Norbert Tschulik, ehemaliger Kulturchef der "Wiener Zeitung" und einer der wichtigsten österreichischen Musikkritiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist am 4. Juni im Alter von 85 Jahren gestorben.
Der am 13. Jänner 1927 in Wien geborene Tschulik promovierte 1949 an der Universität Wien zum Dr. phil. (Musikwissenschaft und Germanistik). 1955 wurde er Kulturredakteur der "Wiener Zeitung", für die er auch nach seiner Pensionierung 1992 als Kolumnist tätig war. 1973 erhielt Tschulik einen ersten Lehrauftrag an der Wiener Universität zu Thema Musikkritik, 1980 erfolgte die Habilitation am Institut für Theaterwissenschaft an der Universität Wien, Fachgebiet: Operngeschichte.
Einsatz für Neue Musik
Tschuliks zentrale Interessen galten Richard Wagner und Gustav Mahler. Unermüdlich setzte er sich für den österreichischen Nachromantiker Franz Schmidt ein, über den er auch eine Biografie verfasste. Nicht minder interessierte er sich für das Opernschaffen der Gegenwart.
Tschulik gehörte zu jenen Kritikern, die es vorzogen zu argumentieren und zu erklären, statt in vermeintlicher stilistischer Brillanz zu schwelgen. Sein Tonfall war, auch im persönlichen Umgang, stets der ruhiger Noblesse. Das Regietheater hatte in ihm einen kenntnisreichen Gegner, aber keinen Feind, denn Gelungenes wusste Tschulik durchaus anzuerkennen, wie die prinzipielle Verurteilung ebenso wenig seine Sache war wie die prinzipielle Befürwortung.
Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören, neben der Schmidt-Biografie, die Bände "Musiktheater in Deutschland" und "Musiktheater in Österreich", beides Standardwerke über die Oper des 20. Jahrhunderts.
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