• vom 09.02.2011, 17:34 Uhr

Kultur

Update: 10.02.2011, 21:00 Uhr
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Lou Andreas-Salomé - die Literatin, Philosophin und Analytikerin wurde am 12. Februar vor 150 Jahren geboren

Von fremden Sternen zugefallen


Von Melanie Deutsch

  • Vorreiterin aller Feministinnen schuf eigenes Frauenbild.
  • Begleitete als Gefährtin Nietzsche, Rilke und Freud.
  • Wien. "Von welchen Sternen sind wir uns hier einander zugefallen?" Mit diesen lyrischen Worten begrüßt Friedrich Nietzsche die ihm bisher nur aus Briefen seines Freundes Paul Rée bekannte Louise von Salomé, genannt Lou, in Rom 1882. Nietzsche ist fasziniert von der jungen Russin, ihrer Wissbegierde und ihrer Intelligenz.

Auch Lou fühlt große Sympathie. Und fasst einen für eine Frau in der damaligen Zeit unvorstellbaren Plan: Sie möchte zusammen mit Rée und Nietzsche eine Wohngemeinschaft gründen, um zusammen zu studieren, jedoch ohne mit einem der beiden Herren verheiratet zu sein. An Anträgen mangelt es nicht, sowohl Rée als auch Nietzsche würden sie nur zu gerne ehelichen, doch die willensstarke Lou, die am 12. Februar ihren 150. Geburtstag feiern würde, hat bereits vor Jahren für sich beschlossen, dass sie den für Frauen vorgeschriebenen Weg mit Ehe und Mutterschaft nicht beschreiten möchte.

Lou Andreas-Salomé wird 1861 in St. Petersburg als jüngstes von vier Kindern geboren. Ihr Vater ist General, die Wohnung der Familie von Salomé liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Winterpalast, dem Wohnsitz des Zaren. Als einziges Mädchen neben drei Brüdern findet sie in Gott ihren ersten Freund. Dass sie später von ihrem Glauben abfällt, wird sie nicht davon abhalten reges Interesse an Religionsgeschichte und Religionsphilosophie zu zeigen.

Sie vertieft sich in die Schriften von Kant, Voltaire, Leibnitz, Fichte und Schopenhauer und beschließt in der Schweiz zu studieren. Ihrem Lehrer Hendrik Gillot schreibt sie zuversichtlich: "Wollen doch sehn, ob nicht die allermeisten sogenannten unübersteiglichen Schranken, die die Welt zieht, sich als harmlose Kreidestriche herausstellen!"

Friedrich Nietzsches Geschwistergehirn

Sie reist nach Zürich, muss aber ihre Studien nach einen Jahr wegen einer schweren Erkrankung unterbrechen und begibt sich zur Erholung nach Rom, wo sie auf Rée und Nietzsche trifft. Bei einer gemeinsamen Reise nach Luzern entsteht jenes berühmte Foto, das die beiden Herren vor einen Karren gespannt zeigt, während Lou mit den Zügeln in der Hand, die Peitsche führt. Nietzsche erkennt in ihr sein "Geschwistergehirn". Man diskutiert und arbeitet zusammen. Von Lou inspiriert, entwickelt Nietzsche seine Idee vom Übermenschen. Bevor er seinen "Zarathustra" zu Papier bringt, scheitert die Freundschaft, unter anderem durch Intrigen von seiner Schwester Elisabeth.

Ihre Erfahrungen mit Nietzsche verarbeitet Lou in ihrem ersten Buch "Im Kampf um Gott", das 1885 erscheint. Der Held trägt eindeutig die Züge des Philosophen. In keinem ihrer späteren Romane geht sie so ausführlich auf das Thema Sexualität ein und postuliert ihre These, dass die erotische Liebe den Frauen zum Verhängnis wird. Diesen Grundsatz wird sie auch in ihrer Ehe mit dem Orientalisten Friedrich Carl Andreas, den sie entgegen aller bisherigen Abneigung gegen den Ehestand 1887 heiratet, strikt befolgen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-02-09 17:34:00
Letzte Änderung am 2011-02-10 21:00:00

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