• vom 27.12.2012, 16:40 Uhr

Kultur


Jüdischer Witz

Salzig, aber dennoch ein Kuss




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Peter Stiegnitz

  • Die gravierenden Unterschiede zwischen dem antisemitischen Witz und dem jüdischen Witz
  • Der jüdische Witz zwischen Selbstironie und Nicht-Humor.

Paul Morgan war ein Exponent des jüdischen Humors. Der Kabarettist, Schauspieler und Librettist ("Axel an der Himmelstür" für Ralph Benatzky), der in mehr als 70 Filmen mitgespielt hatte, starb 1938 im KZ Buchenwald - nach offizieller Version an Lungenentzündung.

Paul Morgan war ein Exponent des jüdischen Humors. Der Kabarettist, Schauspieler und Librettist ("Axel an der Himmelstür" für Ralph Benatzky), der in mehr als 70 Filmen mitgespielt hatte, starb 1938 im KZ Buchenwald - nach offizieller Version an Lungenentzündung.© wikipedia Paul Morgan war ein Exponent des jüdischen Humors. Der Kabarettist, Schauspieler und Librettist ("Axel an der Himmelstür" für Ralph Benatzky), der in mehr als 70 Filmen mitgespielt hatte, starb 1938 im KZ Buchenwald - nach offizieller Version an Lungenentzündung.© wikipedia

Auch in Wien, wo der unterschwellige Antisemitismus mancher Oberschicht und der oberschwellige mancher Unterschicht immer schon zu Hause war, kursieren immer noch sogenannte "Judenwitze", die in der Regel lediglich geistlos beleidigend sind. Von den gröbsten solcher Pseudowitze ("Wie viel Asche vergaster Juden passt in eine Pfeife . . . ?") bis zu den ungeschickt jiddelnden Witzchen ("Sagt der Kohn zum Griien . . .") erstreckt sich die farblose Palette der "Judenwitze".


Anders, ganz anders die jüdischen Witze, die nahezu ohne Ausnahme von ideenreichen Juden sozusagen erfunden und dann von vielen anderen, auch Nichtjuden, umgemodelt wurden. Selbstironie heißt der Hauptbestandteil aller dieser Witze. Die harmlosen dieser Selbstpersiflage stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

So auch die bezeichnenden Späße des Kleinkunstkomödianten Armin Berg, der als Hermann Weinberger aus der Brünner Gegend stammte: "Es gibt fünfhundert Millionen Chinesen auf der Welt und nur fünfzehn Millionen Juden. Ich frage Sie: Wieso sieht man in Ischl keinen einzigen Chinesen?" (Georg Markus: "Wenn man trotzdem lacht", Wien 2012).

Heute bereits weniger bekannt als Berg war sein Kollege Paul Morgan, der als Paul Morgenstern als Sohn eines Hof- und Gerichtsadvokaten auf die Welt kam, der gerne gegen seine Schreibzunft zu Felde zog: "Es gibt Schriftsteller, die ab und zu schreiben, also nicht bloß ab." Und dann geistreicher und zutreffender: "Manche Dichterwerke werden noch gelesen, wenn Goethe und Schiller längst vergessen sind. Aber auch nicht früher."

Die Ehrlichkeit des jüdischen Witzes
Der junge Wiener Historiker Marcus G. Patka, Kurator des Wiener Jüdischen Museums, beschäftigte sich ausführlich mit Witz und Humor der Juden (Markus G. Patka: "Wege des Lachens - Jüdischer Witz und Humor aus Österreich", Weitra 2011). Witze, vor allem die guten jüdischen, sind ehrlich. Darauf wies auch der Herausgeber der Reihe, wo Patkas Buch erschien, Hubert Christian Ehalt, in seinem Vorwort hin: "Die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit hat überall dort, wo ihr das enge Korsett einer dogmatischen Weltsicht abgenommen wurde, die Möglichkeit, die Repräsentanten von Herrschaft nackt zu sehen."

Genau an diese "Nacktheit", wenn auch im übertragenen Sinne, dachte Patka, als er sich auf die Suche nach den gemeinsamen Wurzeln des jüdischen Witzes und des jüdischen Humors machte. Wie nicht anders zu erwarten, fand Patka den gemeinsamen Ursprung im Glauben und in der Tradition. Auch auf die dritte Quelle, auf die politische, vergaß er nicht, die er - gleichfalls völlig zu Recht - als "Waffe gegen den Antisemitismus" bezeichnete.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Jüdischer Witz, Humor

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2012-12-27 16:44:04



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. liebe
  2. Ist da jemand?
  3. Möge die Schlacht mit uns sein
  4. Vom Kunstgewerbe zur Kunstpille
  5. Disney auf dem Weg zur medialen Allmacht
Meistkommentiert
  1. "Ohne Polen kollabiert London"
  2. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  3. Die Kamera als Schutz
  4. Ist da jemand?
  5. Beethoven-Skulptur in Wien enthüllt

Werbung




Werbung



Werbung