Wien. Was trug die modebewusste Frau in der Altsteinzeit? Die Vorstellung vom Steinzeitmenschen à la Fred Feuerstein in formlosen Fellen und Knochen im Haar ist schlicht falsch. Diesem Irrtum sowie vielen anderen wollten Karina Grömer und Helga Rösel-Mautendorfer vom Naturhistorischen Museum Wien (NHM) entgegenwirken: Am "Laufsteg in die Vergangenheit" präsentierten Laienmodels Samstag Abend im Museumsquartier Wien originalgetreue Kleidung von der Urgeschichte bis hin zur Neuzeit.
Statt Fetzen konnte man bei der Familie der Altsteinzeit bereits ausgereifte Fell- und Lederkleidung bewundern, der Mann war häufig mit einer Speerschleuder ausgestattet. Die Originalfunde nach denen die Modelle angefertigt wurden, kann man auch im NHM begutachten. Im Lauf der Jahrtausende änderte sich modetechnisch aber dann doch noch so einiges. In der Jungsteinzeit entdeckte man das Spinnen und Weben von Stoffen sowie den Kupferschmuck. Hosen für Männer gab es noch keine, gängig war der Rock für beide Geschlechter.
Farben in den Eisenzeit
Die Eisenzeit dominierten erstmals Farben, lange Gewänder und Schleier sowie "Schlumpfhauben" für die Männer. Um das Jahr 0 feierte die Hose in der frühkeltischen Mode ihren Durchbruch, nur um dann von den Römern gleich wieder gegen Toga und Tunika getauscht zu werden. Die Vorlagen für die Kostüme stammen etwa aus Funden in Hallstatt, aber auch aus Beschreibungen, Reliefs oder Buchmalereien. In der Neuzeit konnten die Rekonstrukteure dann bereits auf Gemälde und die ersten Modejournale zurückgreifen. Dabei sei jedes Kostüm der Schau handgemacht, erzählte Rösel-Mautendorfer im Gespräch mit der APA, oft auch von den begeisterten Darstellern selbst. Für das Mittelalter steuerte eines der Models etwa ein selbst gefertigtes Kettenhemd bei.
Rüstungen und "Teufelsfenster"
"Oft hat bei der Mode die Epocheneinteilung der Historiker gar nichts mit der Realität der Menschen zu tun", so Grömer. Rüstungen und Rittertum gab es zum Beispiel ab etwa 1000 n. Chr. Bei den Frauen setzte sich hier langsam die Taille betonende Kleidung durch - ein Skandal. Ärmelausschnitte, bei denen man das Untergewand sehen konnte, wurden von der Kirche als "Teufelsfenster" verdammt. Die Länge der Schuhspitzen zeigte hingegen den sozialen Status. Gegen Ende des Mittelalters wurden die Ärmel lang und die Kopfbedeckungen immer pompöser.
In der Neuzeit machten Mieder und unzählige Unterröcke An- und Ausziehen vor allem für Frauen zu einer Wissenschaft. Am englischen Hof sorgte das unbedeckte Dekolleté für Aufsehen. Im Barock und Rokoko ging es mit Reifröcken und engen Miedern ebenfalls figurbetont zu: Allerdings brachte man mit Pölstern unter dem Kleid, dem so genannten "Weiberspeck", die Rundungen in die gewünschte Form. In historischen Modefragen sollte man sich jedoch keinesfalls auf Filme und Serien wie etwa "Gladiator" oder "Die Tudors" verlassen, erklärte Grömer: "In Filmen wird die Mode oft dem heutigen Zeitgeschmack angepasst. Da geht es vor allem darum, dass Frauen sexy aussehen."
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