Bregenz. Vielleicht war es das Motto, das Heinz Fischer verwirrte. "Erinnerungen an die Zukunft" schreiben sich die Bregenzer Festspiele heuer auf die Fahne. Eine Zeitkonfusion, die sich am Mittwoch auch in die Rede des Bundespräsidenten schlich: "Die Bregenzer Festspiele 2011 sind eröffnet", sprach er, stutzte ob des aufkommenden Gemurmels im Festspielhaus - und zog sich sympathisch aus der Affäre: Wenigstens habe er nicht den Fauxpas seiner zweiten Bregenz-Visite wiederholt, als er unabsichtlich die Salzburger Festspiele eröffnete.
Ja, die Zeit ist ein sonderbar Ding; man spürt es in Bregenz nicht nur an einem Motto, das eine Art Rätselsynthese der zentralen Festspielopern ist, also der Wiederaufnahme des Verismo-Werks "André Chénier" (Seebühne) und der Science-Fiction-Uraufführung "Solaris" (Festspielhaus). Auch organisatorisch ist das Festival in ein Zwielicht aus Vergangenheit und Zukunft gehüllt. Am Dienstag hat man - nach jahrelangen Wirren - Elisabeth Sobotka zur Intendantin ab 2015 erkoren; jüngst folgte Hans-Peter Metzler auf den langjährigen Festspielpräsidenten Günter Rhomberg. Letzterem zollte Fischer nun - in Abwesenheit - Respekt. Was wird neu? In seiner Debütrede würdigte Metzler die Bedeutung seriösen Wirtschaftens. Der Rest war eine Rhetorik trüben Ungefährs: "Wir wissen auch, wohin wir gehen wollen. Und wie. Wohlüberlegt. Und doch bleibt jeder Aufbruch spannend. Und der Weg selbst immer voller Überraschungen." Auf Konkreteres muss man womöglich bis zur ersten Programmpräsentation Sobotkas warten.
"Unruhe stiften"
Bis dahin hat Langzeit-Intendant David Pountney das Heft in der Hand. Im Rahmen der (wie üblich kostprobenintensiven) Eröffnung ließ er Klänge aus Detlev Glanerts "Solaris" nicht zu kurz kommen - dem zweiten Werk jenes dreijährigen Uraufführungszyklus, mit dem Pountneys Ära allmählich ausklingt. Aus der Romanvorlage "Solaris" zitierte wiederum Claudia Schmied: "Wir brauchen keine anderen Welten, wir brauchen Spiegel." Zwar sprach Stanisław Lem da eigentlich von der menschlichen Unfähigkeit, Menschenfremdes zu verstehen. Dass Schmied stattdessen an Rollenmodelle für ein verantwortungsvolles Handeln denkt, ist aber ein erbaulicher Appell. Nicht zum ersten Mal widmete sich die Unterrichts- und Kulturministerin einem Leibthema: der emanzipativen Kraft, die aus künstlerischer Auseinandersetzung mit der Gesellschaft erwachse. Wobei Schmied durchaus einer "unruhestiftenden" Kunst das Wort redet. Freilich: Den Bregenzern selbst will man dies nach unrunden Jahren eher nicht wünschen. Sondern einen sonnigeren, sprich: ertragreicheren Seebühnensommer als 2011.
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