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Kultur

Update: 01.03.2017, 20:11 Uhr

Sachbuch

Zurück zum Einheitsstaat?




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Von Wolfgang Taus

  • Religion und Gewalt in der arabischen Welt: Autor Aref Hajjaj setzt im Palästinenserkonflikt auf das Modell des Einheitsstaates.

Der langlebige israelisch-palästinensische Konflikt ist lösbar, aber nicht in Form der bisher international favorisierten Zwei-Staaten-Lösung. Vielmehr müsse man zurückkehren zum Lösungsmodell eines gemeinsamen demokratischen Rechtsstaates für Israelis und Palästinenser - sei es als Einheitsstaat, föderativer Staat oder als Föderation zweier Staaten.

Abrüstung der Worte

Information

Land ohne Hoffnung? Arabischer Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas.
Aref Hajjaj
Verlag Ferdinand Schöningh 2016,
167 Seiten, 20,50 Euro.

Um diese Vision allerdings Wirklichkeit werden zu lassen, braucht es eine signifikante "Abrüstung der Worte und Taten" - verbunden mit dem Ablegen jeweils historisch lieb gewonnener ideologisch-religiös verbrämter Maximalforderungen von Seiten zionistischer Hardliner wie arabisch nationalistisch-islamistischer Scharfmacher, schreibt der deutsch-palästinensische Politikwissenschafter Aref Hajjaj.

Sein höchst lesenswertes Buch mit dem Titel "Land ohne Hoffnung? Arabischer Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas" ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ein solches Staatsmodell, um auf diese Weise deeskalierend einzuwirken und den Endloskonflikt endlich zu befrieden.

Zionismus, arabischer Nationalismus und Panislamismus schöpften teils aus der gleichen geistigen Quelle, nämlich aus dem europäischen, insbesondere dem deutschen Nationalismus. Die Wurzeln des "Nahostkonflikts" sind vor allem in Europa zu suchen, schreibt der Autor.

Der arabische Nationalismus ist unter anderem die Folge gefühlter gemeinschaftlicher Ohnmacht und Geringschätzung von außen. Hajjaj geht davon aus, dass der aktuelle Dschihadismus in Form von Terrorgruppen wie Al-Kaida oder dem sogenannten Islamischen Staat viel stärker mit weltlich orientierten Triebkräften des arabischen Nationalismus (im neuen religiös-islamistischen Kleid) im Zusammenhang steht als bisher angenommen.

Der Irak-Krieg der USA gegen das Regime von Saddam Hussein und die fortlaufenden Repressionen gegen die Palästinenser durch Israel haben aus Sicht des Autors, zusammen mit der von sunnitischen und schiitischen Rechtsgelehrten in theologischer und gesellschaftlicher Sicht "fahrlässig" versäumten Anpassung der Islam-Exegese an die Moderne, zum Flächenbrand im Großraum beigetragen. Dazu kommt, dass ein eigener palästinensischer Staat durch den weiterhin vorangetriebenen israelischen Siedlungsbau mittlerweile kaum mehr eine Chance auf Verwirklichung hat.

Es bleibt also langfristig nur der nunmehr einzig gangbare Lösungsweg übrig, um ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern zu gewährleisten: Ein gemeinsames demokratisches Staatsmodell, das Abschied nehmen müsse von Zionismus, politischem Islam und Nationalismus.





Schlagwörter

Sachbuch, Nahostkonflikt

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-01-09 16:03:08
Letzte nderung am 2017-03-01 20:11:21



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