• vom 19.09.2017, 16:18 Uhr

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Update: 19.09.2017, 19:45 Uhr

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ORF wünscht sich ein Dutzend Gesetzesänderungen




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  • ORF-Chef Wrabetz will die Gebühren auf Streaming ausweiten, das "Experiment" DAB+ beenden.

Gegen die Dominanz von Google und Facebook: ORF-Chef Alexander Wrabetz. - © apa

Gegen die Dominanz von Google und Facebook: ORF-Chef Alexander Wrabetz. © apa

Wien. (bau) ORF-Chef Alexander Wrabetz hat am Donnerstag in einem Grundsatzpapier die Wünsche des ORF an die Medienpolitik, aber auch an die anderen Marktteilnehmer formuliert. Zusammengefasst will der ORF dabei ein halbes Dutzend nationaler Gesetze sowie ein weiteres halbes Dutzend EU-Regelungen in seinem Sinne verbessert wissen. Letztlich gehe es darum, den heimischen Medienmarkt und damit den ORF für eine Zukunft fit zu machen, in der immer mehr Geld und Aufmerksamkeit an US-Konzerne wie Google und Facebook abfließe, wie der ORF-Chef vor Journalisten erklärte.

Dafür forderte Wrabetz die anderen Marktteilnehmer, etwa die Print-Branche, zu einem "Schulterschluss gegen die "Dominanz deutscher Medienkonzerne im Fernsehen" auf sowie die "Übermacht globaler Player im Online-Bereich" und "global agierende Pay-Konzerne": "Gemeinsames Ziel österreichischer Medienhäuser muss es sein, möglichst viel Werbegeld und Wertschöpfung zur Finanzierung und Produktion von Medieninhalten in Österreich zu halten", so Wrabetz.


Ihm schwebt daher eine "Media Agenda 2025" vor, "um langfristig die ausreichende Herstellung von österreichischem Qualitäts-Content zu ermöglichen". Als Maßnahmen schlägt er unter anderem einen permanenten "Medien Round-Table" unter Beteiligung der österreichischen Medien und der Medienpolitik, moderiert von der RTR, vor. Um den Entwicklungen bei der Online-Werbevermarktung etwas entgegenzusetzen, müssten sich Online-Contentanbieter - also der ORF und die "großen Printkonzerne", aber auch "kommerzielle Anbieter" - zu einem "Marketplace Austria" zusammenfinden. Die Austria Video Plattform solle mit zusätzlichen Inhalten bestückt werden. Beim 5G-Rollout müssten die Interessen österreichischer Medieninhaber berücksichtigt werden, so eine weitere Forderung.

Gebühren teilen mit Print
Eine generelle Haushaltsabgabe als Quelle für die Medienfinanzierung hält Wrabetz in Österreich für "wenig realistisch", verweist er auf entsprechende Wortmeldungen aus der Politik. Die Presseförderung solle aber durch Zweckwidmung jener Beträge, die gemeinsam mit den ORF-Gebühren eingehoben werden und in öffentliche Budgets wandern, aufgestockt werden, schlägt Wrabetz vor. "Das wären rund 60 Millionen Euro", um "die Printmedien zu unterstützen". Das ORF-Programmentgelt wiederum solle künftig regelmäßig valorisiert werden. Und die Werbe-Abgabe müsse bei gleichzeitiger Senkung auf Online-Werbung ausgedehnt werden.

Apropos Gebühren: Diese solle substanziell ausgeweitet werden und etwa auch jene Haushalte treffen, die derzeit lediglich Streaming-Dienste konsumieren. Zudem will Wrabetz eine "automatische Valorisierung", um die Diskussionen über die Gebührenerhöhungen zu beenden. Ein Ansinnen, das mit Sicherheit auf wenig Gegenliebe bei der Politik stößt. Das "Experiment" DAB+ will Wrabetz "beenden". Das ist ein Angriff auf die etwa ein Dutzend DAB-Sender, die sich derzeit im Probebetrieb befinden und auf den Regelbetrieb 2018 warten.

Weitere Vorschläge in dem Papier betreffen die Abschaffung der Limitierungen für Print-Werbung im ORF-Fernsehen, "mühsame App-Beschränkungen" (diese muss der ORF einer Vorab-Prüfung bei der Medienbehörde unterziehen) und Schranken für den ORF im Internet (etwa das Verbot von Foren und die Sieben-Tage-Frist für Fernseh-Inhalte in der TVThek). Wrabetz argumentiert, dass das Verbot der Foren, das der ORF mit den Verlegern ausverhandelt hatte, spätestens seit Facebook ohnehin obsolet sei. "Der Mitbewerb hat von dem Verbot nicht profitiert, lediglich Facebook", so Wrabetz.

Auf ORF Sport+ soll es anlassbezogen erlaubt sein, auch Premium-Sport zu zeigen (was bisher verboten ist). Die Zuschauer verstünden nicht, warum ein Sportsender nicht jeden Sport senden dürfe, den er will.




Schlagwörter

Medien, ORF, Medienpolitik

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Dokument erstellt am 2017-09-19 16:24:06
Letzte nderung am 2017-09-19 19:45:13



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