• Artikel vom 21.02.2012, 17:47 Uhr

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Update: 21.02.2012, 17:47 Uhr
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Hobby mit Zukunftssorgen: Die Philatelie hat in der Zeit von E-Mail und Twitter ein Nachwuchsproblem

Faszination der kleinen Bilder


Von Julia Rumplmayr
  • Die Briefmarke in Zeiten von E-Mail: Geschäft oder Kulturauftrag?

Die berühmteste Briefmarke der Welt ist wohl die "Blaue Mauritius" (Bildmitte), ihr Wert wird heute auf 3,76 Millionen Euro geschätzt. Mit Sondermarken setzt die Post etwa 20 Millionen Euro um, die Spannbreite reicht von Jubiläen (links: 50 Jahre Haus des Meeres) bis zu moderner Kunst (rechts: Nitsch-Schüttbild). Fotos:apa/Öst. Post AG

Die berühmteste Briefmarke der Welt ist wohl die "Blaue Mauritius" (Bildmitte), ihr Wert wird heute auf 3,76 Millionen Euro geschätzt. Mit Sondermarken setzt die Post etwa 20 Millionen Euro um...

Ob der Spruch tatsächlich jemals aphrodisierende Wirkung versprüht hat? "Möchtest Du noch mit hinaufkommen? Ich zeige dir meine Briefmarkensammlung" stammt jedenfalls aus einer Zeit, als man amouröse Avancen noch kompliziert und verschlüsselt verpacken musste und nicht einfach auf Facebook Tacheles reden konnte. Als in den Wohnungen der jungen Werber womöglich tatsächlich Alben mit feinsäuberlich eingeordneten Briefmarken auf bewundernde Blicke warteten - und das Sammeln der bunten Bilder eine weitverbreitete Freizeitbeschäftigung war.

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Wie steht es heute um den Briefmarkensammler? Über die Herkunft des Spruchs weiß Anton Tettinek nur wenig zu erzählen, er selbst hat ihn in seiner Jugend nie angewandt. Über seine Leidenschaft für Briefmarken erzählt der Sammler aber mit Begeisterung. Seine ersten Briefmarken bekam er von seinem Vater geschenkt, die kleinen bunten Bilder faszinierten ihn. Später mussten Tanten, Onkeln und die gesamte Verwandtschaft ihre Briefkuverts für die wachsende Sammlung abliefern. "Ich habe vor 60 Jahren mit dem Sammeln angefangen", sagt der heute 70-Jährige, der damit im typischen Alter der meisten aktiven Sammler ist.

"Die Altersstruktur der Philatelisten ist schlecht, der durchschnittliche Sammler ist zwischen 60 und 80 Jahre alt und männlich", sagt Tettinek, der als Präsident des Verbands Österreichischer Philatelievereine dem auch entgegenwirken will. In Schulen versucht man nun Kinder und junge Menschen für das Sammeln zu interessieren. 130.000 Mitglieder sind derzeit in den Vereinen des Philatelieverbands organisiert. Rund 200 Vereine gibt es bundesweit, dazu kommen etwa 100 Tauschstellen, die besonders im ländlichen Raum aktiv sind. Genau kann man die Zahl der Briefmarkensammler im Land aber nicht beziffern, da Sammler privat und nicht innerhalb eines Vereins ihrem Hobby nachgehen. "Viele wollen die Vereinsmeierei nicht", meint Tettinek.

Weltweites Hobby
Auch nicht jeder Sammler ist gleich ein Philatelist: "Ein Sammler sammelt Marken, steckt sie in sein Album und freut sich darüber. Ein Philatelist will etwas daraus machen. Er sammelt auch Briefe, interessiert sich dafür, wann und wo sie aufgegeben wurden." Die Philatelie gibt es so lange wie die Briefmarken selbst. Kurz, nachdem 1840 in Großbritannien mit der "One Penny Black" die erste Briefmarke der Welt auf den Markt kam, begann das große Sammeln.

"Freund von dem, was frei von Abgaben ist" ist die sperrige Übersetzung des Philatelisten, die sich über das griechische Wort "ateleia" für "Abgabenfreiheit" auf die freigemachte, gestempelte Briefmarke bezieht. Bald wurde aus den ersten Sammlern eine weltweite Freizeitbeschäftigung, 1860 erschienen die ersten Briefmarkenalben, in die die kleinen Bilder zunächst geklebt wurden. Später wurden sie dann mit Pinzetten in Hüllen eingeschlichtet. Als erster Philatelist der Welt gilt der Engländer John Edward Gray, der Briefmarken bewusst nicht zum Versenden von Briefen kaufte, sondern mit der Absicht, sie aufzubewahren. Im 19. Jahrhundert haben Philatelisten noch die verschiedensten Marken aus aller Welt gesammelt, erzählt Tettinek. Bald wurde eine Spezialisierung notwendig, immerhin kommen heute jährlich 10.000 Marken weltweit heraus.

Tettinek selbst sammelt Marken aus Österreich und hat sich auch auf Pfadfindermotive spezialisiert. Seine wertvollste Pfadfindermarke aus Südafrika hat einst 10.000 Schilling (circa 700 Euro) gekostet, viele Sammler geben für ihr Hobby gar hunderttausende Euro aus, erzählt Tettinek. "Da hätte ich Krieg mit meiner Frau." Außerdem liegt der Reiz beim Sammeln auch im Träumen von den Stücken, die man noch nicht besitzt: "Alles, was man hat, ist abgeschlossen. Was man nicht hat, ist viel interessanter."

Das berühmteste Beispiel unter den begehrten Marken ist die Blaue Mauritius, auch Nicht-Philatelisten kennen sie, wenn sie auch nicht die wertvollste oder seltenste Marke der Welt ist. Nachdem auf der ersten Serie "Post Office" und auf der zweiten "Post Paid" aufgedruckt war, entwickelten sich die "Post Office"-Motive zu begehrten Sammlerobjekten.

In Österreich gehören die sogenannten Merkur-Marken zu den wertvollsten, erzählt Tettinek. Mit ihnen wurden Zeitungen versendet, die Schleifen mit den Briefmarken dann achtlos weggeworfen. "Heute gibt es nur noch wenige, der Preis ist relativ hoch. Kürzlich wurde eine Merkur um 70.000 Euro ersteigert."

In Deutschland war es ein Motiv mit der rauchenden Audrey Hepburn, das nach Einspruch von Hepburns Sohn wieder vom Markt genommen wurde. Ein paar Marken waren allerdings schon im Umlauf, die Folge: hohe Preise. Den meisten Sammlern geht es jedoch gar nicht darum, die wertvollsten Marken im Album zu haben. "Am Anfang interessieren einen die Marken, weil sie schön sind, dann beschäftigt man sich mit dem Thema. Ein Markenalbum ist wie ein Geschichtebuch", sagt Tettinek. Und so sammelt jeder nach seinen Vorlieben, die einen die berühmten Sportler, andere Blumen, Eisenbahnbrücken oder Musiker.




Schlagwörter

Philatelie, Briefmarken

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-21 14:44:11
Letzte Änderung am 2012-02-21 17:47:38


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Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

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