• vom 25.11.2014, 18:39 Uhr

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Was Google verrät: Religiöse suchen öfter nach Sex




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Von Adrian Lobe

  • Von wegen prüde: Konservative Südstaatler suchen im Netz am meisten nach Sexbegriffen.

Nicht Liebe, aber schnelle Befriedigung kann man im Netz finden. - © Science Photo Library/Corbis

Nicht Liebe, aber schnelle Befriedigung kann man im Netz finden. © Science Photo Library/Corbis

Wien. Eine Google-Anfrage verrät bisweilen mehr, als einem lieb ist. Man sitzt zwar allein vor dem Computer, doch in der Summe ergeben die Daten gewisse Muster. So zum Beispiel über sexuelle Interessen. Dank Internet ist Pornographie leichter zugänglich als je zuvor. Doch gibt es einen Zusammenhang zwischen den Dispositionen der Nutzer und Google-Anfragen? Suchen konservative oder religiöse Menschen öfter nach Pornos oder Schmuddelbildern?

Kanadische Wissenschafter sind dieser Frage nachgegangen. In ihrer Studie ("Do American States with More Religious or Conservative Populations Search More for Sexual Content on Google?"), die im Fachblatt "Archives of Sexual Behavior" erschienen ist, untersuchten die Psychologen Cara C. MacInnis und Gordon Hodson von der Brock University in Ontario Daten aus Google Trends aus den Jahren 2011 und 2012. Google Trends ist ein Dienst, der Informationen darüber bereitstellt, wie oft ein Begriff auf Google gesucht wurde. Für jede Region lässt sich eine (relative) Häufigkeitsverteilung bestimmter Begriffe ermitteln.


Gepaart wurden diese Daten mit Messungen der Religiosität und politischem Konservatismus von Gallup. Das Meinungsforschungsinstitut führt regelmäßig Befragungen zu politischen oder religiösen Einstellungen in der Bevölkerung durch. Religiosität wurde mit der Prozentzahl von Bürgern gemessen, die von sich selbst sagten, Religion sei "wichtig" in ihrem Leben.

Das Ergebnis war verblüffend: Bewohner aus konservativen und religiöseren Staaten googelten häufiger Begriffe wie "Sex", "gay sex", "porn", "xxx" oder "free porn". Wenn es um nackte Tatsachen ging, kannten die User keine Hemmungen. Die gemeinhin als prüde geltenden Südstaatler suchten demnach besonders oft nach anrüchigen Begriffen. Texas rangierte beim Suchinteresse Sex an der Spitze, gefolgt von Georgia. Wie ist das zu erklären? Sind die Südstaatler gar nicht so religiös und konservativ, wie es repräsentative Umfragen zeigen? Oder leben sie verborgene Eigenschaften nur eher im Internet aus? In Vermont, wo nur rund ein Drittel der Bewohner Religion als wichtig erachten, war die Suchinteresse an Sex am geringsten.

Der Rückzug ins Netz
"Unsere Daten können nicht genau erklären, warum dieser Zusammenhang besteht", sagt Cara MacInnis auf Anfrage. "Denkbar ist aber, dass Konservative mehr mit sexuellen Inhalten beschäftigt sind oder Liberale, die in konservativen Staaten leben, vor dem Hintergrund der biederen und verklemmten Umgebung mehr nach sexuellen Themen im Internet suchen."

Sexualität wird in den USA aus der Öffentlichkeit verbannt. Apple zensiert vermeintlich obszöne Inhalte rigide, die Aufsichtsbehörde für Rundfunk und Fernsehen geht bekannter weise sogar gegen entblößte Brüste vor. Die amtlich verordnete Prüderie stammt noch aus den Bush-Jahren. Ironie am Rande: Ausgerechnet in Bushs Heimat-Bundesstaat Texas wurde besonders oft nach Sex gegoogelt.

Die Autoren differenzieren zwischen zwei Gruppen, politischen Konservativen und religiösen Konservativen. Politische Konservative suchten tendenziell eher nach anzüglichen Bildern. Religiöse Konservative dagegen googelten verstärkt nach traditionellen Sexmotiven, wie etwa Hetero-Sex oder sexuelle Handlungen zwischen Verheirateten, heißt es in der Studie. So können sich Hardliner in ihrer Weltanschauung durch das Netz bestätigen lassen.

2009 fanden Harvard-Forscher eine signifikante Korrelation zwischen Konservatismus und der Zahl von Porno-Abos. Die neue Studie scheint diesen Zusammenhang zu bestätigen. Je größer die Religiosität in einem Bundesstaat, desto mehr wurde nach schlüpfrigen Dingen gegoogelt. Überspitzt ließe sich sagen: je religiöser, desto verruchter. Einschränkend muss man jedoch hinzufügen, dass es sich um aggregierte Daten handelt, die nicht auf jeden Einzelnen zutreffen. Die Autoren resümieren: "Obwohl die Suche nach Sex im Internet eine private, anonyme Aktivität ist, bieten die Google-Daten einzigartige und neue Einsichten in das Privatleben der Amerikaner." Google ist das Schlüsselloch in die Stuben der US-Bürger.




Schlagwörter

Datenschutz, Sexualität

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Dokument erstellt am 2014-11-25 18:44:06



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