaner und Vietnamesen, die in der längsten militärischen Auseinandersetzung des 20. Jahrhunderts kämpften. Viele von ihnen konnten die Erlebnisse nie verarbeiten. Und ihre Fragen nach dem Sinn dieses tragischen Krieges verstummen auch 40 Jahre nach dessen Ende nicht.




Schlagwörter

Fernsehen, Vietnam

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Dokument erstellt am 2017-09-15 16:06:20
Letzte ─nderung am 2017-09-15 16:11:37



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