• vom 07.01.2011, 18:25 Uhr

Kultur

Update: 07.01.2011, 18:26 Uhr
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Der türkisch-islamische Dachverband Islamische Föderation lädt bis 9. Jänner zu einer Buchmesse in Wien

"Werden Wien kulturell erobern"


Von Linda Say

  • Zwischen Koran, Kemal Atatürk und Zionismus.
  • Eine Buchmesse mit Unterhaltung, Religion und politischer Rhetorik.
  • Wien. Sie sind hier aufgewachsen, sprechen meist besser Deutsch als Türkisch und sind oft nicht länger als einen Monat im Jahr zwecks Verwandtschaftsbesuchs in der Türkei. Dennoch sind die jungen Besucher dieser speziell auf türkisch-muslimische Themen zugeschnittenen Buchmesse in der Wiener Stadthalle über politische Ereignisse in der Türkei besser informiert als über die Politik hierzulande. Das dürfte weniger am Desinteresse der Jugendlichen als vielmehr am familiären Umfeld liegen.

Auch viele Jugendliche strömen zur Buchmesse, meistens mit ihren Familie. Foto: Stefan Beig

Auch viele Jugendliche strömen zur Buchmesse, meistens mit ihren Familie. Foto: Stefan Beig Auch viele Jugendliche strömen zur Buchmesse, meistens mit ihren Familie. Foto: Stefan Beig

"Bei uns läuft den ganzen Tag türkisches Fernsehen. Sogar die Wettervorhersage in der Türkei wird angeschaut. Was in Österreich passiert, erfahren wir nur über die türkischen Nachrichten", sagt Meryem, eine 16-jährige Schülerin, die wie viele Jugendliche ihre Eltern auf die Buchmesse begleitet. Die von der Islamischen Föderation organisierte Messe mit dem Titel "Auf dem Weg zum Gipfel des Buches" stellt hauptsächlich türkische Bücher über den Islam aus, einige davon auf Deutsch. Von Koransuren hinter Glasvitrinen bis hin zu Comic-Anleitungen zur korrekten Verrichtung des Gebets ist alles dabei.

Ein türkischer Verlag präsentiert viele Bestseller zur türkischen Geschichte und Politik, etwa Ansprachen des türkischen Staatsgründers Kemal Atatürk. Heiß begehrt ist das Buch "Pazarlik" (Deutsch: "Feilschen") von Vahdettin Engin, das vermeintliche Geheimdokumente offenlegt. Diese sollen bezeugen, dass der Begründer des modernen, politischen Zionismus Theodor Herzl und Sultan Abdülhamit II. um Jerusalem gefeilscht haben. "Die heilige Stadt wird am Ende von den reichen Juden gekauft", erklärt der Standbesitzer.

Er empfiehlt weiters das sehr erfolgreiche Buch "Bozkirin Sirri" ("Das Geheimnis der Steppe") von Ahmet Turgut aus der beliebten TV-Serie "Tal der Wölfe". Polat Alemdar, der Held der Serie, beschützt türkische Witwen und bekämpft den Mossad und die CIA. In einer Folge blättert er andächtig im besagten Buch Turguts. Für viele Fans ein Grund, es ihm gleichzutun.

Etliche Jugendliche stürmten zur Messe, als Ahmet Turgut Anfang dieser Woche höchstpersönlich auf Besuch war. Auch andere türkische Autoren und Entertainer wie der Jugendanimateur Hüseyin Goncagül treten auf. Sehr gut besucht ist die Rede des ehemaligen türkischen Justizministers Ismail Müftüoglu, allerdings vor allem von den älteren Besuchern. Müftüoglu gilt heute als Opinionleader in der Milli-Görüs-Bewegung, einer europaweit agierenden Organisation mit Hauptsitz in Kerpen. Die Islamische Föderation rechnet man zum österreichischen Verband der Bewegung, die in Deutschland der Verfassungsschutz beobachtet.

Polemik gegen Erdogan

Die meisten Jugendlichen haben sich zum Plausch zurückgezogen, als Müftüoglu das Podium betritt. Seine Rede wird durch "Allahu Akbar"-Rufe ("Gott ist der Größte") unterbrochen. Der Politiker und Buchautor geht mit dem türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und seiner Partei hart ins Gericht. Erdogan war einst ideologischer Ziehsohn des früheren Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan, der auch der Gründer der Milli Görüs-Bewegung und bist heute ihre Leitfigur ist. Erdogan hat anders als der mittlerweile 84-jährige Erbakan den Weg des "gemäßigten Islam" eingeschlagen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-01-07 18:25:50
Letzte Änderung am 2011-01-07 18:26:00

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