• vom 20.09.2017, 17:03 Uhr

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Von Lemmingen und Navigatoren




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  • Die Österreichischen Medientage rufen angesichts technologischer Umwälzungen nach politischer Regulierung.

Medienminister Thomas Drozda.

Medienminister Thomas Drozda.© apa Medienminister Thomas Drozda.© apa

Wien. (bau) Dass die Zukunft der Medien digital ist, darüber gibt es längst keine Diskussionen mehr auf den Österreichischen Medientagen, die noch bis Donnerstag erstmals im Erste Bank Campus neben dem Hauptbahnhof in Wien über die Bühne gehen. Doch wie wird sie geregelt, die digitale Zukunft, die grenzenlosen Datenströme, Bilder, Videos und Radioübertragungen verspricht. Das große Geschäft, das gestern noch einmütig in Österreich aufgeteilt wurde, hat sich zu einem nicht unbeträchtlichen Teil internationalisiert. Heute fallen die für deutschsprachige Medien maßgeblichen Entscheidungen nicht in Hamburg, Gütersloh oder gar Wien-Heiligenstadt sondern in Mountain View (Google), Menlo Park (Facebook) oder bei Amazon in Seattle.

Umso mehr war es Balsam für die Seele der heimischen Medienmacher, dass Medienminister Thomas Drozda erneut eine Lanze für die Regulierung von Sozialen Medien und Online-Giganten gebrochen hat: Eine Demokratie brauche "Sanktionen gegen jene, die unzulässig Dominanz ausüben". Neue Technologien hätten "in gewisser Hinsicht das Weltwissen demokratisiert", doch soziale Medien gehörten ebenso reguliert "wie der Straßenverkehr". So etwas könne man nicht dem Markt überlassen, denn: "Der Markt organisiert keine Demokratie." Facebook oder Twitter als Wirtschaftsunternehmen sei ihr Beitrag zur demokratischen Gesellschaft "völlig egal". Daher sei es "kein Fehler, wenn man sie dahin reguliert, dass sie unseren Gesellschaften nicht schaden, sondern nützen".


Es gelte, in die "Infrastruktur der Demokratie investieren", gab Drozda ein Bekenntnis zum ORF und den traditionellen Medien ab: So lange der Öffentlich-rechtliche "offensichtlich deutlich" zur Herstellung einer informierten Öffentlichkeit beitrage, "sollten wir auf ihn nicht verzichten". Solange die Redaktionen generell "halbwegs fair und nachvollziehbar" informierten, "sollten wir sie nicht zur Disposition stellen".

"Völlig neue Dimension"
Dem konnte die Chefin von RTL Deutschland, Anke Schäferkordt, in ihrer Keynote Speech nur zustimmen. Sie forderte von den neuen Navigatoren des Medienmarkts, die eine neue Art von Gatekeeper darstellen, eine neutrale Verbreitung der Inhalte: "Es muss so sein, dass unsere Inhalte auch gefunden werden, wenn man sie sucht." Kritik übte Schäferkordt an den rechtlichen Rahmenbedingungen, lineare und non-lineare Inhalte seien komplett unterschiedlich reguliert. "Seit 15 Jahren reden wir über Konvergenz, dass alles zusammenwächst, trotzdem schafft es die Politik nicht, mit dem veränderten Nutzungsverhalten Schritt zu halten." Die RTL-Chefin erwartet eine noch größere Nachfrage nach On-Demand-Inhalten als neue Konkurrenten für klassische TV-Sender zukommen. "Das Tempo dieses Wandels hat ganz neue Dimensionen erreicht." Ausgelöst seien die Umwälzungen von neuen Endgeräten und verändertem Nutzungsverhalten. Dies sei eine "Riesenchance" für Bewegtbild auf allen Kanälen, TV steht nicht mehr nur für Television, sondern für "Total Video".

Beim Thema der Fragmentierung sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, sagte Schäferkordt: In den USA hätten die zehn größten TV-Stationen nur noch einen Marktanteil von 25 Prozent. Dazu kämen die US-Firmen Netflix, Amazon, Apple, Facebook und Snapchat, die in Video ein wesentliches Wachstum sehen. "Der Wettbewerb wird immer intensiver und die Inhalteflut weiter steigen", konstatierte Schäferkordt. Lineare TV-Anbieter bräuchten weiterhin Mainstream-Programm, um skalieren zu können, müssten gleichzeitig aber mehr auf Eigenproduktionen setzen - auch wenn dies deutlich teurer wäre als ein fertiges Programm zuzukaufen. Bei Vox seien früher etwa US-Serien der Treiber gewesen, nun zeige der Marktanteil bei US-Fiction deutlich nach unten. Darüber hinaus benötigten TV-Sender Live-Events als "Reichweiten-Garanten", dies erkläre auch die Preissteigerungen bei Sportrechten. In den USA sei die Zahlungsbereitschaft für Content deutlich höher. Sie erwartet aber auch für Europa einen Anstieg. Das Ziel müsse eine personalisierte Ansprache des Kunden, kombiniert mit hoher Reichweite bei automatisieren Prozessen sein, also "individuelles Targeting im linearen TV"

Im schon traditionellen Schlagabtausch im TV-Panel meinte ORF-Chef Alexander Wrabetz, "wir als Fernsehindustrie können selbstbewusst in die Diskussion gehen". Zwischen professionellem Fernsehinhalten und lustigen Videos im Internet sei ein Unterschied. "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner, seit einem Jahr mit oe24.TV auch Fernsehanbieter, zeigte sich beeindruckt von den Zugriffen übers Internet, diese seien bei oe24.TV "fast explodiert". "Das Fellnereske daran ist, dass die Videos automatisch und auch im nicht sichtbaren Bereich starten, das ist natürlich genial", kommentierte Puls4-Chef Markus Breitenecker Fellners Zahlen. Breitenecker meinte dann auch nicht weniger selbstbewusst, das ORF-Programm in gleicher Qualität und Quantität um die Hälfte der Gebühren machen zu können.

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Medien, Medienpolitik, Medientage

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