Washington.

Beginnend vor 9.500 Jahren habe sich die Ursprache von dort über weite Teile der Welt ausgebreitet, berichtet ein internationales Forscherteam in "Science". Verantwortlich dafür sei vor allem die Entstehung und Ausbreitung der Landwirtschaft gewesen.
Die indoeuropäische Sprachfamilie ist die am weitesten verbreitete der Welt. Zu ihr gehören unter anderem die romanischen Sprachen, wie Französisch und Spanisch, sowie die germanischen Sprachen, wie Englisch und Deutsch.
Zum Ursprung der indoeuropäischen Sprachen diskutieren Fachleute vor allem zwei Hypothesen: Der Steppen-Hypothese zufolge entwickelte sich die Grundsprache nördlich des kaspischen Meeres in der russischen Steppe. Von dort breitete sie sich demnach mit halbnomadisch lebenden Viehhaltern der Kurgankultur vor 5.000 bis 6.000 Jahren Richtung Europa und in den Nahen Osten aus.
Die Forscher um Remco Bouckaert von der University of Auckland in Neuseeland fanden in ihrer Studie jedoch eher Belege für die Anatolien-Hypothese. Derzufolge breiteten sich die Sprachen von Anatolien aus vor 9.500 bis 8.000 Jahren zusammen mit der Landwirtschaft und einer bäuerlichen Lebensweise aus.
Die Wissenschafter hatten für ihre Untersuchung ein Verfahren angewendet, das in der Genetik genutzt wird, um die Verwandtschaftsverhältnisse bei Arten zu untersuchen. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Erbgut herangezogen, um beispielsweise die Entwicklung einer Art zu verfolgen.
Verfahren aus der Genetik
Bouckaert und Kollegen betrachteten nun anstelle des Erbgutes verschiedene Wörter aus 103 gegenwärtigen und vergangenen Sprachen, die einen gemeinsamen Ursprung besitzen, zum Beispiel das Wort Mutter. Mutter heißt im Englischen "mother", im Spanischen "madre" oder im Persischen "madar". Fachleute nennen solche Wörter, die sich aus einem Ursprungswort entwickelt haben, Kognate. Die Wissenschafter verfolgten nun mit Hilfe eines statistischen Verfahrens die Entwicklung der Kognate und damit die Evolution der Sprache über die Zeit. Sie stellten eine Art Stammbaum auf und brachten die Angaben mit dem heutigen Verbreitungsgebiet der jeweiligen Sprache zusammen. So stießen sie auf Anatolien als den wahrscheinlichen Ursprungsort der indogermanischen Sprachen.
Vor 4.000 bis 6.000 Jahren spalteten sich die einzelnen Unterfamilien des Indogermanischen ab, also etwa die Stammsprachen des Keltischen, Germanischen oder Indoiranischen. Einzelne Sprachen innerhalb der Unterfamilien entwickelten sich dann vor etwa 4.500 bis vor 2.000 Jahren, also etwa das Deutsche innerhalb der Germanischen Sprachen. Die Forscher betonen, dass die Landwirtschaft eine maßgebliche Rolle für die Entwicklung der globalen Sprachvielfalt gespielt habe. Sie sei aber nicht der einzige Motor der Sprachentwicklung gewesen. Untersuchungen zur Entwicklung einer Sprache gäben wichtige Einblicke in die kulturelle Geschichte ihrer Sprecher.
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