• vom 25.04.2012, 16:08 Uhr

Kultur

Update: 25.04.2012, 18:27 Uhr
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"Ist eh schon wurscht"


Von Theresa Sophie Breitsching

  • Autorin Livia Klingl präsentiert ihre "Krisenstrategie" zur Bewältigung des Alltags.

Wien. Die Lebensmittel werden immer teurer, die Angst um den Arbeitsplatz wächst und die Krisenstimmung ist Hauptthema in den Wirtschaftsressorts. Kein Wunder also, dass die Buchpräsentation von Livia Klingls Ratgeber "Die Kunst vollkommener Gelassenheit" mit dem Untertitel "Mit der Jacke-wie-Hose-Strategie durch die Krise" am Dienstag gut besucht war.

"Der Begriff der Zukunft hat sich verändert", meint der grüne Ex-EU-Mandatar Johannes Voggenhuber in der Diskussion. Während die Zukunft vor Jahren noch neugierig gemacht habe, werde sie heute von vielen Menschen als eine Art "Nebelbank" betrachtet. Beklommenheit und eine "Vorgewitterstimmung" herrschten in Gesamteuropa. Dieses drifte längst aus dem Zentrum der Welt in die Peripherie ab, auch wenn man dies nicht wahrhaben wolle. Alte Wertesysteme würden wackeln; traditionelle Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit, Gleichheit müssten sich nun beweisen.

Der Mensch wird zum Kostenfaktor
"Die Börse reagiert ,nervös‘, Banken werden ,Stresstests‘ unterzogen und der Mensch wurde zum ,Kostenfaktor‘. Die Werte haben sich umgedreht", meint auch Livia Klingl. Folgt man ihrem Rat, sollte man sich aber besser nicht darüber ärgern, denn schließlich "ist es eh wurscht". Und Angst haben solle man auch keine, denn "wer sich zu Tode fürchtet, lebt gerade nicht". "Lösungen bei den EU-Krisengipfeln werden traditionell gegen drei Uhr gefunden", kritisiert Klingl. Um diese Zeit sei der Gewinner nicht jener mit der "sinnvollsten Idee, sondern mit der besten Kondition". Ein Normalbürger würde zu dieser Zeit nicht einmal einen Handyvertrag abschließen: "Versuchen Sie nicht, aus Worthülsen übernächtiger Politiker Sinnvolles herauszufiltern."

Kritik wird auch an den Medien geübt, die "in der Berichterstattung versagen", so Peter Rabl, ehemaliger Chefredakteur des "Kurier". Sie beschäftigten sich zu wenig aufklärend mit Europa und der Krise. Die Wahrheit sei, dass nicht den Griechen per se geholfen wird, sondern "westeuropäische und auch griechische Banken gerettet werden, während die Griechen zu einem Sparkurs gezwungen werden". Und auch in der Darstellung dessen, was in Griechenland geschieht, versagten die Medien. Immerhin habe man "Jahrzehnte über seine Verhältnisse gelebt". Rabl meint, dass sich "die Ökonomisierung der Medien verändert hat". So seien heute Renditeerwartungen wichtig geworden. Gibt der Markt nicht genug Geld her, wird bei den Redaktionen gespart. Dies wirke auf die Qualität.

Klingl warnt auch vor den überspitzten, medialen Untergangsszenarien, denn: Was soll man als Normalo dagegen ausrichten? "Verschwenden Sie nicht Ihre gesamte Verzweiflung, Sie werden sie noch brauchen." Mit einer Prise Zynismus und Galgenhumor deckt Klingl in ihrem Buch Missstände in Wirtschaft, Politik und Medien auf. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung wird man vergeblich suchen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-25 17:17:02
Letzte Änderung am 2012-04-25 18:27:53


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