München/Berlin. Der japanische Künstler Takashi Murakami (50) sieht sein Land nach der Erdbeben- und Atomkatastrophe im März 2011 schwer traumatisiert. "Nach wie vor ist der Osten besonders gefährdet. Fast jeder hat dort einen Geigerzähler, um die Strahlenbelastung täglich messen zu können", sagte der für seine Manga-Pop-Art bekannte Künstler dem "Süddeutsche Zeitung Magazin". "Wir alle essen und trinken verseuchte Lebensmittel. Unser Volk ist so müde, wir haben eigentlich aufgegeben... Es ist die schlimmste Lage seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs."
Murakami erläuterte außerdem seine "Superflat"-Theorie über Japan: "Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wurden die sozialen Hierarchien in unserem Land flacher, doch nur scheinbar. Das politische System ähnelte einer Demokratie, aber es war keine. Stattdessen standen die Menschen unter ständiger Beobachtung, alles war Schwindel." Vor allem kenne Japan "keine Diskussionen über eine moralische Haltung gegenüber der Vergangenheit", meint Murakami.
Er glaubt, dass Japan seine Mentalität ändern müsse. "Unsere Neigung, der Verantwortung auszuweichen, ist es, die uns extrem schädigt. Diese Entscheidungsschwäche... Ihr in Deutschland habt das besser gelöst. Ihr steht zu eurer Schuld im Zweiten Weltkrieg und setzt euch damit beständig auseinander," meint der Künstler.
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