• vom 08.04.2012, 15:05 Uhr

Kultur

Update: 08.04.2012, 15:08 Uhr
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Nach Israel-kritischem Gedicht

Israel verhängt Einreiseverbot für Günter Grass



  • Innenminister: Grass versucht, Hass gegen Israel zu schüren.
  • Westerwelle nennt Israel-Kritik von Grass realitätsfern.
  • Denkmal beschmiert.

Der Autor Günter Grass steht seit Tagen wegen seines israelkritischen Gedichts in der Kritik.

Der Autor Günter Grass steht seit Tagen wegen seines israelkritischen Gedichts in der Kritik.APAweb / Reuters/ Christian Charisius Der Autor Günter Grass steht seit Tagen wegen seines israelkritischen Gedichts in der Kritik.APAweb / Reuters/ Christian Charisius

Jerusalem/Berlin. Literaturnobelpreisträger Günter Grass darf nicht mehr nach Israel einreisen. Die Regierung in Jerusalem erklärte den 84-Jährigen wegen seines Israel-kritischen Gedichts am Sonntag zur "Persona non grata". Grass versuche "Hass gegen den Staat Israel und das israelische Volk zu schüren und somit Ideen zu verbreiten, denen er sichtbar verbunden war durch das Tragen der SS-Uniform", hieß es in einer Erklärung von Innenminister Eli Jischi zur Begründung.

Grass hat den jüdischen Staat in seinem Text wegen der Drohung mit einem Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm eine Gefahr für den Weltfrieden genannt und ist dafür in Deutschland parteiübergreifend und auch vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu angegriffen worden. Der Schriftsteller, der jahrzehntelang seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS verschwiegen hatte, warf seinen Gegnern daraufhin Intoleranz sowie "eine gewisse Gleichschaltung der Meinung" vor.

Grass beschwichtigt

Kritik der anderen Art: Der Sockel des vom Literaturnobelpreisträger Günter Grass gestifteten Denkmals am Uni-Campus in Göttingen wurde mit Graffiti beschmiert.

Kritik der anderen Art: Der Sockel des vom Literaturnobelpreisträger Günter Grass gestifteten Denkmals am Uni-Campus in Göttingen wurde mit Graffiti beschmiert.APAweb / Kritik der anderen Art: Der Sockel des vom Literaturnobelpreisträger Günter Grass gestifteten Denkmals am Uni-Campus in Göttingen wurde mit Graffiti beschmiert.APAweb /

Nach der massiven Kritik relativierte Grass inzwischen Formulierungen in seinem Israel-Gedicht. "Ja, ich würde den pauschalen Begriff 'Israel' vermeiden", antwortete Grass in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" auf die Frage, ob er den Text inzwischen anders schreiben würde. Zudem würde er nun deutlicher machen, dass er sich in erster Linie gegen die derzeitige israelische Regierung Netanjahu wende. "Die kritisiere ich: Eine Politik, die gegen jede UN-Resolution den Siedlungsbau fortsetzt. Ich kritisiere eine Politik, die Israel mehr und mehr Feinde schafft und das Land mehr und mehr isoliert." Netanjahu sei nach seiner Einschätzung der Mann, der Israel zurzeit am meisten schade, "und das hätte ich in das Gedicht noch hineinbringen sollen", sagte Grass.

Westerwelle: Israel und Iran gleichsetzen absurd

Netanjahu gehört zu den schärfsten Kritikern des Textes, in dem Grass Israel wegen eines drohenden Militärschlags gegen den Iran eine Gefahr für den Weltfrieden nennt. Der Ministerpräsident warf Grass vor, die Verhältnisse zu verdrehen. Nicht der jüdische Staat, sondern der Iran bedrohe mit seinem Atomprogramm den Weltfrieden. Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an Nuklearwaffen zu arbeiten. Die Regierung in Teheran hat dies zurückgewiesen. Zudem leugnet der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad  den Holocaust und hat dazu aufgerufen, Israel von der Landkarte auszulöschen.




Schlagwörter

Israel, Iran, Günter Grass

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-08 11:37:52
Letzte Änderung am 2012-04-08 15:08:25


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