
Wien. Folgt man den Medienberichten, so wäre Favoriten absolutes No-Go Gebiet, voll von Kriminalität, Verkehrsunfällen, Hasspredigern und FPÖ-Stammtischen, die sich über Ausländerwohnheime echauffieren. Folgt man aber einfach seiner Neugier, so ist Favoriten ein unglaublich bunter, aufregender, schnelllebiger und spannender Ort. Der Stadtteil wäre nach Wien, Linz und Graz die einwohnerreichste "Stadt" Österreichs. Der traditionelle Arbeiterbezirk ist schon seit jeher, als noch im 19. Jahrhundert die "Ziegelböhmen" kamen, ein Schmelztiegel der Nationen - und gilt doch nach wie vor als kulturelle Peripherie.
Genau deshalb ist Favoriten interessant für Wolfgang Schlag, den künstlerischen Leiter von "Into The City", einem Ableger der Wiener Festwochen, mit dem das Festival seit 2006 in den Randbezirken Wiens aktiv ist. "Dort spielt sich das wahre Leben ab. Nicht im achten oder im ersten Bezirk. Es ist viel spannender in Favoriten, Floridsdorf oder Meidling Kulturarbeit zu leisten. Diese Bezirke bilden die Realität einer Stadt ab."
In einer großen alten Backsteinfabrik in der Quellenstraße hat "Into The City" heuer erstmalig ein Festivalzentrum eingerichtet. Dort werden Projekte koordiniert, Workshops organisiert, Filme gezeigt sowie Konzerte gegeben. Alles gratis versteht sich - denn es soll, so die Idee von "Into The City", ein Publikum erreicht werden, das sonst von den Festwochen wenig mitbekommt.
Das funktioniert in Favoriten nur bedingt. Bei der Eröffnung war das Festivalzentrum zwar noch rappelvoll, doch seitdem lassen sich nur sporadisch Besucher blicken. Auch die Konzerte und DJ-Abende - von Oriental, Hip Hop bis zu Balkan reicht das Spektrum - sind eher spärlich besucht. Zu wenig Werbung wurde offensichtlich gemacht - weder aus der Innenstadt, noch aus der Umgebung kommen Leute.
Dabei gäbe es gerade für Gäste, die nicht aus dem Viertel sind, überaus Interessantes anzuschaun. Entlang des "Post It!"-Parcours kann sich der Besucher an verschiedenen Stationen rund um die Quellenstraße künstlerische Arbeiten zu Gemüte führen, die sich mit dem jeweiligen Ort auseinandersetzen. Das Konzept ist nicht neu, erklärt Koordinator Michael Hieslmaier, sondern "mittlerweile ein eigenes Genre - eine Mischung aus Bürgerjournalismus und interventionistischer Kunst." Es sollen punktuell überraschende kleine Akzente gesetzt werden, über die der Stadtbetrachter manchmal erst drüberstolpern müsse.
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