• vom 13.12.2016, 16:21 Uhr

Kultur

Update: 22.12.2016, 15:50 Uhr

Winterschlaf

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Von Kerstin Viering

  • Einige Primaten halten Winterschlaf. Das könnte bedeuten, dass auch der Mensch die dafür nötige genetische Ausrüstung hat.

Lemuren sind nicht die einzigen Primaten, die eine Art Winterschlaf halten.

Lemuren sind nicht die einzigen Primaten, die eine Art Winterschlaf halten.© fotolia/rg1986 Lemuren sind nicht die einzigen Primaten, die eine Art Winterschlaf halten.© fotolia/rg1986

Die kalten und dunklen Wochen einfach verschlafen? Für manche Menschen ist das eine ziemlich verlockende Vorstellung. Und vom Igel bis zum Murmeltier gibt es ja auch genügend tierische Vorbilder, die das problemlos schaffen.

Ausgerechnet unsere nähere Verwandtschaft scheint für den Winterschlaf allerdings wenig übrig zu haben: Bei den meisten Primaten ist das ganze Jahr über Aktivität angesagt. Zumindest hatten Biologen das lange angenommen. Doch es gibt in Affenkreisen offenbar mehr Winterschläfer als gedacht. Experten halten es durchaus für möglich, dass auch im menschlichen Erbgut noch entsprechende Informationen schlummern. Doch warum sollten sich Primaten überhaupt eine solche jahreszeitliche Ruhephase gönnen? Schließlich leben viele von ihnen in den Tropen, die das ganze Jahr hindurch ein relativ ausgeglichenes Klima und Nahrungsangebot bieten. "Tatsächlich gibt es dort deutlich weniger Winterschläfer als in den gemäßigten oder hohen Breiten", bestätigt Thomas Ruf vom Institut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien.


Energiesparen in den Tropen
Manchmal kann freilich eine Energiesparphase auch in tropischen Regionen nützlich sein. Laut Definition genügt es für einen "Winterschläfer", wenn er seinen Stoffwechsel für mehr als 24 Stunden herunterfahren kann.

Dieses Talent könnte zum Beispiel eine wichtige Rolle bei der Besiedlung Madagaskars gespielt haben. Die dortigen Primaten gehören zur Gruppe der Lemuren. Ihre Ahnen sollen die Insel vor etwa 47 bis 54 Millionen Jahren erreicht haben - wahrscheinlich als Passagiere auf im Wasser treibenden Baumstämmen. Allerdings liegt Madagaskar rund 430 Kilometer vom afrikanischen Festland entfernt, eine solche Seereise würde mindestens zwei bis drei Wochen dauern. "Das können die Tiere auf keinen Fall ohne Wasser geschafft haben", meint Ruf. Es sei denn, sie haben sich in den Winterschlaf versetzt.

Zumindest einige ihrer Nachfahren wie etwa der Westliche Fettschwanzmaki beherrschen diesen Stoffwechseltrick jedenfalls noch. Er hilft ihnen vor allem, während der Trockenzeit Wasser zu sparen.

Außerhalb von Madagaskar kannten Biologen bis vor kurzem allerdings keinen einzigen winterschlafenden Primaten. Das aber wollte Ruf und seinen Kollegen nicht einleuchten. Denn auch für Primaten in anderen Regionen kann es zu bestimmten Jahreszeiten ungemütlich werden. Zum Beispiel für die Zwergloris, die in den Wäldern von Vietnam, Kambodscha, Laos und China leben, wo im Winter die Temperaturen bis auf fünf Grad fallen.

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Schlagwörter

Winterschlaf, Primaten

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Dokument erstellt am 2016-12-13 16:26:09
Letzte ─nderung am 2016-12-22 15:50:07



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