• vom 22.09.2016, 17:04 Uhr

Kultur

Update: 22.09.2016, 17:14 Uhr

Musikindustrie

Nur jeder Zweite zahlt für Musik




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Von Christoph Irrgeher

  • Die Musikindustrie freut sich - verhalten - über steigende Streaming-Gewinne und nimmt YouTube ins Visier.

Portable Musik anno dazumal: Dank Dienstmann müssen die Sommerfrischler nicht auf Musik verzichten. Heute sind physische Tonträger fast schon passé - auch wenn die Platte als Deluxe-Medium ein kleines Comeback gefeiert hat.

Portable Musik anno dazumal: Dank Dienstmann müssen die Sommerfrischler nicht auf Musik verzichten. Heute sind physische Tonträger fast schon passé - auch wenn die Platte als Deluxe-Medium ein kleines Comeback gefeiert hat.© Science & Society Picture Library Portable Musik anno dazumal: Dank Dienstmann müssen die Sommerfrischler nicht auf Musik verzichten. Heute sind physische Tonträger fast schon passé - auch wenn die Platte als Deluxe-Medium ein kleines Comeback gefeiert hat.© Science & Society Picture Library

Wien. Wer in den 90er Jahren die weite Musikwelt kennenlernen wollte, der musste - für heutige Begriffe - nachgerade Strapazen auf sich nehmen. Er musste nämlich zur Tür hinaus. Dort kaufte man erst einmal ein wuchtiges, teures und störungsanfälliges Gerät namens Stereoanlage. Und danach ging die Arbeit so richtig los. Dann hieß es nämlich, im persönlichen Gespräch interessante Bands auszukundschaften (Mitschüler: "Kennst du schon . . ?") und deren Alben mit beharrlichem Eifer (Verkäufer: "Nie gehört!") zu ergattern. Und dann, eines Tages, stand man vor seinem ganzen Stolz: einer wuchtigen, mehrere hundert Platten umfassenden Sammlung. Gewiss, da war manches für den Partygebrauch dabei. Die Filetstücke aber wollten in einsamen Hochämtern gehört werden.

Die digitale Sturmwelle
Tatsache: Die Schallplatte gibt es heute noch. Aber in einer anderen Rolle: Die breite Scheibe ist mittlerweile zu einem Deluxe-Medium für hippe Musikfreunde avanciert - gewissermaßen zu einem modischen Gag in Zeiten der digitalen Datenspeicherung. In dieser Rolle feierte die Platte zuletzt sogar ein Comeback: Rund 30 Prozent öfter ging sie im Vorjahr über den Ladentisch, freut sich der Musikwirtschaftsverband Ifpi.


In absoluten Zahlen betrachtet, ist das freilich nicht so berauschend: Österreichweit sorgte der Schallplatten-Umsatz für 5,2 Millionen Euro. Und überhaupt: Die goldenen Tage der Branche scheinen vorbei, seit die Internet-Zeiten und damit der digitale Klangklau begonnen haben. Setzte die Musikindustrie 2004 noch 234 Millionen Euro in Österreich um, waren es im Vorjahr 143,3.

Wobei: Ganz so illegal ist die Internetmusik heute nicht mehr. So stecken in den besagten 143 Millionen auch Verkäufe aus dem digitalen Sektor, aus Transaktionen also, die zumindest ein wenig Geld eingebracht haben - etwa über Streaming-Dienste wie Spotify. Seit Jahren legt der Geschäftszweig stetig zu und bescherte dem heimischen Musikmarkt zuletzt einen Umsatz von 11,2 Millionen Euro.

Dass es (noch) nicht mehr geworden ist, mag auch an den Preisen im Internet liegen. Wer das neue Netrebko-Album streamt, fährt ungleich günstiger, als wenn er sich in der City ins CD-Geschäft (derer es nicht mehr viele gibt) bemüht. Bei der Ifpi scheint man sich dennochmit diesen Preisen abgefunden zu haben. Weil auch Kleinvieh Mist macht - und das immer noch besser ist als gar kein Vieh? Offizielle Begründung: Eine CD sei zwar teurer als ein Stream; beim Streaming aber werde für jedes Mal Anhören bezahlt - wodurch in Summe sogar mehr zusammenkommen könnte als beim klassischen Modell.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-22 17:08:09
Letzte ─nderung am 2016-09-22 17:14:17



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