• vom 28.10.2014, 17:10 Uhr

Kultur

Update: 28.10.2014, 22:26 Uhr

Dieter Nuhr

Das letzte Tabu




  • Artikel
  • Kommentare (8)
  • Lesenswert (13)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christina Böck

  • Fast alle deutsche Comedians sind sich einig: Über den Islam lacht man nicht.

Dieter Nuhr ist im Moment das Lachen vergangen: Einige islamkritische Witze haben einen Salafisten veranlasst, den deutschen Comedian anzuzeigen.

Dieter Nuhr ist im Moment das Lachen vergangen: Einige islamkritische Witze haben einen Salafisten veranlasst, den deutschen Comedian anzuzeigen.© Stefan Gregorowius/Action Press/picturedesk.com Dieter Nuhr ist im Moment das Lachen vergangen: Einige islamkritische Witze haben einen Salafisten veranlasst, den deutschen Comedian anzuzeigen.© Stefan Gregorowius/Action Press/picturedesk.com

"Ich mache keine Witze über Religion oder kranke Menschen." Das sagte kürzlich einer der bekanntesten deutschen Comedians, Bülent Ceylan, im Interview. Er wird schon wissen, warum. Vielleicht will er nur verhindern, was seinem Kollegen Dieter Nuhr passiert ist. Dieser wurde nämlich angezeigt: wegen "Beschimpfung von Religionsgesellschaften" nach Paragraf 166 des deutschen Strafgesetzbuchs.

Was hat Nuhr gemacht? Nun, das, was Comedians eben machen: Witze. In einem alten Video auf YouTube hat jemand Passagen aus seinen Kabarettprogrammen zusammengeschnitten, allesamt zum Thema Islam. Zur Veranschaulichung: Bei zehn Programmen seit 1995 kommt da ein Video von 15 Minuten heraus. Da macht Nuhr Witze über Selbstmordattentäter, er zitiert auch aus dem Koran: "Tötet die Ungläubigen, wo ihr sie findet - das grenzt ja an Unhöflichkeit." Und er analysiert weiter: "Wer gerade ungläubig ist, entscheidet immer der mit der Waffe."


Anzeige als Form des Dschihad
Das hat Erhat Toka so erregt, dass er Nuhr angezeigt hat. Und ihm vorgeworfen hat, ein Hassprediger zu sein, der "blöde, dumme Hetze betreibe". Bei einer von ihm organisierten Demonstration zeigte Toka, dass auch er nicht ganz geschmackssicher ist: Sich gegen die Diffamierung des Islam durch Nuhr zur Wehr zu setzen: "Das ist meine Form des Dschihads", rief er in sein Megafon.

Nun sagt Nuhr in dem inkriminierten Video auch das: Seine Mutter habe ihm abgeraten, das Thema Islam zu behandeln. "Die Menschenrechtslage ist in Deutschland gerade nicht so, dass man frei reden könnte." Auch das war natürlich Satire. Das ist nicht die faktische Darstellung von Wirklichkeit - das ist überhöhte, überspitzte Beschreibung. Der Kläger freilich hat Nuhr so ernst genommen, dass er auch diesen Gag als Realität bestätigt hat.

In der üppigen Comedy-Szene Deutschlands machen die Kollegen von Nuhr um das Thema Islam einen weiten Bogen. Ein furchtloser Spötter wie Harald Schmidt sagte: "Davon lasse ich die Finger. Das ist mir zu heikel." Michael Mittermeier hat immerhin einmal eine Nummer gemacht, in der ein schwuler Selbstmordattentäter sich beim Mufti beschwert, dass es im Paradies nur weibliche Jungfrauen gibt. Gesundheitskabarettist Eckart von Hirschhausen ist sich des Ausweichmodus bewusst: "Ich glaube, das größte Tabu in der Comedy ist der Islam. Da traut sich keiner ran. Es muss Aufgabe der Zunft und der Medien sein, das Loslösen von Tabus auch auf diesen Bereich auszudehnen." Nuhr selbst berichtet im Video, dass er lange keine Islamwitze gemacht habe. "Dass es Verstümmelungen von kleinen Mädchen gibt, Zwangsheirat und Ehrenmord - unter uns Politisch-Korrekten galt das als folkloristische Eigenart."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Schlagwörter

Dieter Nuhr, Islamkritik

8 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-10-28 16:38:05
Letzte ─nderung am 2014-10-28 22:26:57



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. ORF wünscht sich ein Dutzend Gesetzesänderungen
  2. "Ich glaube nicht mehr an Trends"
  3. kurz gesagt: so gehts
  4. Vom Nutzen und Nachteil der Arbeit
  5. Mit Flöte, ohne Zauber
Meistkommentiert
  1. Der Piefke
  2. Als Morak und Metropol noch wild waren
  3. Eine schwierige Kiste
  4. Streit um Affen-Selfie beendet
  5. ORF wünscht sich ein Dutzend Gesetzesänderungen

Werbung




Werbung



Werbung