• vom 20.04.2016, 17:12 Uhr

Kultur

Update: 21.04.2016, 09:08 Uhr

Monarchie

Im Namen der Krone




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Von Judith Belfkih

  • Die britische Queen Elisabeth II. feiert ihren 90. Geburtstag. Vom Nutzen und Nachteil der Monarchie.

Brot und Spiele für das Volk - darauf setzten schon die Römer. Für die Niederländer ist ihr Königshaus ein willkommener Grund zum Feiern. Grell orange und ausgelassen. - © reuters

Brot und Spiele für das Volk - darauf setzten schon die Römer. Für die Niederländer ist ihr Königshaus ein willkommener Grund zum Feiern. Grell orange und ausgelassen. © reuters

Kaiserwalzer, k&k Hofzuckerbäcker, Sommerresidenz Bad Ischl, Sisis Spuren in Schloss Schönbrunn, es hat mich sehr gefreut - in Österreich ist das Thema Monarchie höchst nostalgisch besetzt. Als ein verklärter Blick in eine romantisch verklärte Vergangenheit. Die Geschichtsbücher wissen es besser. Unterm Kaiser war alles besser - diesen Satz hört man kaum noch. Doch auch die folgenden Generationen vernehmen ihn noch, den ab und an vorüberziehenden Gruß des längst verblassten Glanzes der Krone. Und kennen die leise Sehnsucht nach der Idee einer geeinten Nation, an deren Spitze ein allwissend gütiger Vater oder eine strenge, aber gerechte Mutter stehen. Die alles im Sinne ihrer Kinder regeln, auch wenn diese es nicht immer gleich verstehen können.

Elisabeth II., die heute ihren 90. Geburtstag feiert, ist vielleicht die letzte der europäischen Monarchen, die diesem Bild der strengen, mitunter reservierten Mutter der Nation noch entspricht. Doch auch das britische Königshaus ist auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Der Monarch als von Gott eingesetzter alleiniger Herrscher, dessen Legitimation und Macht nicht zu hinterfragen sind, ihn findet man in Europa nicht mehr. Die realpolitischen Geschicke führen längst demokratische Regierungen. Den Monarchen sind jenseits des Repräsentierens kaum Machtgebiete geblieben. Teil einer Königsfamilie zu sein, ist zu einem beinahe bürgerlichen Beruf geworden. Ein Rollenbild, das einem starken Wandel unterzogen wurde. Monarchen stehen heute - in Zeiten der Effizienz und der Wirtschaftlichkeit - längst unter dem Beweisdruck, dass sie dem Land und seinen Bürgern mehr bringen als sie kosten. Modernen Königshäusern wie den Niederländern, den Schweden und aus anderen Gründen auch den Briten scheint das sehr gut zu gelingen. Ihre Monarchen gegen ein gewähltes Staatsoberhaupt zu ersetzen, das steht derzeit in keinem der Länder zur Debatte. Nicht zuletzt, weil von Spanien bis Schweden gerade die junge Generation frischen Wind und Kinderlachen in die verstaubten Paläste bringt.


Doch was bieten Monarchien ihren Bürgern, das ein gewählter Repräsentant wie die künftige Bundespräsidentin oder der Bundespräsident nicht bieten kann? Warum halten aufgeschlossene Staaten der EU daran - teils mit flammender Begeisterung - fest?

Befürworter sehen die europäischen Spielarten der Monarchie, in denen dem Königshaus vor allem repräsentative Aufgaben zukommen, als eine Steigerung der Zufriedenheit der Untertanen. Ein König suggeriert Kontinuität und Sicherheit in wirtschaftlich wie politisch unsicheren Tagen. Er oder sie gibt der Nation ein Gesicht. Und meist auch ein Herz. Gerade in Zeiten, in denen die ins Wanken geratene europäische Identität die der einzelnen Staaten mitunter überlagert und untergräbt, bieten Monarchien ihren Einwohnern die Möglichkeit zur Identifikation. Sich im Glanz der Krone sonnen und stolz sein auf das eigene Land - und zwar jenseits von tendenziös rechts angehauchtem Nationalismus. Diese Funktion erfüllen Monarchien weit besser als Republiken. Und eine Form der Identifikation bleibt das Königshaus auch dann, wenn es nur darin besteht, sich in kritischer Opposition zur Monarchie zu stellen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-04-20 15:32:04
Letzte Änderung am 2016-04-21 09:08:31



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