• vom 03.01.2018, 16:24 Uhr

Medien

Update: 04.01.2018, 07:44 Uhr

Medien

Und plötzlich mit dem Kanzler per Du




  • Artikel
  • Kommentare (6)
  • Lesenswert (64)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Julia Ortner

  • Wie verhabert bin ich? Oder: die Suche nach mehr Transparenz in der journalistischen Arbeit. Ein Selbsterfahrungstrip.



Nicht immer muss man gleich Bruderschaft trinken, um mit jemandem per Du zu sein. Nähe passiert im Journalismus mitunter einfach. Umso wichtiger ist ein ehrlicher Umgang damit.

Nicht immer muss man gleich Bruderschaft trinken, um mit jemandem per Du zu sein. Nähe passiert im Journalismus mitunter einfach. Umso wichtiger ist ein ehrlicher Umgang damit.© Fotolia/popaukropa Nicht immer muss man gleich Bruderschaft trinken, um mit jemandem per Du zu sein. Nähe passiert im Journalismus mitunter einfach. Umso wichtiger ist ein ehrlicher Umgang damit.© Fotolia/popaukropa

Achtung, Selbstreflexion. Wohldosiert, noch ein bisschen unbeholfen, aber immerhin. Gleich zu Beginn des ersten Gesprächs für unseren Podcast stellte ich den Gast Harald Katzmair so transparent vor, wie ich es bis dahin nie in einem Interview gemacht hatte: Netzwerkforscher, wir hatten für dasselbe Medium geschrieben und ja, wir waren per Du. Vor Publikum, unerhört. Dieses erste "Du" on Air war bewusst gesetzt und dennoch, die Situation war angespannt, ich höre noch das eigene, verlegene Lachen - Interviewpartner vor Publikum duzen, das tut man als Journalistin üblicherweise nicht. Außer man heißt Wolfgang Fellner und lädt seine Haberer ins eigene Internet-Fernsehen ein, aber das ist jetzt nicht die Transparenz, die wir meinen.

In einem Podcast pflegt man einen persönlicheren Ton als im klassischen Interview, im Fall unseres Podcasts reden wir mit Menschen über Politik. Neben der peinlichen Berührtheit blieb nach der ersten Folge im August vergangenen Jahres doch ein gutes Gefühl bei meinen Kollegen Sebastian Krause, Eva Weissenberger und mir: Wir sind transparent und mauscheln nicht. Zumindest bemühen wir uns, in jeder Folge um die Offenlegung der Beziehung zu den Gästen; jene, die im Beratungsgeschäft tätig sind, befragen wir nach Aufträgen aus der Politik - in der Tradition des schon 2009 von US-Kommunikationswissenschafter Jay Rosen formulierten Leitsatzes "transparency is the new objectivity".

Information

Julia Ortner ist Journalistin und Mitherausgeberin des Podcasts "Ganz offen gesagt". Ö1-Magazin "Doublecheck" beschäftigt sich am Freitag um 19.05 Uhr mit dem Thema Verhaberung.

Hierzulande ist dieser Fokus noch neu für manche Podcast-Gäste. Die Hörerinnen und Hörer schätzen den Versuch der Offenheit, viele melden uns zurück: Ihr sagt endlich einmal, wo ihr steht. Es geht bei Transparenz eben nicht nur um hehre Ideale, sondern auch um die journalistische Glaubwürdigkeit.

Für Journalisten in Österreich ungewohntes Terrain. Ein paar Kollegen waren irritiert: Dieses Du-Wort im Podcast wirkt so verhabert, das würde ich nie machen! Psychologisch verständlich, wohl auch, weil man durch solche Momente der Transparenz das eigene Verhalten gespiegelt bekommt. Sich unangenehm berührt und vielleicht mit den eigenen blinden Flecken konfrontiert fühlt. Wie halte ich es denn mit dem Du-Wort bei Entscheidungsträgern? Wie schmal ist der Grat zwischen Nähe und Distanz in meiner Arbeit?

Transparenz ist ein scharfes Instrument gegen Verhaberung und übertriebene Nähe, gerade in Österreich, das sich mit Transparenz schwertut. Wie nötig mehr Offenheit im Umgang mit den Naheverhältnissen zwischen Politik, Wirtschaft und Medien wären, konnte man auch im Nationalrats-Wahlkampf beobachten.




weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Medien, Verhaberung, Politik

6 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-03 16:29:11
Letzte nderung am 2018-01-04 07:44:31



Asterix

"Die Orgie wird kalt!"

Es ist kein Stau, es ist ein Rennen: Asterix und Obelix lassen die Konkurrenz Via-Appia-Staub fressen. - © Asterix® Obelix® Idefix ®/2017 Les Éditions Albert René "Caesar fühlt sich auf einmal sehr müde . . .", sagt Caesar. Man kann es dem Manne nicht verargen. Schließlich ist es schon wieder passiert... weiter




Graphic Novel

Anne Frank und die Generation iPhone

Eine Figur, so stark, dass man Angst hat: Fast hätten sich die Zeichner nicht zugetraut, Anne Frank gerecht zu werden. - © S. Fischer Verlag "Natürlich nicht!" David Polonskys Ablehnung war deutlich und instinktiv, als Ari Folman ihm vor vier Jahren von der Anfrage des Anne-Frank-Fonds aus... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  2. panik
  3. Im Zeichen von #MeToo
  4. Im Zeichen der Vagina
  5. Liebestrank für Schmetterlinge
Meistkommentiert
  1. Pandoras Übersetzungswerkstatt
  2. Kurz besucht Berlin - "taz" kommentiert mit Biss
  3. "Wir sind ein dummes, gewalttätiges Land"
  4. Das Mittelmaß des Wahnsinns
  5. Kunst- und Kulturverbände präsentieren Forderungen an die Regierung


Quiz


Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.

Werbung



Werbung


Werbung