
New York City. Im Mittleren Westen gehen bald die Lichter aus, und jedem scheint es wurscht zu sein. Im kommenden Jahr werden das Generalkonsulat der Republik Österreich in Chicago und das ihm angeschlossene kleine Kulturforum ihre Pforten schließen, und weder die Betroffenen noch die dafür Verantwortlichen glauben ernsthaft daran, dass sie je wieder eröffnet werden. Die Heimatstadt von US-Präsident Barack Obama, in der bis heute die meisten österreichisch-stämmigen Menschen in Amerika leben (rund 40.000), muss in Zukunft ohne diplomatische Vertretung auskommen; wer persönlich etwas braucht, muss künftig an die verbliebenen Standorte an der Ost- (Washington D.C, New York) oder Westküste (Los Angeles) reisen. Auch vor diesem Hintergrund finden dieser Tage anlässlich eines besonderen runden Jubiläums rund 1200 Kilometer weiter östlich Feierlichkeiten statt, im Rahmen derer wieder einmal zahlreiche Politiker und Diplomaten die Wichtigkeit des Kulturaustausches in Zeiten der fortschreitenden Globalisierung betonen werden. Und im Publikum werden viele sitzen, die ihnen das glauben werden.
Bereits 1942 gegründet
Am Mittwoch ist es auf den Tag genau zehn Jahre her, dass das Österreichische Kulturforum New York (ACFNY) seine Eröffnung feierte, es war genau genommen eine Wiedereröffnung. 1942 von vor den Nazis geflüchteten Emigranten als Österreichisches Kulturinstitut gegründet, zog es 21 Jahre später an seine heutige Adresse in Midtown Manhattan (11 East 52nd Street, zwischen 5th und Madison Avenue) und diente ab diesem Zeitpunkt als offizielle Kulturrepräsentationsstätte der Republik. Anfang der 90er wurde vom Parlament der Neubau beschlossen, aus einem Architekturwettbewerb ging der Entwurf Raimund Abrahams (1933-2010) als Sieger hervor; heute gilt das ACFNY als "Leuchtturm unter den österreichischen Auslandskulturvertretungen" (Außenminister Michael Spindelegger).
Unter seinem neuen Namen hatte es bisher zwei verdiente Direktoren, auf den Juristen Christoph Thun-Hohenstein (heute Chef des Wiener Museums für Angewandte Kunst) folgte 2007 der Politikwissenschafter Andreas Stadler, zuvor unter anderem Chef des Kulturforums in Warschau und stellvertretender Botschafter in Zagreb. Letzterer kann sich brüsten, das Haus in einer Stadt, in der öffentliche Aufmerksamkeit als harte Währung gehandelt wird, zur kleinen, aber feinen Bank gemacht zu haben. Die "New York Times" rezensiert regelmäßig die Veranstaltungen des ACFNY, alle anderen relevanten Medien der Kulturmetropole ziehen nach, angesichts der Konkurrenz alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
200 Events pro Jahr
Das Jubiläum wird standesgemäß begangen, zu den sonst schon rund 200 Events pro Jahr (Konzerte, Ausstellungen, Filmvorführungen, Lesungen, Diskussionen) kommen noch ein paar dazu, die elf fixen Mitarbeiter und ihre zahlreichen Praktikanten haben gut zu tun. Was Stadler nicht sagt (oder sagen will, selbst über das aktuelle Budget schweigt er sich aus - "Ich kann dazu nichts sagen, bitte sich an Wien zu wenden"), ist, dass seine wie die Arbeit seiner Mitarbeiter seit seinem Amtsantritt kontinuierlich schwieriger geworden ist. Er spricht lieber über die Erfolge des Hauses, das "schließlich nicht nur um sich selber kreist, sondern auch informelle, nachhaltige Netzwerke schafft". Aktuelles Beispiel: Dass etwa heute für den seit zwei Jahren verwaisten Lehrstuhl für Komposition an der renommierten Columbia University zwei Österreicher in der Endausscheidung stehen würden - namentlich Georg Friedrich Haas und Olga Neuwirth -, sei laut Stadler "auch darauf zurückzuführen, dass wir mitgeholfen haben, dass sich diese außerordentlichen Künstler in New York einen Namen gemacht haben, indem wir als Erste ihre Stücke aufgeführt haben".
Zweifellos herausragende, aber nichtsdestoweniger punktuelle Ereignisse. Tatsächlich sind es keine guten Zeiten für die heimischen Kulturvertretungen im Ausland im Allgemeinen und für die in den Vereinigten Staaten im Besonderen. So wurde etwa die Ausschreibung des Preises für Übersetzungen österreichischer Literatur ins amerikanische Englisch - angesichts der ungleich größeren finanziellen wie politischen Feuerkraft der deutschen Kulturbotschaften in den USA essenziell für die Wahrnehmung Österreichs als eigenständiger Kulturnation - heuer mangels Geld suspendiert; um Quantität wie Qualität des Programms einigermaßen aufrechterhalten zu können, gehören mittlerweile die Vermietung der ACFNY-Räumlichkeiten an Drittparteien sowie unregelmäßig abgehaltene Fundraising Events unter der Schirmherrschaft (und der Teilnahme) des Bundespräsidenten zum Normalbetrieb. Mit anderen Worten: Die Republik pumpt private Gönner an, weil sich die Politik dem Steuerzahler nicht (mehr) zu erklären traut, warum die Arbeit solcher Institutionen sinnvoll ist. Zu groß ist unter den heimischen Diplomaten in Amerika - egal, bei welcher Niederlassung sie ihre Arbeit verrichten - die Angst, es sich mittels offener Kritik im Ministerium zu verscherzen. Neu ist diese Diskussion auch nicht wirklich - was sie deshalb nicht weniger notwendig macht.
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