• vom 07.12.2017, 08:00 Uhr

Medien

Update: 07.12.2017, 11:39 Uhr

Top of the lake

Der Fluch der Fortsetzungen




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Von Barbara Dürnberger

  • Arte zeigt ab Donnerstag die schon mit Spannung erwartete zweite Staffel von "Top of the Lake".

Elisabeth Moss gibt die engagierte Ermittlerin Robin. - © arte

Elisabeth Moss gibt die engagierte Ermittlerin Robin. © arte



Ihr Film "Das Piano" war damals eine kleine Sensation. Er erzählt die Geschichte einer jungen Frau in der viktorianischen Zeit, die mit ihrer Tochter nach Neuseeland kommt, dort mit einem Mann verheiratet wird, den sie nicht ertragen kann, und sich stattdessen ihrem Geliebten widmet. Mit der Umsetzung der Geschichte brach Jane Campion viele Tabus, ließ die Schauspieler freizügig und ungehemmt agieren, streute dabei aber gleichzeitig immer wieder eine gewisse Züchtigkeit und Prüderie ein. Es war neu, es war anders, es war exzellent.

Ebenfalls eine kleine Sensation war auch, dass die Frau hinter dem Film, die neuseeländische Filmemacherin Jane Campion, dafür in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Als erste Frau überhaupt - und bislang auch als einzige. Fast 25 Jahre sind seitdem vergangen. Jahre, in denen die Regisseurin nicht untätig war. Aufsehen erregte sie unter anderem mit der TV-Produktion "Top of the Lake" im Jahr 2013. Darin ermittelt Robin Griffin (Elisabeth Moss) einen besonders heiklen Fall: Im kleinen Ort Laketop in Neuseeland wird ein zwölfjähriges Mädchen namens Tui Mitcham (Jaqueline Joe) in einem eiskalten See gefunden. Sie ist im fünften Monat schwanger. Robin, die eigentlich in Sydney lebt, wo sie für die Polizei als Spezialistin für Sexualdelikte arbeitet, ist gerade zu Besuch in ihrer Heimat, um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern, als sie von dem Schicksal der kleinen Tui erfährt. Der Fall weckt sofort ihr Interesse und sie stimmt zu, das verstörte Mädchen zu befragen - und kommt dabei erschütternden und weitreichenden Vorgängen im idyllischen Laketop auf die Spur. Zwangsprostitution und Drogenhandel inklusive.


Es ist eine wirklich gelungene Miniserie, die mit aufwühlendem und fesselndem Inhalt sowie einer faszinierenden Bildsprache überzeugt, die innerhalb der TV-Landschaft ihresgleichen sucht.

Die zweite Staffel "Top of the Lake: China Girl" (ab Do., 20.15 Uhr, arte) feiert ihre Premiere am heutigen Donnerstag. Arte nimmt dies zum Anlass und zeigt zwei weitere Filme von Jane Campion: "The Portrait of a Lady" (Fr., 14 Uhr, arte), der das Schicksal der jungen Amerikanerin Isabel Archer (Nicole Kidman) im England des Jahres 1872 erzählt sowie das bereits erwähnte mehrfach prämierte Meisterwerk "Das Piano" (Mo., 13.55 Uhr, arte) mit Holly Hunter, Harvey Keitel, Sam Neill und Anna Paquin in den Hauptrollen.

Doch zurück zur mit Spannung erwarteten zweiten Staffel von "Top of the Lake". Diese setzt vier Jahre nach dem Ende der ersten Staffel an: Robin ist mittlerweile nach Sydney zurückgekehrt, um ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Sie ist gesundheitlich angeschlagen. Der Fall der kleinen Tui hat tiefe psychische Wunden hinterlassen. Robin schläft schlecht, kämpft mit Angst.

In Sydney wartet jedoch bereits ein neuer Fall auf sie: Am Strand wird ein asiatisches Mädchen in einem Koffer angespült - und Robin stürzt sich in die Arbeit. Privat muss sie parallel dazu nicht nur die Probleme mit einer neuen Kollegin (Gwendoline Christie) lösen, sondern sich auch mit dem Auftauchen ihrer Tochter Mary (Alice Englert), die sie vor 17 Jahren zur Adoption freigegeben hat, auseinandersetzen.

Der Fluch der zweiten Staffel, die den hohen Erwartungen aufgrund einer grandiosen ersten Staffel nicht gerecht werden konnte, hat schon mehrere TV-Serien ereilt. "Top of the Lake" reiht sich nahtlos in diese Liste ein. "Nicht einmal Elisabeth Moss konnte diese deprimierende und dysfunktionale Geschichte noch retten", urteilt zum Beispiel der britische "Telegraph", "unstimmig und bizarr bis zum bitteren Ende" schreibt der "Guardian". Kritisiert wird hier zwar auf hohem Niveau und wäre es nicht eine Fortsetzung, dann hätte diese zweite Staffel vermutlich deutlich bessere Reviews erhalten. Doch Campion steht hier in Konkurrenz mit sich selbst - und verliert im direkten Vergleich.

Während in der ersten Staffel noch die Kraft der Bilder so manche Stille gefüllt hat, um das eben Gesehene wirken zu lassen, wird diese Stille in "China Girl" mit teils unnötigen Dialogen gefüllt. Die Story ist nicht ganz rund, verliert sich in zu vielen Erzählsträngen. Das Leitmotiv der starken Frauen, das zuvor noch spürbar und gleichzeitig mühelos umgesetzt wurde, ist jetzt allmächtig geworden und bestimmt jede noch so kleine Handlung der Hauptprotagonisten. Da kann auch eine wunderbar hysterische Nicole Kidman als Adoptivmutter nicht über eine eher schwache Story hinwegtäuschen.




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Dokument erstellt am 2017-12-06 15:50:05
Letzte ─nderung am 2017-12-07 11:39:24



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