• vom 11.10.2015, 19:53 Uhr

Kultur

Update: 11.10.2015, 19:53 Uhr

Interview

Fast 8 von 10 Glückspunkten




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Von Christina Höfferer

  • Designer Stefan Sagmeister über die Messbarkeit von Glück und was Kloputzen damit zu tun hat.

Design- und Kunstschau ab 28. Oktober auch im MAK.

Design- und Kunstschau ab 28. Oktober auch im MAK.© Walsh Design- und Kunstschau ab 28. Oktober auch im MAK.© Walsh

Er ist einer von Österreichs prominentesten Designer-Exporten: Grafik-Designer und Künstler Stefan Sagmeister hat schon vor beinahe 20 Jahren CD-Cover für die Rolling Stones kreiert. Mit dem Musikgeschäft hat er heute nichts mehr zu tun, seine Entwürfe sind aber trotzdem weltweit begehrt. Im Wiener MAK zeigt er ab 28. Oktober einen Grenzgang zwischen Design und Kunst. In der Ausstellung "The Happy Show" geht er der Frage nach, wie man das eigene Glück steigern kann. Die "Wiener Zeitung" sprach im Vorfeld mit dem Bregenzer, der seit Jahren in New York lebt - in Rom.

"Wiener Zeitung": Was bedeutet Reisen für Sie?


Stefan Sagmeister: Ich tue es sehr gerne, ich bin etwa die halbe Zeit im Jahr unterwegs. Das unterbricht mein Leben auf sehr wunderbare Weise. Es wundert mich selbst, dass es mir noch nicht auf den Wecker geht. An sich würde ich mir denken, ich kenne das jetzt, ich war schon an vielen Orten, jetzt müsste ich etwas anderes machen zur Abwechslung. Das ist aber nicht so. Ich war schon zwei Mal in Rom und bin wieder so gern hier. Es passiert auch relativ oft, dass ich während des Reisens gute Arbeit für das Studio in New York leiste, weil ich gute Eindrücke für die Arbeit habe. Häufig kommt etwas Besseres heraus, wenn ich mich im Hotelzimmer eine Stunde hinsetze und nachdenke, als wenn ich mich länger im Studio zu Hause hinsetzen würde.

Glück ist nicht gleich Glück: Stefan Sagmeister hielt zehn Jahre lang seine Erfahrungen schriftlich fest.

Glück ist nicht gleich Glück: Stefan Sagmeister hielt zehn Jahre lang seine Erfahrungen schriftlich fest.© Sagmeister & Walsh/John Madere Glück ist nicht gleich Glück: Stefan Sagmeister hielt zehn Jahre lang seine Erfahrungen schriftlich fest.© Sagmeister & Walsh/John Madere

Was bedeutet Internationalität für Sie?

Ich glaube, Internationalismus wird jetzt immer mehr übergehen in ein Sich-Rückbesinnen auf
das Lokale. Ich habe bis jetzt noch niemanden getroffen, dem es recht ist, dass die Welt überall gleich ausschaut. Ich glaube,
dass wir als Menschen das nicht wollen.

Was ist an wirtschaftlichem Denken nötig, um ein kreatives, selbstverwirklichendes Leben zu führen?

Ich glaube, dass sicherlich ein Grund dafür, wieso wir in unserem Studio vermehrt Einfluss auf das haben, was wir machen, darin besteht, dass wir auf sehr sicheren wirtschaftlichen Füßen stehen. Es gibt sehr viele, gerade auch sehr junge Designer, die sagen "Das Geld ist mir egal, es geht mir nur darum schöne Arbeiten zu machen." Ich finde diese Einstellung natürlich sehr sympathisch, warne diese Designer aber immer, dass sie nicht sagen können, das Geld ist egal. Sondern dass sie das Geld sehr wohl ganz genau im Auge behalten müssen. Wenn nicht, dann ist man nach zwei Jahren nicht mehr im Geschäft und kann keine guten Arbeiten mehr machen. Wenn ich nicht weiß, woher die nächste Miete kommt, dann ist es sehr schwer für mich, wirklich gute Arbeit zu machen. Die Miete muss schon gesichert sein, bevor ich an Selbstverwirklichung denken kann.

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Dokument erstellt am 2015-10-11 16:02:06
Letzte nderung am 2015-10-11 19:53:17



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