• vom 08.05.2012, 16:45 Uhr

Kultur

Update: 08.05.2012, 17:24 Uhr
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Der Arzt und Schriftsteller Peter Berczeller über das Schreiben, Emigration und den Versuch einer Rückkehr

"Es ist doch meine Heimat"


Von Christof Habres

  • "Fahrt ins Blaue", das Buch seines Vaters, bringt Berczeller nach Österreich zurück.

Vater Richard und Sohn Peter Berczeller, zwei Leben zwischen Flucht und Neuanfang. Peter Berczeller

Vater Richard und Sohn Peter Berczeller, zwei Leben zwischen Flucht und Neuanfang. Peter Berczeller

Wien. Die Wohnung im dritten Bezirk hat er vor kurzem gemietet, längerfristig. Denn der 1931 in Wien geborene und bis 1938 im burgenländischen Mattersburg lebende Peter Berczeller möchte nicht mehr nur für Besuche von Freunden oder etwaige Buchpräsentationen nach Wien kommen, wie dieser Tage, wenn er das erstmals auf Deutsch erschienene Buch seines Vaters Richard, "Fahrt ins Blaue" vorstellen wird, sondern er hat geplant, zukünftig mehrere Monate im Jahr hier zu verbringen.

"Ich habe bis jetzt noch nicht wirklich in dem Land gelebt, in dem ich geboren wurde", erklärt Berczeller im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Ich denke, ich bin jetzt soweit, zurückkommen zu können. Ich hatte immer eine enge Beziehung zu diesem Land und nie Rachegefühle, auch wenn meine Familie 1938 von den Nazis rücksichtslos vertrieben wurde!"

Sein Vater Richard Berczeller war ebenfalls Mediziner und sehr engagiert in der österreichischen Arbeiterbewegung der Zwischenkriegszeit. In den 1930er Jahren arbeitete er als Arzt in der burgenländischen Gemeinde Mattersburg und war aufgrund seines sozialen Engagements ein sehr angesehener Bürger der Stadt. Doch das änderte sich von einem Tag auf den anderen. Schon am Tag des Anschlusses wurde er verhaftet und schließlich gezwungen, Mattersburg so schnell wie möglich zu verlassen. Die Wohnung der Berczellers wurde sofort akquiriert und die Einrichtung geplündert. Peter Berczeller beschreibt diese Situation so: "Die Nazis damals - im Jahr 1938 in Österreich - waren einfach Diebe, die den Juden alles gestohlen haben. Die Ideologie ist erst später in ihr Bewusstsein gedrungen." Der Familie gelang die Flucht in die Vereinigten Staaten, wo Richard Berczeller nicht nur erfolgreich als Arzt praktizierte, sondern auch mit seiner schriftstellerischen Arbeit, seinen Artikeln für den "New Yorker" und seinen Büchern, internationale Bekanntheit erlangte. "Wir hatten 1938 Glück im Unglück! Da die Vertreibung der Juden aus dem Burgenland mit einer ungeheuren Vehemenz und Rasanz betrieben wurde, waren noch viele Fluchtwege offen. Einige Zeit später waren diese Wege für die meisten nachfolgenden Flüchtlinge jedoch schon verschlossen und sie waren in einer tödlichen Falle gefangen", erzählt Peter Berczeller.

Peter Berczeller bei der Buchpräsentation.

Peter Berczeller bei der Buchpräsentation. Peter Berczeller bei der Buchpräsentation.

Nach dem Krieg war sein Vater Richard einer der wenigen Juden, die von offizieller Seite eingeladen wurden, nach Österreich zurückzukehren. Er wollte aber nicht mehr zurück. Und wenn, dann nur mehr um Familie, Freunde und Bezugsorte zu besuchen. In den Büchern "Verweht" oder "Die sieben Leben des Doktor B." schildert Richard Berczeller sehr eindrücklich sein Leben, die Flucht und den Wiederaufbau in den USA. Nun wurden erstmals Richard Berczellers kurzweilige Geschichten aus dem "New Yorker" auf Deutsch publiziert.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-08 16:50:07
Letzte Änderung am 2012-05-08 17:24:54


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