• vom 20.01.2015, 20:00 Uhr

Kultur

Update: 20.01.2015, 20:10 Uhr

Robotik

Warum Roboter keinen Schmäh’ haben




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Der Mann, der einen Klon von sich geschaffen hat: der japanische Roboterforscher Hiroshi Ishiguro mit seinem technischen Doppelgänger, Geminoid HI .

Der Mann, der einen Klon von sich geschaffen hat: der japanische Roboterforscher Hiroshi Ishiguro mit seinem technischen Doppelgänger, Geminoid HI .© apa/Visum/Panos Pictures Der Mann, der einen Klon von sich geschaffen hat: der japanische Roboterforscher Hiroshi Ishiguro mit seinem technischen Doppelgänger, Geminoid HI .© apa/Visum/Panos Pictures

Die Wiener Forscher wollen keinen Menschen simulieren, sondern intelligentes menschliches Verhalten im Computer nachbilden. "Im Grunde ist es naheliegend, die Psyche zu simulieren", sagt Schaat. Beides - ein Ebenbild seiner Psyche und eines seines Aussehens zu erschaffen - wohnt dem Menschen inne.

Selbst Gott, in der Philosophie das "höchst vorstellbare Objekt", hat in der Kunst ein menschliches Antlitz. Da in der Bibel Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschuf, will es der Umkehrschluss, dass Er so aussieht wie wir. Es ist auch anzunehmen, dass die allermeisten Menschen sich Wesen, von denen sie keine Erfahrung haben, sich nicht vorstellen können. Eine Programmarchitektur für Gefühle in einen Techno-Klon nach dem Modell der Geminoiden schaffen zu wollen, ist daher nachvollziehbar - immerhin hat der Mensch ja seine Grenzen.

Doch wird er die Geister, die er rief, wieder los? Sollte sie dereinst tatsächlich Realität werden, habe die künstliche Intelligenz zwar das Potenzial, unser aller Leben zu erleichtern, andererseits könne sie schlimmstenfalls die menschliche Zivilisation zerstören, warnten Nobelpreisträger und Hightech-Unternehmer jüngst in einem offenen Brief. Der Astrophysiker Stephen Hawking und SpaceX- und Tesla-Gründer Elon Musk betonten: "Der Sieg über Krankheit und Armut ist mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz kein unerreichbares Ziel. Aber gerade weil sie ein großes Potenzial hat, ist es so wichtig, zu erforschen, wie man die Vorteile nutzen und gleichzeitig die möglichen Gefahren vermeiden kann."

Ethik für Roboter
"Wenn ich ein Pessimist bin, sollten wir jetzt schon für den Zoo in Schönbrunn spenden, weil uns die Roboter in 20 Jahren dort in unseren Käfigen besuchen werden", scherzt Robert Trappl, Leiter des Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence in Wien. Er warnt zugleich: "Es ist nicht anzunehmen, dass Roboter sich nicht irgendwann selbst weiterentwickeln. Das heißt, dass es Programme geben wird, die einem Roboter eine Weiterentwicklung ermöglichen. Warum sollte dieser Prozess bei der Intelligenz und Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen aufhören? Das ist nicht plausibel."

Im Unterschied zur Evolution, für die die Natur Jahrmilliarden gebraucht hat, würde die menschengemachte technische Entwicklung schneller vor sich gehen, sagt Trappl, der derzeit ein Buch zum Thema schreibt. Ethisches Verhalten von autonomen Maschinen und insbesondere Waffen und die Kontrolle durch den Menschen über diese Systeme sollten Priorität haben.

Schon Isaac Asimov beschreibt in den "Robotergesetzen" in seiner Kurzgeschichte "Runaround" (1942) "Grundregeln des Roboterdienstes". Ein Roboter darf demnach kein menschliches Wesen wissentlich verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass ihm Schaden zugefügt wird. Er muss den ihm von Menschen gegebenen Befehlen gehorchen und dessen Existenz beschützen.

Der Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem verweigert Asimovs Gesetzen den Gehorsam, weil er in ihnen einen unauflösbaren Widerspruch sieht: "Intelligent sein heißt so viel wie: seine eigene bisherige Programmierung durch bewusste Willensakte, dem aufgestellten Ziel entsprechend, abändern zu können. Somit kann ein ,Roboter‘ für alle Ewigkeit für den Menschen vollkommen ungefährlich bleiben, aber dann muss er auch gewissermaßen dumm sein." Vielleicht gibt es deswegen keine Roboter, die lachen, Schmäh’ führen und Witze reißen. Denn was, wenn nicht Humor, erfordert Intelligenz?

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Schlagwörter

Robotik, Roboter, Gefhle, Emotionen

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Dokument erstellt am 2015-01-20 17:17:06
Letzte nderung am 2015-01-20 20:10:42



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