• vom 03.10.2017, 16:18 Uhr

Medien

Update: 04.10.2017, 07:46 Uhr

Medien

Ein Ohrenstüber für die Radiohörer




  • Artikel
  • Kommentare (6)
  • Lesenswert (21)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bernhard Baumgartner

  • Ö1 erzürnt mit neuen Signations manche Hörer: Warum im Radio Veränderungen schwerfallen.

Ö1 präsentiert sich seit Sonntag im neuen Sound-Design. Viele hängen noch dem alten nach. - © apa

Ö1 präsentiert sich seit Sonntag im neuen Sound-Design. Viele hängen noch dem alten nach. © apa

Wien. Das Feedback ließ nicht lange auf sich warten. Als sich herumgesprochen hatte, dass Ö1 seit Sonntag neue Signations hat, gab es auf Twitter kein Halten mehr: Von "Lärm ohne Wiedererkennungswert" wurde gesprochen, sie seien "durch die Bank zu lang", ein "dissonanter Orchesterklang" und zudem "nicht prägnant" und überhaupt der "größte Skandal des Tages". Einer bringt das Gefühl des gemeinen Radiohörers treffend auf den Punkt: "Warum bitte? Es sind nämlich diese kleinen Dinge, die das Leben so schrecklich machen."

Also besonderer Hörgenuss gehen die neuen Signations von Christian Muthspiel offenbar nach überwiegender Meinung des Publikums nicht durch. Tatsächlich sind etliche davon eher schwer verdaulich, wenig melodisch und bürsten den Durchschnittshörer gewaltig gegen den Strich. Die Signation des "Mittagsjourmals" etwa klingt - pars pro toto - ein wenig, wie wenn das Musical-Orchester der Vereinigten Bühnen die Instrumente stimmt. In den "Spielräumen" wiederum wähnt man sich bei einer Zirkuskapelle, die nach dem vierten Vierterl schon recht fidel aufgeigt.

Beim ORF gibt man sich auf Nachfrage entspannt: "Die Reaktion ist im Bereich des Erwartbaren", heißt es bei Ö1. 30 Hörer-Beschwerden pro Tage hatte man zuletzt, wobei nicht alle Wortmeldungen negativ seien, wird betont. Das sei - so wird versichert - "vergleichsweise wenig" wenn man die Dimension der Veränderung in Betracht ziehe.

Tatsächlich ist ein neues Sound-Design mit komplettem Austausch aller Signations so ziemlich die Maximal-Variante, die man bei einem Sender machen kann. Kombiniert noch mit einem neuen Programmschema und dem neuen Logo, das schon vor Monaten präsentiert wurde, kann man gut verstehen, dass einige Hörer denken, dass sie sich am Sender-Knopf verdrückt haben müssen. Die vielen Veränderungen auf einmal gingen auf den neuen Senderchef Peter Klein zurück, heißt es im Funkhaus. Dieser, soeben von ORF-Chef Alexander Wrabetz offiziell bestellt, wolle "sich ein Denkmal setze", mutmaßt man in der Ö1-Redaktion.

Branchenüblich ist so viel Veränderung auf einmal jedenfalls nicht, berichten Radio-Experten im vertraulichen Gespräch. Viel eher setze man in der Regel auf kontinuierliche Veränderung in kleinen Schritten, um die Hörer nicht zu verprellen.

Der Radio-Hörer an sich hasst nämlich Veränderungen an seinen Lieblingssendern. Das liegt an der Unmittelbarkeit des Mediums. Das Gehör ist der einzige Sinn, den wir nicht bewusst abschalten können, daher reagieren wir sensibel darauf, wenn jemand für uns definieren will, was wir zu hören haben. Natürlich: Jedes Radio hat einen Ausschaltknopf aber das ist ja nicht der Sinn der Sache bei einer Veränderung.

Der Hörer stellt Ansprüche

Faktum ist auch, dass sich viele Radiohörer übermäßig stark mit ihrem Lieblingssender identifizieren und diesen auch - natürlich in völliger Verkennung der Faktenlage - als "ihren" Sender sehen. Daher sehen sie es als Affront, wenn sich jemand in lieb gewonnene Hörgewohnheiten einmischt. Sei es die Trennung von beliebten Moderatoren, das Absetzen einer Sendung oder eine noch größere Reform. Hier empfiehlt es sich, Umsicht zu zeigen und hektische Aktivitäten zu vermeiden. Nicht wenige Radiosender haben sich bei Umbau-Projekten gegen die Hörgewohnheiten über Nacht in einem Shitstorm wiedergefunden. Und es ist nicht nur einmal passiert, dass die Hörerproteste so stark wurden, dass man letztlich zurückrudern musste.

Das ist jedoch bei Ö1 unwahrscheinlich. Alleine deshalb, weil es für den Ö1-Hörer sowieso keine Alternative gibt. Dennoch gab es bei Ö1 bei so gut wie jeder Veränderung massive Proteste. Und die vor 23 Jahren eingeführten Signations von Werner Pirchner mit dem längst zur Marke avancierten Dreiklang wurden damals ebenso leidenschaftlich gehasst. Vielleicht ändert sich das in den kommenden 20 Jahren mit den neuen Signations genauso.





Schlagwörter

Medien, Radio

6 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-03 16:24:05
Letzte nderung am 2017-10-04 07:46:00



Asterix

"Die Orgie wird kalt!"

Es ist kein Stau, es ist ein Rennen: Asterix und Obelix lassen die Konkurrenz Via-Appia-Staub fressen. - © Asterix® Obelix® Idefix ®/2017 Les Éditions Albert René "Caesar fühlt sich auf einmal sehr müde . . .", sagt Caesar. Man kann es dem Manne nicht verargen. Schließlich ist es schon wieder passiert... weiter




Graphic Novel

Anne Frank und die Generation iPhone

Eine Figur, so stark, dass man Angst hat: Fast hätten sich die Zeichner nicht zugetraut, Anne Frank gerecht zu werden. - © S. Fischer Verlag "Natürlich nicht!" David Polonskys Ablehnung war deutlich und instinktiv, als Ari Folman ihm vor vier Jahren von der Anfrage des Anne-Frank-Fonds aus... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Ära des geilen Mannes
  2. "Die Orgie wird kalt!"
  3. Der mit den Elfen spricht
  4. Im Schockzustand
  5. Die Seele der Dinge
Meistkommentiert
  1. Das Hosentürl zum Ruhm
  2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  3. Die Ära des geilen Mannes
  4. Eine unbemerkte Künstlerfreundschaft
  5. Unerfahrene Französin muss Unesco-Spaltung kitten


Quiz


Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.

Werbung



Werbung


Werbung