"Wiener Zeitung":Ihr jüngstes Buch trägt den Titel: "Liebe wird oft überbewertet".MeinenSie das ernst?
Christiane Rösinger: Natürlich. Das heißt ja nicht, dass Liebe abgeschafft gehört, sondern ich will lediglich darauf hinweisen, dass dieses ganze Gedöns um die Liebe ein bisschen zu viel ist. Die romantische Zweierbeziehung muss im Leben eines Menschen nicht das Wichtigste sein, es gibt anderes. Erstaunlicherweise kommt dieser Gedanke vielen bereits äußerst revolutionär vor.
Angenommen, Sie könnten im weiten Feld der Liebe etwas fundamental verändern - was wäre das?
Es wäre toll, wenn wir - zumindest in den pluralistischen westlichen Gesellschaften - dahin kommen könnten, dass es schlichtweg egal wäre, wie jemand lebt. Die einen sind verheiratet, die anderen leben unverheiratet zusammen. Wieder andere leben allein oder unterhalten Beziehungen zu mehr als einer Person - und alles wäre gleich viel wert. Wenn wir als Gesellschaft zu dieser Einsicht gelangten und die Zweierbeziehung damit ihren Norm- und Pflichtcharakter verlöre, wenn ich das per Gesetz verordnen könnte - würde ich es sofort tun.
Warum verlaufen die Begegnungen zwischen Männern und Frauen bisweilen so schwierig?
Miteinander ein Leben zu teilen, das war wohl schon immer schwierig. Allerdings waren die Frauen früher finanziell viel abhängiger, und es blieb ihnen einfach keine andere Wahl, als ihre Bedürfnisse hintanzustellen und sich anzupassen. Noch in den 70er Jahren brauchten Frauen in Deutschland beispielsweise die Erlaubnis ihres Mannes, um ein eigenes Konto eröffnen zu können. Zum Glück hat sich mittlerweile die ökonomische Balance verändert - zumindest in den westlichen Staaten. Frauen und Männer müssen nicht mehr auf Gedeih und Verderb zusammenbleiben.
In Hollywood-Filmen und TV-Serien werden Singles häufig stereotyp dargestellt: Männer als Abenteurer und Helden - James Bond, Magnum, Mike Hammer. Frauen hingegen, die ohne Partner leben, sind stets auf Männersuche - siehe Ally McBeal, Bridget Jones, Carrie Bradshaw.
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