• vom 28.09.2017, 17:14 Uhr

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Update: 28.09.2017, 18:06 Uhr

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Sex und Salonkultur




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Von Christina Böck

  • Hugh Hefner, Häschendompteur, Erotikpionier und Feministinnen-Feindbild, ist gestorben.

Hahn im Hasenkorb: Hefner mit Entourage.

Hahn im Hasenkorb: Hefner mit Entourage.© Getty/Hulton Archive/H. Kretz Hahn im Hasenkorb: Hefner mit Entourage.© Getty/Hulton Archive/H. Kretz

"Ich werde oft gefragt: ‚Was ist Ihr bester Aufreißspruch?‘ Ich sage immer: Mein bester Aufreißspruch ist: ‚Hi, ich bin Hugh Hefner.‘" Im ersten Moment mag man sich wundern, wenn ein alter Mann im burgunderroten Seidenpyjama so etwas sagt. Aber der Name Hugh Hefner stand für viel. In erster Linie stand er für Geld und ausschweifende Partys. Er stand aber auch für etwas, das in der heutigen Medienzeit allzu anachronistisch anmutet: für ein Imperium, das auf einem Magazin fußte.

1953 gründete Hefner das Erotikperiodikum "Playboy", dafür nahm er eine Hypothek auf sein Mobiliar auf, seine Mutter steuerte 1000 Dollar bei. Sie sollten sich als weise Investition erweisen, wie auch die 500 Dollar, die Hefner für ein Pin-up-Foto der sehr jungen Marilyn Monroe bezahlt hatte (Monroe erhielt für den Akt übrigens 50 Euro). Mit diesem Bild im Herzen des ersten Hefts begann eine fulminante Erfolgsgeschichte: In seiner Hochzeit in den 70ern hatte der "Playboy" eine Auflage von sieben Millionen.


Sartre und die Nackten
Der Zeitpunkt der "Playboy"-Gründung war günstig bis genial: Die USA der 50er Jahre waren eine prüde Wüste der Asexualität. Alleinstehende Frauen erhielten legal keine Verhütungsmittel, in Filmen schliefen Ehepaare nach dem rigorosen Hollywood-Moralcode in getrennten Betten. Der "Playboy" trat an, diese Wüste mit gerade so viel Lüsternheit zu befeuchten, dass er damit durchkam. Wegen drohender Zensur war das Nackedei-Umfeld hochkarätig. Die vielverhöhnte Ausrede "Ich lese den Playboy nur wegen der Interviews" war damals legitim. Es gab Gespräche mit Jean-Paul Sartre oder Malcolm X, Kaliber wie Vladimir Nabokov lieferten Beiträge. Hefners erstes Editorial lässt vermuten, dass diese Melange aus Hedonismus und Intellektualität nicht rein pragmatisch war, sondern aus dem Verständnis einer Art sexy Salonkultur entstand: "Wir mögen es, Cocktails und Hors d‘œuvres anzubieten, Musik für die richtige Stimmung auf den Plattenspieler zu legen und eine weibliche Bekanntschaft einzuladen, um mit ihr über Picasso, Nietzsche, Jazz und Sex zu plaudern."

Das klingt verblüffend zivilisiert für heutige Generationen, die den "Playboy" am ehesten daher kennen, weil sich wieder drei Schmuddelprominente im RTL-Dschungelcamp ausgezogen haben. Zu Beginn inszenierte sich Hefner als Mischung aus James Bond und Great Gatsby, das Leben eine rauschende Party mit verbindlicher Kopulationsgarantie. Zeitweise hatte er sieben Geliebte gleichzeitig. Ins Büro hatte es der "Playboy"-Chefredakteur, der er bis zum Tod bleiben sollte, nie weit: Das Home-Office war sein rundes, vibrierendes Lustlager.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-28 17:18:07
Letzte Änderung am 2017-09-28 18:06:17



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