• vom 14.10.2016, 17:32 Uhr

Kultur

Update: 17.10.2016, 13:47 Uhr

Sachbuch

Lernen neu entdeckt




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Von Wolfgang Taus

  • Forscher beleuchten die Mechanismen aus einem anderen Blickwinkel.

Wir nennen uns den "wissenden Menschen", weil wir der Überzeugung sind, unser enormes Wissen sei das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen uns und unseren Vorfahren. Aber vielleicht wäre es besser, wenn wir uns als "Homo exercens", den "übenden Menschen" begreifen würden, als eine Spezies, die mittels Üben ihr eignes Schicksal in die Hand nimmt und selbst über ihre Zukunft entscheidet.

Zu diesem bemerkenswerten Schluss kommen der schwedische Psychologe K. Anders Ericsson und der US-Wissenschaftsredakteur Robert Pool in ihrem aufrüttelnden Buch. Nach jahrzehntelangen Forschungen ist inzwischen klar, dass unabhängig vom Beitrag der genetischen Veranlagungen zu den Leistungen eines "begabten" Menschen dessen wichtigste Gabe dieselbe ist, über die wir alle verfügen - nämlich die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns und Körpers, die manche Menschen (mehr oder weniger bewusst) stärker nutzen als der Rest von uns. Intensives Üben führt Veränderungen im Gehirn herbei (und manchmal, je nachdem, um welche Fähigkeit es sich handelt, auch im physischen Körper), die es ihnen ermöglichen, Dinge zu tun, die sie sonst nicht tun könnten.


Auch körperliche Aktivität trainiert das Gehirn
Selbst bei Betätigungen, die wir als rein "körperliche" ansehen, wie Schwimmen oder Turnen, leistet das Gehirn einen zentralen Beitrag, da sie eine sorgfältige Koordination der Körperbewegungen erfordern. So ist etwa die sogenannte "kortikale Dichte" - die über die Menge der grauen Substanz in einer Hirnregion Auskunft gibt - bei Wasserspringern höher als bei anderen Menschen. Und zwar in jenen Regionen, die bei Visualisierung und Kontrolle von Körperbewegungen wesentlich sind. Dementsprechend "bewusstes Lernen" erzeugt "mentale Repräsentationen" und ist zugleich von ihnen abhängig.

So besteht eine Wechselwirkung zwischen Leistungssteigerungen und Steigerungen der Qualität der mentalen Repräsentation. Diese mentale Repräsentation versetzt einen Menschen in die Lage, sich selbst sowohl beim Üben oder Trainieren zu überwachen. Nur das Üben über einen ausreichenden Zeitraum in Verbindung mit Motivation und Visualisierung auf das erwünschte Endziel führt am Ende zu Erfolg. Lesenswert.

SACHBUCH

TOP - Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen

K. Anders Ericsson, Robert Pool, Pattloch 2016,

384 Seiten, 20,60 Euro




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-14 17:35:12
Letzte ─nderung am 2016-10-17 13:47:03



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