• vom 21.09.2017, 16:50 Uhr

Medien

Update: 21.09.2017, 18:39 Uhr

Medien

Geboren aus dem Chaos




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bernhard Baumgartner

  • Das "Star Trek"-Universum erhält mit der Serie "Discovery" Zuwachs - mit Frauen als Stars und Klingonen als Lieblingsgegnern.

Klingonen, wild und frei. - © Netflix

Klingonen, wild und frei. © Netflix

Toronto. "All life is born from chaos", stellt die sonore Stimme eine abgeklärte Weisheit aus dem Abreißkalender voran, während im Hintergrund ein Raumschiff in einem gigantischen Feuerball explodiert. Aber das Leben, so sinniert man weiter, hält sich nicht immer an die Logik, wie der offizielle Trailer zur neuen "Star Trek"-Serie "Discovery" verrät.

Mit der Logik ist das eh so eine Sache. Logisch wäre es gewesen, nach dem groben Flop der letzten "Star Trek"-Serie ("Star Trek: Enterprise") den Sargdeckel über dem Ansinnen einer neuen Fernsehserie zu schließen. Logischer wäre es auch gewesen, dem Erfolg der Kinofilme unter der jugendlich neu besetzten Crew von Captain Kirk zu folgen und aus diesem Material eine Serie zu zimmern.


Aber CBS und Netflix gingen einen anderen, riskanteren, aber auch vielversprechenden Weg: "Discovery" spielt in der Vergangenheit der Zeitlinie der Originalserie mit Kirk und Spock, allerdings nur zehn Jahre zurück. Man befindet sich in einem monströsen Krieg mit dem erklärte Lieblingsgegner - den Klingonen. Ohne die kommt eben keine echte "Star Trek"-Serie aus - und die Krieger haben sich (auch das ist gute Tradition von Serie zu Serie) wieder einmal verändert. Waren sie in "Star Trek: Deep Space Nine" und "Voyager" noch fest in die Föderation integriert, ja fast auf dem Weg der Assimilation, sind sie in "Discovery" wieder frei und wild. Ein Kriegervolk, stets auf der Suche nach Ehre und Blutwein! Auch sehen sie jetzt wieder mal anders aus - die Genetik dieser Rasse muss ein ausgesprochen sprunghaftes Wesen haben. "Faszinierend", würde Spock dazu sagen.

Erzählt wird die neue Serie aus der Perspektive von Michael Burnham, einer trotz des Namens kurioserweise weiblichen Figur, die als einziger Mensch die Wissenschaftsakademie der Vulkanier besucht und mit Bravour abgeschlossen hat. Eine harte Schule, die ihr viele Entbehrungen und Anfeindungen gebracht hat. Gespielt wird die Protagonistin von Sonequa Martin-Green (bekannt aus "The Walking Dead"). Das Motiv der nicht akzeptierten Halb-Vulkanierin ist ebenso ein Dauerbrenner der Serie und wird Fans freuen. Auch ihr Captain, Philippa Georgiou (Michelle Yeoh, bekannt aus "Tiger and Dragon"), ist eine Frau - und wie Burnham nicht von einer Weißen gespielt. Das setzt die schöne Tradition der Diversität fort, die mit dem schwarzen Commander Sisko ("Deep Space Nine") und Captain Catherine Janeway (Voyager) bereits in den Neunzigern ihren Anfang nahm. Die Tradition ist bei "Star Trek" alt, hatte doch nicht zuletzt der erste Kuss eines Weißen (Kirk) und einer Schwarzen (Lt. Uhura) im US-Fernsehen in "Star Trek" stattgefunden. Damals, 1968, waren die Produzenten so unsicher, dass sie die Kussszene nachträglich in die Rahmenhandlung eines Traumes setzten. Heute gibt es in "Discovery" mit der Figur des Lieutenant Stamets (Anthony Rapp) einen homosexuell lebenden Offizier.

Sensibler Wissenschafter
Bis zur Premiere am Montag hüllt sich Netflix in Schweigen, was die Storyline betrifft. Außer dass Krieg mit den Klingonen herrscht und die Protagonisten nicht gänzlich unschuldig daran sind, weiß man nicht viel. Lediglich über die handelnden Charaktere ist ein wenig mehr bekannt. So darf man sich auf einen hoch sensiblen Wissenschaftsoffizier einstellen, eine Figur, die - geprägt durch Spock - eher unterkühlt und rational besetzt ist. Der nichtmenschliche Wissenschaftsoffizier Lieutenant Saru (Doug Jones) ist Kelpianer, eine Rasse, die bisher kaum in Erscheinung getreten ist. Er kann Gefahren wittern, und anders als Spock oder Data ist er überaus emotional. So gerät er in einem der Trailer in Panik, weil er den Tod riechen kann.

Natürlich ist es mutig, in das derzeitige Serien-Umfeld einen Monolithen wie "Star Trek" setzen zu wollen. Immerhin hat nicht zuletzt "Game of Thrones" die Standards für die Ausstattung von Fantasy in lichte Höhen getrieben. Reichte es in vorigen Serien noch, als Deko ein paar Styropor-Klötze grau anzupinseln, hat man die "Discovery" in einer Halle in Toronto gebaut. Und zwar zur Gänze. Mit miesen Kulissen, die man nur aus der Entfernung filmen darf, ist es in Zeiten von 4K-Ultra-HD sowieso vorbei. Schummeln ist da nicht mehr. Insofern ist "Discovery" schon jetzt die mit großem Abstand teuerste Serie des "Star Trek"-Kosmos.

Die neue Staffel ist zweigeteilt: Die ersten acht Folgen sind vom 25. September bis 6. November auf Netflix zu sehen. Der zweite Teil wird ab Jänner 2018 gezeigt. Ob die kritischen Fans, die mit "Star Trek" aufgewachsen sind, zufrieden sind, wird sich zeigen. Die Freude darüber, dass er weitergeht, überwiegt die kritischen Reaktionen auf die Trailer. In diesem Sinne: Werfen wir den Warp-Antrieb an und gehen wir dahin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist.




Schlagwörter

Medien, Fernsehen, Star Trek

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-21 16:54:06
Letzte ńnderung am 2017-09-21 18:39:05



Asterix

"Die Orgie wird kalt!"

Es ist kein Stau, es ist ein Rennen: Asterix und Obelix lassen die Konkurrenz Via-Appia-Staub fressen. - © Asterix® Obelix® Idefix ®/2017 Les Éditions Albert René "Caesar fühlt sich auf einmal sehr müde . . .", sagt Caesar. Man kann es dem Manne nicht verargen. Schließlich ist es schon wieder passiert... weiter




Graphic Novel

Anne Frank und die Generation iPhone

Eine Figur, so stark, dass man Angst hat: Fast hätten sich die Zeichner nicht zugetraut, Anne Frank gerecht zu werden. - © S. Fischer Verlag "Natürlich nicht!" David Polonskys Ablehnung war deutlich und instinktiv, als Ari Folman ihm vor vier Jahren von der Anfrage des Anne-Frank-Fonds aus... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Tausend Tränen tief
  2. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  3. Neue Wege auf dunklen Straßen
  4. Blut, Schweiß und Oldman
  5. Das weiße Herz des Fernsehens
Meistkommentiert
  1. Pandoras Übersetzungswerkstatt
  2. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  3. "Wir sind ein dummes, gewalttätiges Land"
  4. Das Mittelmaß des Wahnsinns
  5. Kunst- und Kulturverbände präsentieren Forderungen an die Regierung


Quiz


Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.

Werbung



Werbung


Werbung