• vom 01.12.2016, 15:53 Uhr

Kultur

Update: 01.12.2016, 16:08 Uhr

Spielzeug

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Von Edwin Baumgartner

  • Der 2. Dezember ist Tag der Modelleisenbahn - eine persönliche Reminiszenz.

Einfach nur ein Spiel? - Oder doch die Freude, Herrscher einer eigenen Welt zu sein?

Einfach nur ein Spiel? - Oder doch die Freude, Herrscher einer eigenen Welt zu sein?© Picturedesk/action press/Georg Hilgemann Einfach nur ein Spiel? - Oder doch die Freude, Herrscher einer eigenen Welt zu sein?© Picturedesk/action press/Georg Hilgemann

Zu Weihnachten wünschte sich der Bub, der ich damals vor erschreckend vielen Jahren war, ein Modellsegelschiff - mit Fernsteuerung und allem Pipapo, so eines, wie es den großen Teich befuhr im Jardin du Luxembourg. Als Alternative wurde, mit schon weniger Begeisterung, eine Autorennbahn in Erwägung gezogen. Was unter dem Christbaum lag, war eine Modelleisenbahn. Es war ein Geschenk meiner Mutter. Das betone ich, weil es immer heißt, Modelleisenbahnen seien Männersache. Eine Modelleisenbahn schenkt der Vater seinem Sohn, weil er selbst damit spielen will. Mein Vater wäre für das Modellschiff gewesen. Praktische Erwägungen hatten dagegen gesprochen: Wo es zu Wasser lassen? Spielfreude nur in den warmen Monaten. Und die Autorennbahn? - Irgendein Kinderpsychologe hatte einen hochklugen Artikel verfasst, demzufolge Autorennbahnen Kinder auf ein unvorsichtiges und aggressives Verhalten im Straßenverkehr konditionieren könnten. So also kam es (kam ich...) zur Modelleisenbahn.

Heute, am 2. Dezember, wird übrigens, die Nähe zu Weihnachten ist gewiss unzufällig, der Tag der Modelleisenbahn begangen.


Von der Wüste zur Landschaft
Da lag die Sperrholzplatte mit den aufgezogenen Gleisen. "Gleiswüste" nennt man das im Fachjargon. Ein Tunnel war dabei, der ragte, grün und nach Klebstoff riechend, über der hellbraunen Platte auf. Zu Ostern kam ein Bahnhof hinzu, der stand in der Sperrholzwüstenei genau gegenüber des Tunnels. Ein einsamer Zug verkehrte über dieses Funder Desert.

Der Hersteller dieser Trostlosigkeit war Kleinbahn, ein 1947 gegründetes österreichisches Unternehmen, das sich auf die Züge der ÖBB spezialisierte.

In der Schule lief ein Glaubenskrieg unter den Modelleisenbahnbesitzern: Kleinbahn oder Märklin. Märklin war die noblere Marke. Aber Märklin-Anhänger konnte man ins Mark ihrer Semaphore treffen. Es geht um die Stromabnahme. Irgendwoher muss ja die Modell-Lok ihren Strom bekommen. Bei Kleinbahn bezieht sie ihn aus den Schienen. Bei Märklin aus stromführenden Erhebungen in der Mitte der Schwellen. Na? Hat irgendeine Bahn auf der Welt mitten auf den Schwellen solche Zapfen und Buckel?

"Naturgetreu" - das ist das Zauberwort des Modelleisenbahners. Natur und Technik im Maßstab in die Wohnung geholt. Mein Onkel Rupert, der den gesamten Keller seines Hauses in eine Modelleisenbahnlandschaft verwandelt hatte, führte mit einem Hersteller eine erboste Korrespondenz, weil der Tender einer Lok zu lang geraten war. Er hatte das nachgemessen. Wobei kleine Anpassungen schon üblich sind. Da Modelleisenbahnen mit engeren Kurvenradien zurechtkommen müssen, als die Maßstabsverkleinerung ausmachen würde, müssen längere Waggons und Triebwagen ein wenig verkürzt werden. Andernfalls würden sie aus der Kurve fliegen.

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Spielzeug, Modelleisenbahn

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-12-01 15:59:05
Letzte ─nderung am 2016-12-01 16:08:04



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